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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kupfervitriol

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Kupfervergiftung - Kupfervitriol.

gen Stunden kann der Tod erfolgen. Die durch Aufnahme des Kupfers ins Blut erfolgenden Vergiftungserscheinungen zeigen sich teils als heftiges Ergriffensein des Gehirns und Rückenmarks, teils als sogen. Kupferkolik. Die akute Gehirn- und Rückenmarksaffektion entsteht nach größern Mengen Kupfer, ohne daß dabei die Verdauungsorgane besonders leiden. Starker Kopfschmerz, Schwindel, Abgeschlagenheit und Zittern der Glieder, Krämpfe, Erweiterung der Pupillen, Kälte der Glieder, Störungen des Atmens und des Blutlaufs, Erbrechen, Durchfall oder Koliken, Schlafsucht, Anästhesie und zuletzt Lähmungen sind die charakteristischen Erscheinungen. Die Behandlung der akuten K. besteht in Entfernung des Gifts durch Auspumpen des Magens oder Brechmittel, man gibt innerlich Opiate, macht kalte Überschläge auf den Kopf, legt Senfteige etc. Als Gegengift dienen viel warmes Wasser, verdünntes Eiweiß, gebrannte Magnesia, gelbes Blutlaugensalz, Eisenfeile, Eisensulfhydrat; gegen die Schmerzen Opium. Die chronische K. oder Kupferkolik (Colica cuprica) kommt am häufigsten als Gewerbekrankheit bei Arbeitern auf Kupferhämmern, bei Gelb- und Rotgießern, selbst bei Kupferstechern, Kupferdruckern vor, bei denen in der Regel längere Zeit vorher schon die Haare, das Gesicht, die Augen und Zähne allmählich eine grünliche und grünlichgelbe Färbung annehmen, welche, wie die chemische Untersuchung nachweist, von dem im Gewebe enthaltenen Kupfer herrührt. In dem Grad, als diese charakteristische Färbung zunimmt, nehmen auch die innern Gewebe an derselben teil, was sogar an den Knochen und am Gehirn sehr deutlich wahrzunehmen ist. Die chemische Analyse war im stande, sowohl aus diesem als auch aus dem Blute, dem Speichel, der Galle, dem Urin etc. Kupfer nachzuweisen. Diese als Kupferdyskrasie zu bezeichnende Durchtränkung der Körpergewebe kann längere Zeit bestehen, ohne auffallende Störungen in den Verrichtungen der Organe hervorzurufen. Allmählich aber klagen die so mit Kupfer durchsetzten Arbeiter über Schwäche und Entkräftung und zeigen eine gewisse Mutlosigkeit und Niedergeschlagenheit. Wird die Zufuhr des Gifts nun gehemmt und dasselbe aus dem Körper entfernt, so kann der Kranke vollkommen der Genesung zugeführt werden. Im andern Falle leiden zuerst die Verdauungsorgane. Der Appetit vermindert sich, der Geschmack wird schlecht, Stuhlgang verhalten, oder es tritt Diarrhöe ein. Zuweilen entsteht ein Bronchialkatarrh mit grünlichem Auswurf, der durch heftiges Husten hervorbefördert wird. Auch Schnupfen entsteht öfters. Auch diese Erscheinungen können gehoben werden; schwierig ist aber die Heilung, wenn Schmerzen im Unterleib eintreten, die den Charakter der Kolik an sich tragen, wenn sich Erbrechen, Beklemmung, allgemeines Unwohlsein, Durchfälle mit Stuhlzwang dazu gesellen. Der Leib ist dann sehr gespannt, äußerst empfindlich, der Puls schnell und klein, heftiger Kopfschmerz ist vorhanden. Die Kranken sind sehr traurig und magern sichtlich ab. Dadurch, daß nach den Kolikanfällen meist diarrhöische Stuhlentleerungen erfolgen, unterscheidet sich die Kupferkolik wesentlich von der Bleikolik. Die Dauer dieses Zustandes ist in der Regel 7-14 Tage und kann zum Tod führen, es kann jedoch auch Genesung erfolgen. Die Behandlung besteht vor allem in Entfernung des Kranken aus der Kupferatmosphäre, Reinigung des Körpers von den anhängenden Kupferteilen durch warme Bäder, und ist die Kupferkolik zum Ausbruch gekommen, dem man oft durch leichte Abführmittel, schweiß- und urintreibende Mittel begegnen kann, so setzt man Blutegel an Bauch und After, macht warme Breiumschläge und gibt endlich Opiate, gegen das Erbrechen kohlensäurehaltige Getränke, auch Zitronensaft und Morphium, dabei eine leichtverdauliche, aber nahrhafte Diät.

