Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lauenstein; Lauer; Lauf; Laufach; Laufberger; Laufdohnen; Laufen

556

Lauenstein - Laufen.

Lauenstein, 1) Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden, Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde, an der Müglitz und der Müglitzthalbahn, 514 m ü. M., hat ein schönes Schloß, eine alte Kirche, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Holzstofffabrikation und Strohflechterei und (1885) 825 evang. Einwohner. - 2) Flecken im preuß. Regierungsbezirk Hannover, Kreis Hameln, in einem Thal zwischen dem Ith und dem Thüsterberg, hat eine evang. Kirche, eine Burgruine, ein Amtsgericht, mechanische Weberei, Möbeltischlerei und (1885) 1071 Einw.

Lauer, Gustav von, Mediziner, geb. 10. Okt. 1808 zu Wetzlar, studierte seit 1825 auf dem medizinisch-chirurgischen Friedrich Wilhelms-Institut in Berlin, wurde noch vor Ablauf seiner Studienzeit als Chirurg zum königlichen Chariteekrankenhaus in Berlin kommandiert; 1830 wurde er Kompaniechirurg, 1836 Pensionärarzt im Friedrich Wilhelms-Institut und als solcher zu dem allgemeinen Krankenhaus in Hamburg abkommandiert, 1839 kam er als Stabsarzt an das Chariteekrankenhaus in Berlin, und 1843 siedelte er als Regimentsarzt nach Schwedt über. Bald jedoch kehrte er in gleicher Stellung nach Berlin zurück und wurde vom Prinzen Wilhelm, dem jetzigen Kaiser, 1844 zu seinem Leibarzt ernannt. Als solcher begleitete er den Prinzen, den König und Kaiser auf allen Reisen wie in allen Feldzügen. 1845 habilitierte sich L. als Privatdozent an der Berliner Universität, 1854 wurde er Professor der Semiotik und allgemeinen Therapie an der medizinisch-chirurgischen Akademie, 1864 avancierte er zum Generalarzt des Gardekorps, zwei Jahre später erhielt er den Adel, und bei Gelegenheit seines 50jährigen Dienstjubiläums ernannte ihn die Universität zum ordentlichen Honorarprofessor. 1879 wurde er als Nachfolger Grimms Generalstabsarzt der Armee, Chef des Militärmedizinalwesens und der Medizinalabteilung des Kriegsministeriums und Direktor der militärärztlichen Bildungsanstalten. 1881 erhielt er den Rang als Generalleutnant mit dem Prädikat Exzellenz. L. schrieb: "Gesundheit, Krankheit, Tod" (Berl. 1865); "Der vorherrschende Charakter der Krankheiten der jetzigen Generation. Ein Vortrag" (das. 1862).

Lauf, bei den Vögeln und manchen Säugetieren derjenige Teil des Beins, auf welchen unmittelbar die Zehen folgen (vgl. Bein), besonders stark entwickelt bei den Laufvögeln, Pferden, Hasen etc.; in der Jägersprache allgemein das Bein der vierfüßigen Jagdtiere und der Hunde, dann auch der Raum bei eingestellten Jagen, auf welchen das Wild zur Erlegung getrieben wird (s. Hauptjagen); bei Schießgewehren das Rohr (s. Handfeuerwaffen); endlich in der Musik eine schnelle, tonleiterartige Passage (auch Läufer genannt).

Lauf, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Mittelfranken, Bezirksamt Hersbruck, an der Pegnitz und den Linien Krailsheim-Furth i. W. und Nürnberg-Eger der Bayrischen Staatsbahn, 333 m ü. M., hat ein Schloß, ein altes Spital, 2 Bahnhöfe, ein Amtsgericht, ein Hammerwerk, Blattmetall-, Bronze- und Ultramarinfabrikation, Kunstmühlen, bedeutenden Hopfenbau und (1885) 3559 meist evang. Einwohner.

