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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: La Valetta; Lavagna; Laval; Lavalette; Lavallière

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Lavagna - Lavallière.

Lavagna (spr. -wannja), Graf von, s. Fieschi 1).

Laval (spr. -wall), Hauptstadt des franz. Departements Mayenne, am Fluß Mayenne und an der Westbahn, liegt malerisch am Abhang eines Hügels, hat ein altes Schloß mit einem Wartturm (einst Residenz der Herzöge von L., jetzt Gefängnis), eine Kathedrale (teilweise aus dem 12. Jahrh.), eine große Leinwandhalle (jetzt zu Ausstellungszwecken verwendet), ein Standbild des in der Nähe von L. gebornen Chirurgen Ambroise Paré und zählt (1886) 4847 (als Gemeinde 30,627) Einw. In industrieller Beziehung ist die Stadt der Mittelpunkt einer bedeutenden Weberei, welche von Gui IX., Herrn von L., durch Berufung flandrischer Weber im 13. Jahrh. begründet wurde, gegenwärtig hauptsächlich Zwilch, Leinwand, Tisch- und Sacktücher liefert und gegen 10,000 Arbeiter beschäftigt. Die Stadt ist Sitz der Präfektur, eines Bischofs (seit 1855), eines Tribunals und eines Assisenhofs, eines Handelsgerichts und einer Handelskammer, hat ein Lyceum, eine Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt, ein Taubstummeninstitut, eine Bibliothek von 16,000 Bänden, ein naturhistorisches und Antiquitätenmuseum sowie eine Filiale der Bank von Frankreich. - Angeblich von Karl dem Kahlen erbaut, ward L. eine Baronie, kam im 12. Jahrh. an die Montmorencys, deren eine Linie sich L.-Montmorency nannte, ward 1429 zur Grafschaft und Pairie erhoben und fiel 1521 durch Heirat dem Prinzen La Trémoille zu. Vgl. Couanier de Launay, Histoire de L. (2. Aufl., Laval 1866).

La Valetta, Hauptstadt der brit. Insel Malta, liegt auf einer Felsenlandzunge zwischen zwei herrlichen Häfen, dem "großen Hafen" im O. und dem Marsa Muscict oder Quarantänehafen im W., und hat mit seinen Vorstädten (1881) 24,854 Einw. Die fast 2 km lange Strada Reale durchschneidet L. vom Fort Sant' Elmo bis zur Porta Reale, jenseit welcher die Vorstadt Floriana liegt. In ihr stehen viele der prächtigen Paläste, welche L. auszeichnen, unter ihnen der alte Palast des Großmeisters der Johanniter (jetzt Residenz des Gouverneurs), und dicht dabei die prächtige Kathedrale von St. Johann. Viele dieser merkwürdigen alten Bauten werden jetzt als Kasernen, Hospitäler oder Schulen benutzt. Das große Seearsenal liegt in der östlichen Vorstadt Vittoriosa. Von wissenschaftlichen Anstalten sind zu erwähnen: die Universität (1769 gegründet), die Bibliothek, die Sternwarte und der botanische Garten. Auch hat L. ein Opernhaus, mehrere Klubs und zahlreiche Klöster. Es ist Hauptquartier der britischen Flotte im Mittelmeer und wird durch ausgedehnte Befestigungen gedeckt, die teilweise in den Fels gehauen sind und für uneinnehmbar gelten. L. ist Sitz eines deutschen Konsuls. L. war einst Hauptsitz der Johanniterritter und wurde nach deren Großmeister Jean de Lavalette genannt, welcher die Stadt gründete und 1565 siegreich gegen die Türken verteidigte (s. Malta).

