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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kyaxăres; Kybĕle; Kyburg; Kydippe; Kydnos; Kydonĭa; Kyffhäuser

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Kyaxares - Kyffhäuser.

Gönner, Feldmarschall v. Schöning, nach Sachsen, wo er durch seinen Witz und seine lustigen Streiche die Gunst des Kurfürsten August des Starken gewann und rasch Generaladjutant und General wurde. Seit 1715 Kommandant auf dem Königstein mit dem Charakter eines Generalleutnants, starb er dort 19. Jan. 1733. Von geradem Charakter, haßte er alle Schmeichelei und rügte begangene Fehler mit der größten Freimütigkeit. Obwohl er dem ganzen Hof zur Belustigung diente, wußte er gleichwohl sein moralisches Ansehen zu behaupten. Am meisten ließ er die Geißel seines derben, aber nie gemeinen Witzes die adelstolzen Höflinge fühlen. Vgl. Wilhelmi, Kyaws Leben und lustige Einfälle (Leipz. 1772, 3 Bde.); Nick, Biographische Skizzen etc. aus dem Leben des Barons F. W. v. K. (Reutling. 1860); H. R. v. Kyaw, Familienchronik des Geschlechts v. K. (Leipz. 1870); Ebeling, K. und Brühl. Zwei historische Porträts (das. 1885). - Sein Neffe Friedrich Wilhelm, Freiherr von K., geb. 22. Jan. 1708, seit 1740 in preußischen Diensten, war einer der tüchtigsten Kavalleriegenerale Friedrichs d. Gr., ward aber wegen der Übergabe Breslaus (November 1757) kriegsgerichtlich verurteilt und starb 30. März 1759.

Kyaxăres (Uvakshatra), der Begründer des medischen Reichs, folgte seinem Vater Phraortes, der mit einem großen Teil des medischen Volkes im Kampf gegen die Assyrer um 633 v. Chr. fiel, befreite sein Land von der Herrschaft der Skythen, die ganz Vorderasien überschwemmt hatten, kämpfte gegen Lydien, dessen König Alyattes er 30. Sept. 610 die durch die Sonnenfinsternis des Thales unterbrochene Schlacht lieferte, und belagerte sodann im Bund mit Nabopolassar von Babylonien, dessen Sohn Nebukadnezar seine Tochter Amuhit heiratete, Ninive, das 606 zerstört wurde. K. brachte so den ganzen östlichen Teil des assyrischen Reichs unter seine Herrschaft. Nach seinem Tod 593 folgte ihm sein Sohn Astyages. Vgl. Unger, K. und Astyages (Münch. 1882).

Kybĕle (auch Kybēbe oder nach den ihr geheiligten Bergen Dindymēne, Agdistis genannt), ursprünglich Landesgottheit der Phrygier, die "große Mutter", die besonders an Küstenplätzen auf orgiastische Weise verehrt ward, Symbol des Mondes und der Fruchtbarkeit, bei den Griechen mit Rhea (s. d.) identifiziert.

Kyburg, 1) Dorf im schweizer. Kanton Zürich, mit 386 Einw. und dem wohlerhaltenen, sehr ansehnlichen Schloß K. (680 m ü. M.), welches, 4 km von Winterthur entfernt, auf einer Anhöhe in einer romantischen Gegend liegt und eine schöne Aussicht darbietet. Das Schloß war das Stammhaus der Grafen von K., deren Ursprung in das 7. Jahrh. hinaufreicht. Die Grafschaft K. erstreckte sich von der Glatt bis an den Rhein. Als 1263 der Mannesstamm mit dem Grafen Hartmann VI. erlosch, fielen die Besitzungen an Hartmanns Neffen, den Grafen Rudolf von Habsburg, nachherigen deutschen König, und 1424 durch Verpfändung an die Stadt Zürich. Diese gab die Grafschaft zwar 1442 dem Kaiser Friedrich III. freiwillig wieder; aber dieser trat sie schon 1452 für schuldigen Sold abermals an Zürich ab, und seitdem ist sie bei dieser Stadt geblieben. In neuerer Zeit kam das Schloß an einen Privatmann, der eine prachtvolle und jedermann zugängliche Gemäldesammlung angelegt hat. Die Galerie enthält Originalwerke von Raffael, Giorgione, Tizian, Parmeggiano, Caravaggio, Guido Reni, Murillo, Velazquez, Memling, A. Dürer, Poussin, den niederländischen Meistern u. a. In der romanischen Schloßkapelle merkwürdige Wandmalereien aus dem 13. Jahrh. Vgl. Pfau und Kinkel, Beschreibung der Burg K. (Zürich 1870); Pupikofer, Geschichte der Burgfeste K. (das. 1869). - 2) (K.-Buchegg) Dorf im schweizer. Kanton Solothurn, Bezirk Bucheggberg-Kriegstetten, nördlich von Solothurn, mit Mineralquelle und (1880) 181 Einw.

