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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Latour; Latour-Maubourg; Latour d'Auvergne; Latour d'Auvergne-Lauraguais

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Latour - Latour-Maubourg.

der Gedichte A. Chéniers (1819), unbedingt seine beste Arbeit; der Roman "Olivier Brusson" (1823), den er ohne Quellenangabe aus E. Th. A. Hoffmann ausgeschrieben hatte; die "Correspondance de Clément XIV et de Carlin" (1827), ein Roman in Briefen gegen die Jesuiten, von ihm als authentisch herausgegeben, und sein unmoralischer Roman "Fragoletta" (1829). In demselben Jahr wandte er sich plötzlich mit dem Artikel "La camaraderie littéraire" gegen seine bisherigen Freunde; aber seine Boshaftigkeit erhielt einen derben Denkzettel durch einen Artikel von G. Planche in der "Revue des Deux Mondes" (1831): "La haine littéraire". Bis 1832 redigierte er den "Figaro" in antiliberalem Sinn, schrieb noch einige mittelmäßige Poesien: "La Vallée aux loups" (1833), "Les Adieux" (1842), "Encore adieu" (erst 1852 veröffentlicht), und starb 9. März 1851 in Aulnay bei Paris.

Latour, s. Bordeauxweine.

Latour (spr. -tuhr), Baillet von, altadlige, gegenwärtig in Österreich und Belgien blühende Familie, die aus Burgund stammt und ihren Namen von dem 1719 zur Grafschaft erhobenen Majorat Latour im Luxemburgischen entlehnte. Die namhaftesten Sprößlinge derselben sind:

1) Maximilian, Graf Baillet von, geb. 1737, trat jung in österreichische Kriegsdienste, focht 1789 und 1790 als Generalmajor gegen die Brabanter und befehligte 1792 zu Tournai. Als Feldmarschallleutnant trug er 1793 viel zum Sieg von Famars bei und errang 1794 einige Vorteile vor Landrecies. 1796 erhielt er als Feldzeugmeister an Wurmsers Stelle das Kommando der Armee am Rhein und kehrte nach dem Abschluß des Waffenstillstandes 1797 nach Wien zurück. Hier starb er 22. Juli 1806 als Feldzeugmeister und Präsident des Hofkriegsrats.

2) Theodor, Graf Baillet von, Sohn des vorigen, geb. 15. Juni 1780 zu Linz, zeichnete sich in dem Befreiungskrieg aus, ward schon 1815 General und war Geheimrat und Feldzeugmeister, als er in den Märztagen 1848 zum Kriegsminister ernannt wurde, und ward 6. Okt. 1848 während der Wiener Revolution bei der Erstürmung des Kriegsministerialgebäudes vom Pöbel ermordet.

Latour (spr. -tuhr), Antoine Tenant de, franz. Schriftsteller, geb. 1808 zu St.-Yrieix (Obervienne), besuchte die Normalschule zu Paris und wurde später Sekretär des Herzogs von Montpensier, dem er auch ins Exil folgte. Er trat zuerst mit melancholisch angehauchten Dichtungen auf, denen ein "Essai sur l'étude de l'histoire de France au XIX. siècle" (1835), eine merkwürdige, jetzt sehr seltene Studie: "Luther" (1835), und eine Beschreibung der Reise des Herzogs nach Tunesien, Ägypten etc. ("Relation du voyage en Orient, etc.", 1847) sowie eine Sammlung historischer Aufsätze: "Petits chefs-d'œuvre historiques" (1846), nachfolgten. Seit 1848 viele Jahre in Spanien verweilend, erwarb sich L. eine genaue Kenntnis dieses Landes, die er in einer Reihe mit Geist und Geschmack geschriebener Werke niederlegte. Hierher gehören: "Études sur l'Espagne: Séville et l'Andalousie" (1855, 2 Bde.); "La Baie de Cadix" (1858); "Tolède et les bords du Tage" (1860); "L'Espagne religieuse et littéraire" (1862); "Études littéraires sur l'Espagne contemporaine" (1864); "Espagne; traditions, mœurs et littérature" (1868); "Valence et Valladolid" (1877) und "Psyche en Espagne" (1879). Auch seine Übersetzungen von Werken Silvio Pellicos, Manzonis (1841-43) und Calderons (1873, 2 Bde.) verdienen Erwähnung. L. starb 27. Aug. 1881 in Sceaux. Seine "Poésies complètes" erschienen 1841 (neue Ausg. 1871).

