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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: La Balue; Laasan; Laasphe; Lab; Lab.; Laba; Labadie; Laban; Lábancz; Laband

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Laasan - Laband.

sittlichen Anforderungen genügende Weisheit "auf der festen Basis der Erfahrung" zu begründen. Als Pädagog hat sich L. vornehmlich durch seine epochemachende Schrift "Der deutsche Aufsatz in den ersten Gymnasialklassen" (Berl. 1868, 2. Aufl. 1877) u. durch "Der deutsche Unterricht auf höhern Lehranstalten" (das. 1872, 2. Aufl. 1886) verdient gemacht. Von seinen Schriften seien noch genannt: "Die Pädagogik des Johannes Sturm" (Berl. 1872); "Kants Analogien der Erfahrung" (das. 1876) und "Kants Stellung in der Geschichte des Konflikts zwischen Glauben und Wissen" (das. 1882). Sein "Litterarischer Nachlaß" (hrsg. von Kerry, Wien 1887) enthält kleinere Aufsätze pädagogischen Inhalts.

Laasan, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Striegau, am Striegauer Wasser, hat ein Schloß mit Park und (1885) 1692 Einw. Zu L. gehört der Fabrikbezirk Ida Marien-Hütte mit bedeutenden chemischen Fabriken der Aktiengesellschaft Silesia, Eisengießerei, Maschinenfabrikation und Braunkohlen-, Blau- und Weißthongruben.

Laasphe, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Kreis Wittgenstein, an der Lahn und der Linie Kreuzthal-Marburg der Preußischen Staatsbahn, hat eine Präparandenanstalt, ein Amtsgericht, Trikotagen- und Strumpfwarenfabriken und (1885) 2225 meist evang. Einwohner. In der Nähe das fürstlich Wittgensteinsche Residenzschloß Wittgenstein mit zwei Eisenhütten.

Lab (Laab, Kälberlab, Käsemagen), die innere Haut des vierten Magens (Labmagen) junger saugender Kälber, die noch nichts als Milch genossen haben, besitzt die Fähigkeit, frische Milch zum Gerinnen zu bringen, auch wenn dieselbe nicht sauer reagiert, und dient daher zur Bereitung des Süßmilchkäses. Das im L. enthaltene Ferment bringt sehr große Mengen (über 600,000 Teile) Milch zum Gerinnen, äußert seine Wirkung am kräftigsten bei 41-42°, büßt dieselbe dagegen bei höherer Temperatur sehr schnell ein. Schwach saure Reaktion begünstigt die Labwirkung, alkalische dagegen und gewisse Salze heben sie auf. Die in der Milch vorhandene Calciumphosphatverbindung des Kaseins wird durch das L. gespalten in eine weitaus die Hauptmasse bildende Substanz, welche sich als Käse abscheidet, und in einen in den Molken gelöst bleibenden Eiweißkörper. In der Praxis wird das L. bei der Käsebereitung meist in Temperaturen zwischen 25 und 40° angewandt. Zur Bereitung einer Labflüssigkeit von großer Stärke und Haltbarkeit zerschneidet man getrocknete, wenigstens drei Monate alte Magen von Saugkälbern, von denen man den faltenlosen Teil abgetrennt hat, in kleine Stücke und läßt 100 Teile derselben mit 1 Lit. Wasser, 50 g Kochsalz und 40 g Borsäure bei gewöhnlicher Temperatur unter häufigem Umschütteln fünf Tage stehen, setzt dann weitere 50 g Kochsalz zu und filtriert. Von guter Labflüssigkeit muß 1 Teil wenigstens 6000 Teile frischer ganzer Milch bei 35° in 40 Minuten zum Gerinnen bringen. Auch Labpulver, welches 300,000 Teile Milch koagulieren soll, kommt in den Handel. Eine zur Molkenbereitung geeignete Labessenz (Liquor seriparus) erhält man durch dreitägiges Macerieren von 3 Teilen frisch abgeschabter Schleimhaut des Labmagens mit 26 Teilen weißem (sehr schwach saurem, 8-9 Proz. Alkohol enthaltendem) Wein und 1 Teil Kochsalz. Ein Theelöffel voll des Filtrats, auf 35-40° erwärmt, bringt 0,5 Lit. Milch zum Gerinnen. Das L. war schon den Alten bekannt, und Aristoteles rühmt als besonders wirksam das von jungen Hirschen oder Rehen. Dem Labferment sehr ähnlich wirkende Fermente kommen auch im Pflanzenreich vor, so im Safte der Früchte des Melonenbaums (Carica Papaya), im Milchsaft des Feigenbaums (Ficus Carica), in den Samen von Punceria (Withania coagulans), in den Blüten der Artischocke (Cynara Scolymus) und der Eberwurz (Carlina corymbosa).