Kydippe, Heldin einer im Altertum sehr beliebten griech. Liebessage, welche in der (verlornen) poetischen Bearbeitung des Kallimachos Vorbild für die spätern griechischen Prosaromane ward. Als sie, die Tochter eines vornehmen Atheners, bei einer Festfeier im Artemistempel zu Delos saß, warf Akontios, ein Jüngling von der Insel Keos, der sich beim Fest in sie verliebt hatte, einen Apfel vor sie hin mit der Aufschrift: "Ich schwöre bei der Artemis, mich dem Akontios zu vermählen". K. hob den Apfel auf, indem sie die Worte laut las, warf ihn aber dann fort, ohne die Werbung des Jünglings zu beachten. Als sie darauf ihr Vater vermählen wollte, wurde sie vor der Hochzeit jedesmal krank, wie dem Vater das delphische Orakel auf sein Befragen offenbarte, infolge des Zorns der Göttin, daß sie die in ihrem Heiligtum gesprochenen Worte unerfüllt gelassen habe, worauf der Vater sie dem Akontios vermählte.

Kydnos (jetzt Tarsus Tschai), Fluß in Kilikien, entspringt am Bulgar Dagh, nördlich von Tarsos, dessen Einwohnern seine jetzt versandete Mündung im Altertum als Hafen diente. Er war berühmt wegen seiner Klarheit und Kälte; ein Bad in ihm hätte Alexander d. Gr. fast das Leben gekostet.

Kydonĭa, uralte Stadt an der Nordküste von Kreta, am Pyknos, mit einem verschließbaren Hafen. Schon Homer erwähnt die Kydonier. In ihrem Gebiet war die Heimat der Quitten, welche davon "kydonische Äpfel" genannt wurden. K. entspricht dem heutigen Chania.

Kyffhäuser, ziemlich isolierter, mit schönem Laubwald bestandener Bergrücken in Thüringen, zieht sich längs der Grenze des preußischen Kreises Sangerhausen und der Unterherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt hin, nach N. steil zur Goldenen Aue, die ihn vom Unterharz trennt, abfallend, nach S. sanfter in das nordthüringische Bergland übergehend und durch ein tiefes Thal, das ihn der Länge nach durchzieht, in zwei Teile geschieden. Der nördliche Hauptkamm trägt zwei ausgezeichnete Ruinen: am westlichen Ende über Kelbra die Rothenburg (439 m), auf dem östlichen Eckpfeiler, über Tilleda, die sagenreiche Burg Kyffhausen (470 m). Die letztere wurde wahrscheinlich im 10. Jahrh. zum Schutz der kaiserlichen Pfalz in Tilleda erbaut, war öfters Sitz der Hohenstaufen, wurde aber 1178 von den Thüringern und im 16. Jahrh. aufs neue zerstört. Die umfangreichen Trümmer derselben dehnen sich, von Gebüsch überwachsen, weithin aus. Am bemerkenswertesten ist der gewaltige viereckige Rumpf des ehemaligen Bergfrieds (vom Volk "Kaiser Friedrich" genannt), der, noch 22 m hoch, den ganzen Gebirgszug beherrscht und auf weite Ferne sichtbar ist. Auch von der ehemaligen Kapelle am östlichen Bergabhang sind noch stattliche Trümmer vorhanden. In den Ruinen der Burg hat sich eine kleine Wirtschaft eingenistet. Der Fels, auf welchem das alte Kaiserschloß ruht, ist Rotliegendes und grobkörniger Sand, aus welchem vortreffliche Mühlsteine gearbeitet werden; höchster Punkt des ganzen Gebirgszugs ist das Lengefeld (486 m). Unter den vielen an den K. sich knüpfenden Volkssagen ist jene vom Kaiser Friedrich Barbarossa, der, im Innern des Bergs schlafend, der Wiederherstellung der Einheit und