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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lavatēra; Lavation; Lavaur; Lavaux; Lavaveix les Mines; Laveleye

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Lavatera - Laveleye.

Neue und Gute empfänglich, thätig und aufopfernd für das Wohl seiner Nebenmenschen. Sein Stil ist wie er selbst: leidenschaftlich und abenteuerlich, aber kraftvoll und im einzelnen oft äußerst glücklich und begeisternd. Aus diesem seinem widerspruchsvollen Wesen erklärt es sich, daß viele, wie z. B. Biester und Nicolai in Berlin, seine asketische Richtung für Jesuitismus hielten und die schärfsten Angriffe gegen ihn richteten, wie er auch anderseits durch seine Parteinahme für Leute wie Gaßner, Christ. Kaufmann, Cagliostro sich große Mißhelligkeiten bereitete. In Wahrheit war, wie besonders aus seinen "Christlichen Liedern" (erstes Hundert, Zürich 1771; zweites Hundert, das. 1780) hervorgeht, sein Hauptbestreben dahin gerichtet, den neuen philosophischen Ideen entgegenzuwirken. Dieselbe (im wesentlichen Klopstocksche) Richtung verfolgt er in seinen übrigen poetischen Werken, so in dem Drama "Abraham und Isaak" (1776), den Epen: "Jesus Messias, oder die Zukunft des Herrn" (1780), "Joseph von Arimathia" (1794) etc., die freilich in Bezug auf Kunstwert wenig bedeuten. Unter seinen asketischen Schriften sind die "Aussichten in die Ewigkeit" (Zürich 1768-78, 4 Bde.) hervorzuheben, Träume und Visionen über den Zustand nach dem Tode; dann "Geheimes Tagebuch von einem Beobachter seiner selbst" (Leipz. 1772-73, 2 Tle., deren erster anonym erschien); "Pontius Pilatus, oder der Mensch in allen Gestalten, oder Höhe und Tiefe der Menschheit, oder die Bibel im kleinen und der Mensch im großen, oder ein Universal-Ecce-Homo, oder Alles in Einem" (Zürich 1782-85, 4 Bde.); ferner "Handbibliothek für Freunde" (o. O. 1790-94, 24 Bde.); "Wort eines freien Schweizers an die große Nation" (Zürich 1798); "Freimütige Briefe über das Deportationswesen und seine eigne Deportation nach Basel" (Winterth. 1800-1801, 2 Bde.). Seine "Predigten über das Buch Jonas" und "Über die Liebe", die "Handbibel" u. a. gehören zu den vortrefflichsten Erbauungsschriften. Am berühmtesten ward L. durch seine Ideen über Physiognomik, die er gleichsam zu einer Wissenschaft vom innern Menschen zu erheben suchte. Sein hierauf bezügliches Werk "Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe" (Leipz. 1775-78, 4 "Versuche") übte eine unglaubliche Wirkung auf seine Zeitgenossen aus und fand auf der einen Seite ebenso begeisterte und beifällige Aufnahme, z. B. bei Goethe (den L. 1774 auf einer Reise an den Rhein kennen gelernt hatte, und mit dem er eine Reihe von Jahren in intimem Verkehr stand), Stolberg, Jacobi, Merck etc. (auch in England und Frankreich hatte es zahlreiche Bewunderer), wie es von andern, z. B. von Lichtenberg, Musäus, Nicolai, auf das heftigste angegriffen wurde. L. selbst gab seine "Vermischten Schriften" (Winterth. 1774-81, 2 Bde.) sowie seine "Sämtlichen kleinern prosaischen Schriften" (das. 1784-85, 3 Bde.), Geßner "Lavaters nachgelassene Schriften" (Zürich 1801-1802, 5 Bde.) und Orelli "Lavaters ausgewählte Schriften" (das. 1841 bis 1844, 8 Bdchn.) heraus. Lavaters Briefwechsel mit der Kaiserin von Rußland, der Mutter Alexanders I., erschien Petersburg 1858, 2 Bde.; "Briefe von Goethe an L. aus den Jahren 1774-83" gab H. Hirzel (Leipz. 1833) heraus. Vgl. Geßner, Lavaters Lebensbeschreibung (Zürich 1802, 3 Bde.); Hegner, Beiträge zur nähern Kenntnis und wahren Darstellung Lavaters (Leipz. 1836); Bodemann, J. K. L. nach seinem Leben, Lehren und Wirken dargestellt (2. Aufl., Gotha 1877); Muncker, Joh. Kasp. L. (Stuttg. 1883); Steck, Goethe und L. (Basel 1884).

