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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: La Fare; Lafayette

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La Fare - Lafayette.

La Fare (spr. fār), Charles Auguste, Marquis de, franz. Dichter, geb. 1644 im Schloß Valgorge im Vivarais, gest. 1712 in Paris, zeichnete sich in den Feldzügen von 1667 und 1674 aus, wurde Turennes Freund, mußte aber infolge seiner zahlreichen Liebesabenteuer den Dienst ausgeben und führte seitdem ein dem Genuß und der Trägheit geweihtes Leben, dessen Freuden er mit glänzendem Esprit und in eleganten Versen besang. Seine "Poésies" enthalten seine leichten, natürlichen Gedichte und "L'Opéra de Panthée", zu der der Herzog von Orléans die Musik komponierte. Seine "Mémoires et réflexions", voll von geistreichen und treffenden Schilderungen seiner Epoche, wurden mit den "Poésies" herausgegeben (Amsterd. 1755, 2 Bde.). Seine Werke werden meist mit denen Chaulieus (s. d.) zusammen gedruckt.

Lafayette, Stadt im nordamerikan. Staat Indiana, am Wabash, 100 km nordwestlich von Indianapolis, hat Mühlen, Eisengießereien, Fabrikation von Ackergerätschaften, Papier, Wolle etc. u. (1885) 25,000 Einw.

Lafayette (spr. -fajett), 1) Marie Madeleine Pioche de Lavergne, Gräfin de, berühmte franz. Romandichterin, geboren im März 1634 zu Paris als die Tochter des Maréchal de Camp Aymar de Lavergne, spielte frühzeitig eine bedeutende Rolle in dem litterarischen Zirkel des Hôtel Rambouillet und machte nach ihrer Verheiratung mit dem Grafen L. (1655) ihr eignes Haus zum Sammelplatz der ausgezeichnetsten Geister. Huet, Ménage, Frau v. Sévigné, Lafontaine und Ségrais sah man häufig bei ihr, und der Herzog von Larochefoucauld war ihr intimer Freund. Die allgemein verbreitete Ansicht, daß Mad. de L. nach dem Tode (1688) dieses ihres einzigen Freundes ein einsames und strengen Büßungen geweihtes Leben geführt habe, ist neuerdings durch die Entdeckung ihrer Korrespondenz mit dem Hofe von Piemont umgestoßen worden ("Lettere inedite di Mad. de L.", hrsg. von Perrero, Turin 1880); es wird unwiderleglich dargethan, daß sie bis zu ihrem Tod (Mai 1693) eine äußerst einflußreiche Rolle am Hof Ludwigs XIV. spielte und sich in der Verteidigung der Ansprüche der verwitweten Herzogin von Piemont, einer französischen Prinzessin und Jugendfreundin der L., als geschickte Intrigantin bewies. Galt sie bisher für eine poetische Figur mit krankhafter, nervöser Konstitution, ruhebedürftig und jeder Anstrengung abhold, so müssen jetzt hauptsächlich ihre höchst achtungswerten Charaktereigenschaften betont werden: treue Anhänglichkeit und ehrlicher Freimut, scharfer Verstand und rastlose Thätigkeit. Unter ihren Romanen, die zum Teil unter Mitwirkung ihrer Freunde entstanden sind, und von denen einige zuerst sogar unter deren Namen erschienen, nimmt unbedingt die erste Stelle ein: "La princesse de Clèves" (1678, 4 Bde.; zuletzt hrsg. 1882 von Lescure), ein wegen der Reinheit und Anmut der Empfindung, der Wahrheit der Beobachtungen und der Eleganz und frischen Natürlichkeit des Stils vielbewundertes Meisterwerk. Außerdem nennen wir: "La princesse de Montpensier" (1660, neue Aufl. 1849); "Zayde" (1670, neue Ausg. 1826); "Histoire de Henriette d'Angleterre" (Amsterd. 1720; neueste Ausg., Par. 1882) und die interessanten, treffenden und lebhaft geschriebenen "Mémoires de la cour de France pour les années 1688 et 1689" (Amsterd. 1731; neue Ausg., Par. 1856). Ihre "Œuvres complètes" erschienen Paris 1812, 5 Bde., und, zusammengedruckt mit den Werken der Damen Tencin und Fontaines, das. 1825, 5 Bde.; neuere Ausgaben, das. 1863 (mit Zeichnungen von Staal) und 1882. Auger veröffentlichte auch die "Lettres de Mesdames de Villars, de L. et de Tencin" (1823), jedoch unvollständig. Vgl. "Revue des Deux Mondes" vom 15. Sept. 1880.

