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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Lagöna - Lagrange.

schwellungen unterworfen, und sein Spiegel hebt sich zuweilen 7 m über den niedrigsten Wasserstand. Er wird vom Tessin durchströmt und nimmt 40 andere Flüßchen und Bäche auf, darunter im N. die viel Gerölle führende Maggia, im W. die aus dem Thal von Domodossola kommende Toce mit der Strona, dem Abfluß des Ortasees, und im O. die aus dem Luganersee kommende Tresa. In der nördlichen Hälfte wird der See von hohen, bewaldeten Bergen umgürtet, welche zu den Tessinischen Alpen gehören und eine Höhe von 2000 m und darüber erreichen (Monte Ghiridone 2184 m, Monte Spalavena 2079 m, Monte Zeda 2153 m im NW., Monte Camoghe 2226 m, Tamaro 1961 m im NO.). Zwischen dem L. und dem Ortasee erhebt sich der aussichtsreiche Monte Motterone, 1491 m. Die südlichen Ufer sind mäßige Hügelreihen, welche sich gegen die lombardische Ebene abflachen. Überall herrscht mildes Klima und südliche Vegetation. Der Wechsel der Temperatur ist aber hier stärker als am Comersee, die Luft frischer, der Zutritt der Winde ungehemmter. Auch hier beherrschen die zwei periodischen Luftströmungen den See, der Nordwind von Mitternacht bis zum Morgen, der Südwind vom Mittag bis zum Abend. Die Regenmenge ist größer als am Comersee, die schöne Jahreszeit für den Gesunden erfrischender, der Winter weniger mild. Weinberge, Obstgärten und Kastanienwälder bedecken zumeist die Ufer, von denen heitere Höfe und Weiler, glänzende Villen und volkreiche Flecken niederschauen. In dem in das westliche Ufer eingreifenden reizenden Busen von Pallanza liegen die berühmten Borromeischen Inseln (s. d.). Der See ist sehr fischreich und hat lebhafte Schiffahrt; er wird auch von Dampfern befahren. An seinem Ostufer zieht sich die Eisenbahnlinie von Magadino nach Sesto Calende (Fortsetzung der Gotthardbahn) hin. Die Bewohner der Seeufer betreiben starke Seidenzucht. Die bedeutendsten Orte an seinem Ufer sind Locarno im N., Intra und Pallanza im W. und Arona im S. Vgl. Boniforti, Il lago Maggiore (Führer, Mail. 1880).

Lagöna (lat., griech. Lagynos), bei den Römern ein Gefäß mit gewöhnlich engem Hals, weitem Bauch und einem Henkel, auch wohl mit Weiden umflochten (ähnlich dem italienischen Fiasko); hing als Aushängeschild vor den Weinhandlungen und wurde bei Tisch den Gästen vorgesetzt (s. Abbildung).

^[Abb.: Lagöna]

Lagonegro, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Potenza, in bergiger Gegend am Flüßchen Tanagro oder Negro, hat (1881) 3954 Einw. und lebhaften Handel.

Lagonen, s. Borsäure.

Lagophthalmus, s. Hasenauge.

Lagopus, Schneehuhn.