Lab., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für J. J. H. ^[Jacques Julien Houton] de Labillardière (s. d.).

Laba, der bedeutendste Nebenfluß des Kuban im russ. Gouvernement Kutaïs, entsteht aus der Großen (120 km) und der Kleinen L. (84 km lang), welche beide auf dem nördlichen Abhang des Kaukasus entspringen, und mündet nach einem Laufe von 160 km bei Ust-Labinsk. Das linke niedrige Ufer leidet sehr durch Überschwemmungen, welche ein sehr gefährliches Fieber erzeugende Sümpfe hinterlassen.

Labadie, Jean de, Mystiker und Separatist, geb. 13. Febr. 1610 zu Bourg in Guienne, war anfangs Jesuit, verließ aber 1639 den Orden und trat 16. Okt. 1650 zur reformierten Kirche über. Von Montauban, wo er 1652 Prediger geworden war, verbannt, übernahm er das gleiche Amt 1657 in Orange, 1659 in Genf und 1666 zu Middelburg in Zeeland. Hier seines Amtes entsetzt, weil er eine Gemeinschaft Wiedergeborner herstellen wollte und Spaltungen erregte, wendete er sich 1669 nach Amsterdam, von da nach Herford und, als ihn 1672 ein Edikt des Reichskammergerichts auch von hier vertrieb, nach Bremen und endlich nach Altona, wo er 13. Febr. 1674 starb. Seine Anhänger, Labadisten, wichen zwar äußerlich kaum von der Lehre der reformierten Kirche ab, strebten aber einem katholisch-klösterlichen Lebensideal nach und lebten in Gütergemeinschaft von Händearbeit. Nach Labadies Tod wandten sie sich nach Wieuwerd in Westfriesland, fanden aber wenig Verbreitung (um 1680 etwa 400 Seelen) und erloschen 1744. Unter Labadies Anhängern zeichnete sich namentlich die gelehrte Anna Maria v. Schürmann (s. d.) aus. Vgl. Ritschl, Geschichte des Pietismus in der reformierten Kirche (Bonn 1880).

La Balue (spr. -lüh), Jean de, Kardinal und Minister Ludwigs XI. von Frankreich, geb. 1421 in Poitou, trat in den geistlichen Stand und erlangte bald die Gunst des Königs, der ihn trotz seines unwürdigen Lebenswandels zum Bischof von Evreux und Angers und zum Almosenier erhob, ihm auch die Geschäfte eines obersten Ministers, namentlich die Finanzen, übertrug. Er beseitigte die Pragmatische Sanktion, wofür ihn der Papst zum Kardinal ernannte. Weil er aber mit den Feinden Ludwigs XI., den Herzögen von Berri und Burgund, in geheimem Briefwechsel stand und diesen die Pläne des Königs verriet, ließ ihn dieser 1469 verhaften und in einem engen eisernen Käfig, den der Kardinal zur Peinigung andrer selbst erfunden, elf Jahre lang auf dem Schloß Ozain bei Blois gefangen halten. 1480 endlich freigelassen, begab sich L. nach Rom, wo ihn der Papst mit Ehren überhäufte und zum Bischof von Albano ernannte. 1484 wurde er sogar als Legatus a latere nach Frankreich geschickt, wo er aber einen schlechten Empfang fand. Er starb 1491 in Rom.

Laban, Sohn Bethuels, Bruder der Rebekka und Vater Leas und der Rahel, die er beide Jakob vermählte.

Lábancz (spr. lábantz, v. ungar. lab, Fuß), Spottname, mit welchem die Anhänger Tökölys und Franz Rákóczys II. die Anhänger der Regierung, besonders aber das Fußvolk der Gegenpartei, bezeichneten.

Laband, Paul, ausgezeichneter Germanist und Staatsrechtslehrer, geb. 24. Mai 1838 zu Breslau,