2) Marie Joseph Paul Roch Yves Gilbert Motier, Marquis de, berühmter franz. General und Staatsmann, geb. 6. Sept. 1757 auf Schloß Chavagnac in der Auvergne aus einem alten Geschlecht, ging, nachdem er sich bereits 1773 mit einem Fräulein Noailles vermählt und 1774 durch den Tod seines Großvaters mütterlicherseits, des Marquis de Larivière, Herr eines beträchtlichen Vermögens geworden war, 1776 auf einem von ihm ausgerüsteten Schiff nach Nordamerika, um als Freiwilliger für die Unabhängigkeit der Kolonien zu kämpfen. Er gewann bald Washingtons Freundschaft, erhielt vom Kongreß den Generalmajorsrang und erwarb sich sogleich in dem ersten Gefecht, 11. Sept. 1777 am Brandywine, hohen Ruhm. In der Schlacht bei Monmouth (1778), wo er die Avantgarde befehligte, wie bei dem Angriff auf Rhode-Island bekundete er Feldherrntalent wie persönliche Tapferkeit. Anfang 1779 reiste er nach Paris, brachte eine Anleihe von mehreren Millionen zu stande und bewog das französische Ministerium zur Unterstützung des jungen Freistaats mit einem Geschwader und einem Hilfskorps. Schon im April 1780 erschien L. wieder zu Boston und befehligte während des Feldzugs von 1780 die leichte Infanterie; 1781 übernahm er das Oberkommando in Virginia, welches er mit Erfolg gegen die Engländer verteidigte, und kehrte zu Ende des Jahrs nach Europa zurück. 1784 machte er einen Besuch in den Vereinigten Staaten; seine Reise durch Stadt und Land glich einem Triumphzug. Er ging darauf nach Deutschland, um die Höfe von Berlin und Wien zu besuchen, und fand daselbst ehrenvolle Aufnahme; am französischen Hof jedoch machte er sich durch seine republikanischen Grundsätze und den Eifer, mit welchem er auf durchgreifende Reformen drang, mißliebig. Ein jugendlich schöner Mann, begeistert für sein Ideal von Freiheit, umstrahlt vom Ruhm seiner Thaten in Amerika, ohne eigennützigen Ehrgeiz, aber auch ohne klare politische Ziele, eitel und nach Volksgunst strebend, spielte er im Beginn der französischen Revolution eine große Rolle. Von Riom in der Auvergne zum Mitglied der Adelskammer der Generalstaaten erwählt, trat er 8. Juli 1789 zum erstenmal in der Versammlung auf, um den Antrag Mirabeaus auf Entfernung der Truppen zu unterstützen. Am 11. Juli brachte er seine berühmte Erklärung der Rechte des Menschen und des Bürgers vor die Versammlung. Am 15. Juli zum Generalkommandanten der neuerrichteten Nationalgarde in Paris ausgerufen, machte er sich um deren Organisation sehr verdient und nahm eine mächtige Stellung an ihrer Spitze ein. Besonders auf dem Föderationsfest 14. Juli 1790 konnte er an der Spitze der Nationalgarde als Vertreter der Nation gelten; in theatralischer Haltung leistete er den Eid am Altar. Allein indem er den Ausschweifungen der Demokratie ebenso entgegentrat wie der Politik des Hofs, den er durch Demonstrationen mit dem Aufruhr des Pöbels zur Nachgiebigkeit zwingen wollte, verscherzte er das Vertrauen beider Parteien. Obwohl er 6. Okt. 1789 die königliche Familie zu Versailles gerettet hatte, haßte ihn doch die Hofpartei wegen seines Eifers für die neue Ordnung der Dinge, während die Gegenpartei mit den von ihm vorgeschlagenen Konzessionen: konstitutionelles Königtum, Aufhebung des Erbadels und Volksvertretung nicht zufriedengestellt war. In Gemeinschaft mit Bailly stiftete er den Klub