Latour d'Auvergne (spr. -tuhr dowärnj), eins der berühmtesten franz. Adelsgeschlechter, so genannt nach einem Städtchen im Departement Puy de Dôme, dessen beglaubigte Geschichte mit Bertrand I. de L. im Anfang des 13. Jahrh. beginnt. Durch Heirat erwarb Bertrand de L. die Grafschaften Auvergne und Boulogne. Agne III. de L., in der Geschichte seiner Zeit vielfach genannt, heiratete Anna von Beaufort, die Erbin Pierres von Beaufort, Vicomtes von Turenne, und hinterließ 1489 zwei Söhne: Antoine, welcher Stammvater der Vicomtes von Turenne (s. d.), Herzöge von Bouillon, Albret und Château-Thierry, und Antoine Raymond, welcher Stammvater der Seigneurs von Murat und Quaires, Grafen von Apchier, Herzöge von L. wurde. Von einem Bastard des Geschlechts stammte Théophile Malo Corret de L., "der erste Grenadier Frankreichs", ab, der, geb. 23. Nov. 1743 zu Carhaix, 1767 in das Regiment der schwarzen Musketiere eintrat, sich 1782 bei der Belagerung von Mahon auszeichnete, 1784 Kapitän wurde, als solcher in der Revolutionsarmee diente und, 1795 verabschiedet, 1799 als Einsteher für den Sohn eines Freundes wieder als gemeiner Soldat eintrat und 28. Juni 1800 bei Oberhausen fiel. Napoleon hatte ihm den Ehrentitel "premier grenadier des armées de la République" gegeben und befohlen, daß sein Name stets auf den Listen bleibe. 1841 wurde ihm in Carhaix ein Denkmal errichtet. Auch war er ein bedeutender Sprachgelehrter und schrieb unter anderm: "Recherches sur la langue, l'origine et les antiquités des Bretons" (Bayonne 1792, 2. Aufl. 1801). Vgl. Buhot de Kersers, Histoire de L. (2. Aufl., Par. 1874).

Latour d'Auvergne-Lauraguais (spr. -loraghä), Henri Godefroi Bernard Alphonse, Fürst von, franz. Staatsmann, geb. 21. Okt. 1823 zu Paris, trat 1841 in den diplomatischen Dienst, war nacheinander französischer Gesandter in Weimar, Florenz, Turin, ward 1860 nach Berlin, 1862 nach Rom versetzt und 1863 zum Botschafter am englischen Hof ernannt. Am 17. Juli 1869 von Napoleon III. als Minister des Äußern in das Kabinett berufen, machte L. schon 2. Jan. 1870 mit seinen Kollegen dem Ministerium Ollivier Platz, wurde aber nach den ersten Niederlagen im August 1870 beim Sturz des Ministeriums Ollivier vom Grafen Palikao 10. Aug. als Minister des Äußern wiederum ins Ministerium gezogen. Nach der Katastrophe vom 4. Sept. 1870 zog er sich ins Privatleben zurück und starb 6. Mai 1871 in London.

Latour-Maubourg (spr. -tuhr-mobūr), 1) Marie Charles César de Fay, Graf de, franz. General; geb. 22. Mai 1758, befehligte zu Anfang der Revolution als Oberst ein Regiment und trat dann als Deputierter des Adels von Puy in die Nationalversammlung, wo er sich sogleich mit dem dritten Stand verband und für politische Reformen eintrat. Auch legte er freiwillig die Privilegien seiner Baronie in Languedoc nieder. 1791 war er einer der Kommissare, welche den entflohenen König aus Varennes nach Paris zurückführten. Als Maréchal de Camp übernahm er hierauf ein Kommando im Armeekorps Lafayettes, trat mit diesem auf österreichisches Gebiet über und teilte die lange Gefangenschaft desselben zu Olmütz. Nach der Revolution vom 18. Brumaire rief ihn Bonaparte nach Frankreich zurück; 1801 wurde L. Mitglied des Gesetzgebenden Körpers, 1806 Senator und erhielt zugleich das Kommando der Militärdivision zu Cherbourg. 1819 wurde er