2) Louis, Pseudonym, s. Spach.

Lavatēra L. (Staudenpappel), Gattung aus der Familie der Malvaceen, filzig oder rauh behaarte Kräuter, Sträucher und Bäume mit eckigen oder gelappten Blättern, der Gattung Althaea sehr nahe stehend, umfaßt 18 Arten, meist in Südeuropa, von denen mehrere als Zierpflanzen dienen. L. Olbia L. ist ein schöner, 2-2,5 m hoher Halbstrauch mit purpurrosaroten Blüten auf den Inseln Südfrankreichs, wo er zur Umzäunung der Gärten benutzt wird. L. trimestris L. (Sommerpappel, Pappelrose), Sommergewächs in Südeuropa, ist eine schöne, 1,25 bis 2 m hohe, krautartige, leicht zu ziehende Zierpflanze mit rosenroten, dunkler geäderten oder weißen Blüten.

Lavation (lat.), Waschung, Bad; Lavatorium, Waschbecken.

Lavaur (spr. -wōr), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Tarn, am Agout und der Südbahn, hat eine ehemalige Kathedrale, eine Statue von Las Cases, (1886) 4338 Einw., ausgebreitete Seidenzucht, Baumwoll- und Seidenspinnerei, ein Collège und eine Bibliothek. - L. war die stärkste Festung der Albigenser und wurde 3. Mai 1211 von Simon von Montfort genommen. Es war von 1317 bis 1801 Bischofsitz.

Lavaux (La Vaux, spr. -woh, deutsch Ryfthal), Bezirk im schweizer. Kanton Waadt, am Nordufer des Genfer Sees, zwischen Lausanne und Vevey, umfaßte 1880 in zwölf Gemeinden 9833 meist reform. Einwohner. Während der nördliche Teil des Bezirks am Südabhang des Jorat wenig fruchtbar ist, bringt der südliche ausgezeichneten Weißwein hervor. Hauptort ist Cully (s. d.), bedeutender das Städtchen Lutry am Genfer See (mit 2246 Einw.).

Lavaveix les Mines (spr. -wäh läh mihn), Flecken im franz. Departement Creuse, Arrondissement Aubusson, an einem Zweig der Orléansbahn, mit bedeutenden, zum Kohlenbecken von Ahun gehörigen Kohlenminen, Glasfabrik und (1881) 3570 Einw.

Laveleye (spr. law'läh), Emile Louis Victor de, belg. Nationalökonom, geb. 5. April 1822 zu Brügge, studierte in Gent und wurde 1864 Professor der Nationalökonomie an der Universität Lüttich. Er vertrat Belgien in der Jury der internationalen Ausstellung von 1867 und ward 1869 zum Mitglied des Instituts ernannt. Außer einer großen Zahl von Artikeln in belgischen und französischen Journalen (insbesondere in der "Revue des Deux Mondes", dann in der "Revue de Belgique", deren Mitredakteur er ist) schrieb er: "Histoire de la langue et de la littérature provençales" (Brüssel 1846); "Histoire des rois francs" (1848); "L'armée et l'enseignement" (1848); "Le sénat belge" (1851); "La question de l'or" (1860); "Essai sur l'économie rurale de la Belgique" (1863, 2. Ausg. 1875); "Études d'économie rurale; la Néerlande" (1864); "Le marché monétaire et ses crises depuis cinquante ans" (1865); "Rapport sur l'exposition universelle de Paris" (1868); "Études et essais" (1869); "La Lombardie et la Suisse" (1869); "La Prusse et l'Autriche depuis Sadowa" (1870); "L'instruction du peuple" (1872); "Des causes actuelles de guerre en Europe et de l'arbitrage" (1873); "De la propriété et de ses formes primitives" (1874, 2. Aufl. 1878; deutsch von K. Bücher, Leipz. 1879); "L'Afrique centrale et la conférence géographique" (1878); "L'agriculture belge" (1878); "Lettres d'Italie 1878-79" (1880); "Le socialisme contemporain" (1881, 3. Aufl. 1886; deutsch von Eheberg, Tübing.