Lavalette (spr. -walett), 1) Antoine Marie Chamans, Graf von, franz. Staatsmann, geb. 1769 zu Paris aus einer Kaufmannsfamilie, trat beim Ausbruch der Revolution in die Reihen der Nationalgarde und ward Adjutant des Generals Baraguay d'Hilliers, dann Bonapartes, dem er durch seine Vermählung mit Emilie Louise Beauharnais, der Nichte Josephinens, noch näher trat. In dessen nächster Umgebung nahm er teil an dem ägyptischen Feldzug und unterstützte nach seiner Rückkehr den Staatsstreich vom 18. Brumaire. Nach Errichtung des Kaiserreichs zum Generaldirektor der Post und zum Grafen ernannt, leistete er dem Kaiser bis 1814 die wesentlichsten Dienste. Nach der ersten Restauration abgesetzt, betrieb er mit allen Mitteln die Rückkehr Napoleons von Elba und nahm während der Hundert Tage seinen alten Posten wieder ein. Allein kaum waren nach Napoleons Fall die Bourbonen zurückgekehrt, als L. 18. Juli 1815 verhaftet, 19. Nov. vor die Assisen gestellt und als Hochverräter zum Tod verurteilt wurde. Mit Hilfe seiner Gemahlin, welche bei einem Besuch im Gefängnis mit ihm die Kleider wechselte, und dreier Engländer (General Wilson, Kapitän Hutchinson und Bruce) entkam er jedoch am Tag vor der bereits festgesetzten Hinrichtung über die Grenze nach Mons, von wo er nach München ging. Seine für ihn im Kerker zurückgebliebene Gemahlin starb nach längerer Haft in Geisteszerrüttung. 1822 wurde L. begnadigt und erhielt die Erlaubnis zur Rückkehr nach Frankreich. Er starb 15. Febr. 1830 in Paris. Seine "Mémoires et souvenirs" (Par. 1831, 2 Bde.; deutsch, Leipz. 1832) sind für die Geschichte des Kaiserreichs von Bedeutung.

2) Charles Jean Marie Félix, Marquis von, franz. Diplomat, geb. 25. Nov. 1806 zu Senlis, war 1837-41 französischer Gesandtschaftssekretär in Stockholm, 1843-45 französischer Generalkonsul in Ägypten, 1846-48 bevollmächtigter Minister in Hessen-Kassel und 1850-53 außerordentlicher Gesandter in Konstantinopel. Zum Senator ernannt, bekleidete er nochmals 1860-61 die Stelle eines bevollmächtigten Ministers in Konstantinopel und ging hierauf im Dezember 1861 als französischer Botschafter nach Rom, von wo er aber schon 1862 abberufen wurde. Im März 1865 übernahm er an Boudets Stelle das Ministerium des Innern, und als Drouyn de Lhuys Anfang September 1866 das Auswärtige Ministerium verlor, leitete L. dasselbe interimistisch, bis der Marquis de Moustier aus Konstantinopel eintraf, und erließ 14. Sept. das Rundschreiben über die neue Lage in Deutschland, welches die Niederlage der Politik des Kaisers in der deutschen Frage verhüllen sollte. Er blieb stets der entschiedenste Vorkämpfer für eine friedliche Politik, namentlich als er Ende November 1867 das Ministerium des Innern mit dem des Auswärtigen vertauscht hatte. Im Sommer 1869 legte er auch dieses nieder und bekleidete bis zum Antritt des Ministeriums Ollivier im Januar 1870 den Botschafterposten in London. Er starb 2. Mai 1881 in Paris.

Lavallière (spr. -walljähr), Louise Françoise de Labaume Leblanc de, Geliebte Ludwigs XIV., geb. 1644 aus einer altadligen Familie in der Touraine, verlor früh ihren Vater, ward Ehrendame der Herzogin von Orléans, Prinzessin Henriette von England, und fesselte in dieser Stellung, wiewohl keine hervorragende Schönheit und sogar ein wenig hinkend, durch ihre Anmut und Liebenswürdigkeit den König Ludwig XIV., dem sie sich 1661, aber erst nach langem Widerstreben, ergab, und den sie abgöttisch liebte. Das Verhältnis war seit 1663 ein ganz öffentliches. Sie gebar ihm vier Kinder, von denen eine Tochter, Maria Anna von Bourbon, Mademoiselle de Blois, geb. 1666, später Gemahlin des Prinzen Conti, und der Graf von Vermandois, geb. 1667, gest. 1683, am Leben blieben. Ludwig XIV. erhob zu ihren und ihrer Tochter gunsten das Landgut Vaujour und die Baronie St.-Christophle zum Herzogtum L. und zur Pairie. L. machte sich aber über ihre Stellung so wenig Illusionen, daß sie sich derselben vielmehr schämte, zweimal sich in ein Kloster flüchtete, aus dem der König sie wieder holte, und selbst die Legitimierung ihrer Kinder nicht zugeben wollte; auch benutzte