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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Laisant - Lakhnau.

Laisant (spr. läsāng), Charles Anne, franz. Politiker, geb. 1. Nov. 1841 zu Nantes, trat 1861 in die polytechnische Schule und wurde, nachdem er seinen Kursus auf derselben beendet hatte, dem Geniekorps zugeteilt. 1870 Kapitän, ward er während der Belagerung von Paris mit den Befestigungsarbeiten am Fort Issy beauftragt und in Dienstangelegenheiten nach Corsica und Algier geschickt. Da er aber entschieden republikanisch gesinnt war und als Generalrat des Departements Loire-et-Inférieure die damalige monarchistische Regierung bekämpfte, so nahm er 1876 seinen Abschied aus dem Militärdienst und ließ sich zu Nantes in die Deputiertenkammer wählen, in welcher er sich dem Republikanischen Verein anschloß, während er in der jetzigen Kammer zu den Radikalen gehört. Er machte sich besonders durch seine mehrere Male abgelehnten, aber immer wiederholten Anträge auf Änderung des Militärgesetzes, auf Abschaffung der Einjährig-Freiwilligen und Herabsetzung der Dienstzeit von fünf auf drei Jahre bemerklich. Auch als Mathematiker hat sich L. bekannt gemacht und die Doktorwürde 1877 erworben; er veröffentlichte: "Introduction à la méthode des quaternions" (1881). Seit 1879 ist er Redakteur des "Petit Parisien", in welchem er Cissey wegen des Verhältnisses zur Kaulla heftig angriff, weswegen er im November 1880 zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

Laischew, Kreisstadt im russ. Gouvernement Kasan, an der Kama, mit (1883) 5200 Einw., wichtig als Landungsplatz für die nach Nishnij Nowgorod gehenden Erzeugnisse Sibiriens. L. wurde 1557 angelegt.

Laisierung, die Versetzung eines Klerikers in den Laienstand; vgl. Laien.

Laisser-passer (franz., auch laissez-passer, spr. lässē passē), Passierschein, namentlich zu Kriegszeiten.

Laissez aller (franz., spr. lässē allē, oder auch laissez faire, laissez passer, "laßt gehen", nämlich die Welt, wie sie eben geht), eine Formel, für deren Urheber Gournay gilt, und in welche die Physiokraten ihre Forderung nach Beseitigung der damaligen Beschränkungen in Handel und Gewerbe und nach Gewährung voller Verkehrsfreiheit zu fassen pflegten. Der Sinn dieses Wortes geht dahin, daß bei freier Konkurrenz ohne staatliche Einmischung dem Interesse der Gesamtheit am vollständigsten gedient werde. Vgl. A. Oncken, Die Maxime Laissez faire et laissez passer, ihr Ursprung etc. (Bern 1886).

Laistner, Ludwig, Schriftsteller, geb. 3. Nov. 1845 zu Eßlingen, studierte 1863-67 in Tübingen Theologie und war über zwei Jahre im Pfarramt thätig, worauf er in München eine Hauslehrerstelle übernahm. Nachdem er später seine Entlassung aus dem Kirchendienst erhalten, behielt er seinen Wohnsitz in München bei, wo er sich seit 1880 ausschließlich litterarischer Thätigkeit widmet. Von ihm erschienen: "Barbarossas Brautwerber", episches Gedicht (Stuttg. 1875); "Nebelsagen" (zur deutschen Mythologie, das. 1879); "Golias", Übersetzung lateinischer Studentenlieder des Mittelalters (das. 1879); "Novellen aus alter Zeit" (Berl. 1882); "Der Archetypus der Nibelungen" (Münch. 1887). Mit P. Heyse gibt er seit 1884 den "Neuen deutschen Novellenschatz" heraus.

Laitage (franz., spr. lätahsch), Milchspeise; Laiterie (spr. lät'rih), Milchkammer, -Wirtschaft.

Laiton (franz., spr. lätóng), Messing; vgl. Lattun.