Kupfervitriol (schwefelsaures Kupferoxyd, Kupfersulfat, Kuprisulfat, blauer, cyprischer Vitriol, blauer Galitzenstein) CuSO_{4} findet sich in der Natur (Chalkanthit) als Zersetzungsprodukt von Kupfererzen, meist in stalaktitischen oder nierenförmigen Aggregaten, als Überzug und Beschlag, auch gelöst in Grubenwassern (Zementwassern) und wird erhalten, indem man Kupferoxyd (Kupferhammerschlag) in verdünnter Schwefelsäure oder metallisches Kupfer in heißer konzentrierter Schwefelsäure löst (bei der letzten Operation entweicht schweflige Säure, und etwas Schwefelkupfer scheidet sich ab). Man erhält auch K., wenn man das Kupfer mit verdünnter Schwefelsäure bei Luftzutritt oder mit verdünnter salpetersäurehaltiger Schwefelsäure behandelt. Zur Darstellung im großen verdampft man Zementwasser zur Kristallisation, oder man erhitzt Kupfer im Flammofen mit Schwefel, röstet das gebildete Schwefelkupfer und laugt das Produkt mit Wasser und Schwefelsäure aus, um das neben K. gebildete Kupferoxyd ebenfalls zu lösen. Man röstet auch Konzentrationsstein (Spurstein), der aus Schwefelkupfer und Schwefeleisen besteht, laugt mit Wasser aus und bringt die Lauge zur Kristallisation. Aus der Mutterlauge, welche reich an Eisenvitriol ist, fällt man das Kupfer durch Eisen. Man löst ferner geröstetes Schwarzkupfer, Kupferhammerschlag, Malachit (kohlensaures Kupferoxyd) in Schwefelsäure und läßt über Kupfergranalien, Kupferabfälle etc. wiederholt warme verdünnte Schwefelsäure fließen, oder man röstet kupferhaltige Eisenkiese, laugt mit Wasser aus, fällt mit Schwefelwasserstoff Schwefelkupfer und röstet dies. Beim Affinieren, bei der Silbergewinnung nach Ziervogel und bei der Verarbeitung von Kupferjodür auf Jod entsteht K. als Nebenprodukt. Zur Reinigung von rohem K. kristallisiert man ihn um, oxydiert aber vorher darin enthaltenen Eisenvitriol durch Erhitzen im Flammofen, wobei unlösliches Eisenoxyd entsteht, oder fällt das Eisen durch kohlensaures Kupferoxyd. Über den eisenhaltigen K. des Handels s. Eisenvitriol. Schwefelsaures Kupferoxyd bildet lasurblaue Kristalle mit 5 Molekülen Kristallwasser, vom spez. Gew. 2,28, besteht in 100 Teilen aus 31,85 Kupferoxyd, 32,07 Schwefelsäure und 36,08 Wasser, schmeckt herb, widrig metallisch, reagiert sauer, und 100 Teile Wasser lösen bei 10°: 36,9, bei 20°: 42,3, bei 40°: 56,9, bei 80°: 118, bei 100°: 203,3 Teile K. Den Gehalt der Lösungen von verschiedenen spezifischen Gewichten (15°) an kristallisiertem K. zeigt folgende Tabelle:

Proz. Spez. Gew.

0 1,000

1 1,007

2 1,013

3 1,020

4 1,027

5 1,033

6 1,040

7 1,048

8 1,055

9 1,062

10 1,069

11 1,076

12 1,084

13 1,091

14 1,096

15 1,114

16 1,121

17 1,129

18 1,129

19 1,137

20 1,144

21 1,152

22 1,160

23 1,169

24 1,177

25 1,185

In Alkohol ist K. unlöslich. Er verwittert in trockner Luft oberflächlich, wird bei 200° wasserfrei und weiß und zerfällt erst in starker Glühhitze in Kupfer-^[folgende Seite]