Lagos, brit. Kolonie an der Sklavenküste von Westafrika, welche nach der 1861 erfolgten Besitznahme nur 189 qkm (3,4 QM.) groß war und (1883) 87,165 Einw. zählte, durch das 1885 mit Deutschland getroffene Abkommen aber das ganze Küstengebiet zwischen dem französischen Porto Novo und dem deutschen Camerun sowie die Uferlandschaften des Niger aufwärts und des untern Binuë umfaßt. Die Grenze zwischen der deutschen Kolonie Camerun und den englischen Nigerdistrikten verläuft von der Mündung des Rio del Rey am rechten Ufer des Flusses bis zu seiner noch unbekannten Quelle, dann in gerader Linie bis zu den Ethiopeschnellen des Altcalabar und endlich in nordöstlicher Richtung, bis sie östlich von Jola den Binuë erreicht. Abgesehen von dem Nigerdelta (s. Niger) konzentriert sich der Verkehr in der Hauptstadt L. am Westrand der flachen Insel Kuramo, welche der Lagune von Kradu vorgelagert ist, nahe der Mündung des aus Joruba kommenden Agua. L. ist die volkreichste Stadt in Westafrika; sie zählt (1881) 37,452 (mit Einschluß des umliegenden Distrikts 75,247) Einw., darunter nur 117 Weiße (je 45 Deutsche und Engländer, 9 Franzosen, 4 Schweizer etc.) und 68 Mulatten, im übrigen eine sehr gemischte Negerbevölkerung. Die Stadt ist Sitz eines dem Gouverneur der Goldküste unterstellten Beamten, hat eine Garnison von 500 Haussa unter 2 englischen Offizieren und sehr bedeutenden Handel. Es sind hier 5 deutsche, 4 größere englische, 3 französische und andre Firmen thätig. Die Einfuhr betrug 1885: 542,564 (deutsch 187,628) Pfd. Sterl., die Ausfuhr 614,181 (deutsch 210,849) Pfd. Sterl. Die erstere besteht in Baumwollwaren, Spirituosen, Tabak, Faßdauben u. a., die Ausfuhr in Palmkernen, Palmöl, Baumwolle, Elfenbein u. a. Es liefen ein 404 Schiffe von 212,089 Ton., davon 222 englische von 176,771 T. und 145 deutsche von 25,411 T. Postdampfer von Liverpool, London und Hamburg laufen L. regelmäßig an. Da aber zwischen Meer und Lagune eine gefährliche Barre gelagert ist, müssen alle größern Schiffe vor derselben ankern. L. ist Sitz eines deutschen Konsuls. S. Karte bei Guinea.

Lagos (wahrscheinlich das röm. Lacobriga.), Hafenstadt in der portug. Provinz Algarve, in schöner Lage unter mildem Klima an einer Bai des Atlantischen Ozeans, hat mehrere Kirchen, eine Wasserleitung, einen großen, über einen Meeresarm führenden Viadukt und (1878) 7880 Einw., welche Wein- und Südfrüchtebau, Thunfisch- und Sardellenfang betreiben. L. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Lagos (Lagus), der Vater des Ptolemäos I. (daher Ptolemäos Lagi genannt), ersten Königs von Ägypten aus der Dynastie der Lagiden oder Ptolemäer (s. d.).

Lagos de Moreno, Stadt im nordamerikan. Staat Jalisco, mit höherer Schule, Baumwoll- und Wollfabriken, Eisenbahnwerkstätte und etwa 20,000 Einw. (1880, im Munizipium, 42,317).

Lagosta, Insel an der Küste von Dalmatien, zur Bezirkshauptmannschaft Curzola gehörig, von 28 km Umfang, hat eine große Tropfsteinhöhle, einen Leuchtturm, mehrere Häfen und (1880) 1050 Einw., welche Fischfang, Öl- und Weinbau betreiben.

Lagostomus, s. Viscacha.

La Goulette, Stadt, s. Goletta.

Lagow, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Oststernberg, zwischen zwei Seen, hat eine evang. Pfarrkirche, eine Oberförsterei und (1885) 482 Einw. Südlich die 179 m hohen Spiegelberge mit Aussicht und dabei das Gut L., ehemals eine Komturei des Herrenmeistertums Sonnenburg.

Lagrange (spr. -grangsch), Joseph Louis, Mathematiker, geb. 25. Jan. 1736 zu Turin, studierte zuerst Philosophie, dann Mathematik. Schon als Jüngling löste er die von Euler gestellten isoperimetrischen Aufgaben und behandelte das Prinzip der geringsten Bewegung. Kaum 19 Jahre alt, wurde er Professor der Mathematik an der Artillerieschule in Turin und gewann den von der Akademie der Wissenschaften zu Paris für ein Werk über die Trabanten des Jupiter ausgesetzten Preis. Gleichzeitig machte er sich durch die Darlegung der ersten Grundzüge seiner Lehre vom Planetensystem bekannt. Bald darauf berief ihn Friedrich d. Gr. als Direktor der Akademie an Eulers Stelle nach Berlin, von wo er auf Mirabeaus Ver-^[folgende Seite]