Lakadiven (Lakscha Dwipa, "die hunderttausend Inseln"), eine Gruppe von 14 Koralleninseln, zwischen 10 und 14° nördl. Br., 300 km westlich von der Malabarküste der britisch-indischen Präsidentschaft Madras, zu der die L. administrativ gehören, mit einem Areal von 1927 qkm (35 QM.) und (1881) 14,473 Einw. Die Gruppe zerfällt in einen nördlichen Teil, welcher unmittelbarer englischer Besitz ist, und einen südlichen, zu dem auch die eigentlich den Malediven zugehörige Insel Minikoi gerechnet wird, unter dem Radscha von Kananor. Die Einwohner sind Hindu und Moslems und sprechen das Malayalam, auf Minikoi aber maledivisch; sie sind kühne Schiffer und besitzen 184 große und 719 kleine Boote. Hauptprodukt ist Kokosfaser, dann Kopra, Schildpatt, Kaurimuscheln u. a., wovon sie jährlich für 17,000 Pfd. Sterl. nach Indien ausführen. Die Inseln wurden wiederholt von verheerenden Cyklonen heimgesucht. Von Vasco da Gama 1499 entdeckt, kamen die L. mit Maissur an die Britisch-Ostindische Kompanie, standen aber bis 1877 unter eignen Häuptlingen. S. Karte "Ostindien".

Lakai (franz. laquais), Livreebedienter, ursprünglich ein Diener zu Fuß, der seiner Herrschaft folgt.

Lake (engl., spr. lehk), der See.

Lakedämon, ein wahrscheinlich vorgriech. Name, bezeichnet im engern Sinn die Thalebene von Sparta; Lakedämonier daher politisch gleichbedeutend mit "Spartiaten", d. h. den dorischen Eroberern des Landes, während Lakonen die politisch minderberechtigte, zum Teil achäische Bevölkerung des umliegenden Berglandes bezeichnet. Vgl. Sparta.

Lake-school (engl., spr. lehk-skūl, Seeschule), engl. Dichterschule, so genannt nach den Seen von Cumberland und Westmoreland, an deren Ufern die Koryphäen der Schule, Wordsworth, Coleridge und Southey, wohnten. Die Mitglieder hießen Lakisten. Vgl. Englische Litteratur, S. 651.

Lakhnau (Lucknow), Hauptstadt der Provinz Audh des britisch-ind. Kaiserreichs und seit der 1877 erfolgten Vereinigung dieser Provinz mit den Nordwestprovinzen zweite Residenz des Lieutenant-Governors beider Provinzen, liegt an der Gumti, über welche vier Brücken führen, und ist Knotenpunkt für die Bahnen nach Agra, Dehli und Benares, mit einer mittlern Temperatur von 26° C. und (1881) 261,303 Einw. (inkl. der 3 km außerhalb der Stadt einquartierten Garnison), überwiegend Hindu. L. gewährt aus der Ferne einen überraschenden Anblick, nahe gesehen erscheinen Pracht und Glanz aber zumeist als elendes Stückwerk und Tünche. Die Stadt, welche sich 8 km am Fluß hinstreckt, enthält als ansehnlichste Gebäude zwei schöne Moscheen, das aus mehreren Gebäuden in zwei Höfen bestehende Mausoleum (Imambara) Azuf ud Daulas, vier andre prächtige Grabdenkmäler, zwei weitläufige Paläste und eine große Anzahl andrer Prachtbauten in häufig sehr unschönem Stil. Seit dem großen Aufstand 1857, in welchem hier 2000 Engländer getötet wurden, sind breite Straßen durch die Stadt gezogen worden, von denen drei zu dem starken Fort führen; die Residenz liegt auf einem schönen malerischen Hügel. Bemerkenswert sind die Erziehungsanstalt Martinière (gegründet von dem Franzosen Martin, Oberbefehlshaber der Truppen Azuf ud Daulas und Erbauer mehrerer Paläste Lakhnaus), ein College und eine Anzahl Missionsschulen. L. gilt noch immer als Hauptsitz hindostanischer Musik und Dichtkunst, auch stehen die hiesigen Theater bei den Eingebornen hoch. Die gelehrte Welt hat einen Vereinigungspunkt in der Dschalsah-Tahzib-Gesellschaft. Die Industrie zeichnet sich durch Gold- und Silberbrokat, Glas- und Thonwaren, feine Gewebe etc. aus; der Handel vertreibt vornehmlich Weizen, Baumwolle, Zucker, Ölsamen, Tabak. L. spielte bei dem Aufstand von 1857