Laufach, Pfarrdorf im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken und Aschaffenburg, Bezirksamt Aschaffenburg, an der Laufach und der Linie Treuchtlingen-Würzburg-Aschaffenburg der Bayrischen Staatsbahn, hat eine Eisengießerei, eine chemische Fabrik (Bleizucker) und 1040 Einw. Hier und bei dem benachbarten Frohnhofen fand 13. Juli 1866 ein Gefecht zwischen großherzoglich hessischen Truppen vom 8. Bundeskorps und der preußischen Brigade Wrangel von der Mainarmee statt; die unvernünftigen heftigen Angriffe der erstern am Abend auf Frohnhofen wurden durch das verheerende Schnellfeuer des preußischen Zündnadelgewehrs zurückgewiesen. Die Hessen verloren 780 Mann und 32 Offiziere an Toten und Verwundeten. Unter den Toten war der durch tüchtige kriegsgeschichtliche Werke bekannte Hauptmann Königer. Der hessische General v. Stockhausen erschoß sich später des bei L. begangenen Fehlers wegen.

Laufberger, Ferdinand, Maler, geb. 16. Febr. 1829 zu Mariaschein in Böhmen, bildete sich auf den Akademien zu Prag und Wien, malte zuerst Bilder aus dem Volksleben und begab sich 1855 im Auftrag des Triester Lloyd nach den Donaufürstentümern und Konstantinopel, um eine Reihe malerischer Ansichten für den Stich zu zeichnen, die viel Beifall fanden. Ein zweijähriges Reisestipendium der Wiener Akademie ermöglichte ihm den Besuch der wichtigsten Kunststätten. Er bereiste Deutschland und Belgien, ging nach London, 1862 nach Paris, wo er 15 Monate verweilte und ein figurenreiches Ölbild: das Publikum im Louvre, malte, darauf nach Italien. 1865 ward ihm die Ausführung des Vorhangs zur Komischen Oper übertragen. 1868 wurde er zum Professor des Figurenzeichnens und -Malens an der neuerrichteten Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums ernannt, um deren Aufblühen er sich verdient machte. Nach Vollendung des Vorhangs, der für die Gesellschaft für vervielfältigende Kunst gestochen wurde, fertigte er mehrere kleinere dekorative Arbeiten, bis der Neubau des Österreichischen Museums ihm Gelegenheit bot, einen Fries in Sgraffito und die Freskomalereien am Spiegelgewölbe des Treppenhauses (Venus, dem Meer entsteigend, umgeben von den Künsten) auszuführen. L. hat auch Genrebilder gemalt, die meist einen humoristischen Charakter tragen: ein Privatgelehrter beobachtet eine Sonnenfinsternis (1858), Gebirgsreisende vor einem Bauernhaus (1859), alter Junggeselle (1860), ein gemütliches Plätzchen und Genoveva im Wald (1861), Sommerabend im Prater (1864). Für das von Geyling ausgeführte Glasfenster über dem Südeingang der Industriehalle des Weltausstellungsgebäudes in Wien (in der Mitte die thronende Austria) lieferte L. den Karton. Er hat auch radiert. L. starb 16. Juli 1881 in Wien.

Laufdohnen, bogenförmig in die Erde gesteckte Gerten, an welchen Schleifen von Pferdehaaren so angebracht sind, daß sich durchkriechendes Federwild in denselben fängt (s. Abbildung). Man stellt dieselben auf schmalen, von Graswuchs reinen Steigen, auf welchen Vögel, besonders Waldschnepfen, entlang zu laufen pflegen.

^[Abb.: Laufdohne.]

Laufen, Fortbewegung des Körpers, bei welcher derselbe, durch die Füße wechselweise vom Boden abgeschnellt, einen Augenblick in der Luft schwebt. Schnellt man beim L. den Körper vom Boden ab, während sein Schwerpunkt unterstützt ist, so läuft man auf der Stelle u. kommt nicht vorwärts. Große Geschwindigkeit aber wird erlangt, wenn man den Schwerpunkt durch Überneigen des Körpers möglichst weit nach vorn bringt,