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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Leidensbrüder - Leighton.

schen Tropfen bilden, in einem eigentümlichen sphäroidalen Zustand befinden.

Leidensbrüder, s. Passionisten.

Leidenschaft (Sucht, lat. Passio, franz. und engl. Passion), s. v. w. unsittlicher Charakter, d. h. das Beherrschtsein des gesamten Wollens und Thuns durch einen leitenden unsittlichen Grundsatz (praktische Unvernunft). Dieselbe ist das Gegenteil des sittlichen Charakters, d. h. des Beherrschtseins des gesamten Wollens und Thuns durch einen leitenden sittlichen Grundsatz (praktische Vernunft, Gewissen, s. d.), und daher eins mit sittlicher Unfreiheit (Knechtschaft), wie dieser eins mit sittlicher Freiheit (Herrschaft der Vernunft). Der in der L. Befangene ist des Gebrauchs und der Macht der Vernunft, keineswegs aber, wie der vom "leidenschaftlichen" Gefühl (s. d.) oder blinden Affekt (s. d.) Hingerissene, auch des Gebrauchs und der Macht seines Verstandes beraubt; die L. macht zwar "taub" gegen die Stimme des Gewissens, an deren Statt sie vielmehr auf die "eigne Stimme" hört, in Bezug auf die Zwecke, aber nicht notwendig blind gegen die Einsichten des Verstandes in Bezug auf die Mittel zur Erreichung derselben. Mit dem unter der Herrschaft der Vernunft (des Gewissens) stehenden Freien verglichen, erscheint der unter der Herrschaft der L. stehende Unfreie "wie von einem Dämon besessen" (z. B. der Ehrgeizige, Habsüchtige etc. vom "Dämon" der Ehrbegier, Habgier etc.) und im Zustand demjenigen des (gleichfalls unfreien) Geisteskranken oder (vorübergehend) unter dem Einfluß eines berauschenden Getränks oder einer heftigen Gemütsbewegung (Affekts) Befindlichen (ebenfalls Unfreien) ähnlich. Wie Affekt, Rausch und Geisteskrankheit, so hebt auch der Zustand der L. die moralische Verantwortlichkeit für das aus demselben fließende Wollen und Thun auf (der Ehrgeizige, Habsüchtige kann nicht anders wollen und handeln, als diese Leidenschaften ihm auferlegen); keineswegs aber (sowenig wie beim Rausch und in gewissem Grad selbst beim Affekt) wird dadurch auch die moralische Verantwortlichkeit des von L. Befangenen für dieses Befangensein selbst aufgehoben. Die sittliche Schuld des aus Eifersucht Mordenden (Othellos) liegt nicht darin, daß ihn die Eifersucht zum Mord getrieben, sondern darin, daß er der Eifersucht so viel unerlaubte Macht über sein Wollen eingeräumt hat. Dramatiker, die ihre aus L. schuldigen Helden entlasten wollen, suchen daher die Entstehung der L. und ihrer Macht über dieselben begreiflich zu machen (Macbeth, Richard III.). Da jedes unsittliche Wollen zur L. werden kann (wenn es zum alles Beherrschenden wird), so kann es (dem Inhalt nach) so vielerlei Leidenschaften geben, wie es moralisch verwerfliche Ziele des Strebens gibt (äußere Ehre, Macht, Besitz, sinnlicher Genuß, Rachebefriedigung etc.). Der Form nach lassen sich, je nachdem das unsittliche Wollen von Affekten begleitet und dadurch neben der Stimme der Vernunft auch noch jene des Verstandes zum Schweigen gebracht wird oder das Gegenteil stattfindet, hitzige (unkluge) und kalte (kluge) Leidenschaften unterscheiden; erstere schließen die verständige Berechnung aus, letztere ein; jene fallen mit den von Kant sogen. Leidenschaften der Natur, diese mit den von ihm sogen. Leidenschaften der Kultur nahe zusammen. Je nach der positiven (begehrenden) oder negativen (verabscheuenden) Beschaffenheit des der L. zu Grunde liegenden Strebens unterscheidet man sthenische (z. B. Ruhmsucht, Herrschsucht, Erwerbsucht etc.) und asthenische (z. B. Arbeitsscheu) Leidenschaften. Vom moralischen Gesichtspunkt aus ist jede L. (als unsittliches Wollen) verwerflich; die Folgen derselben können ebenso oft nützlich wie verderblich sein (die Habsucht der Spanier hat Amerika entdeckt, der Ehrgeiz der Welteroberer Hekatomben geschlachtet).

Leienstein, am Niederrhein s. v. w. Thonschiefer, namentlich Dachschiefer, daher der Schieferdecker auch Leiendecker genannt wird.

Leier, in der Sprache der Dichter s. v. w. Lyra (s. d.), sonst meist das bekannte Bettlerinstrument (Leierkasten, Bauernleier, deutsche Leier, s. Drehleier).

Leier (Lyra), nördliches Sternbild, die Lyra des Orpheus, der Bayer und Hevel noch einen fallenden Geier beifügten, welcher die L. hält, östlich vom Herkules, westlich vom Schwan, zwischen 272 und 290° Rektaszension, 26 und 46° Deklination, mit der Wega, einem Stern erster Größe.

Leierbank, Ziehbank in der Drahtfabrikation.

Leierkasten, s. Drehorgel und Drehleier.

Leiernase, s. Fledermäuse.

Leierschwanz (Menura Davies), Gattung aus der Ordnung der Sperlingsvögel, repräsentiert mit zwei Arten allein die Familie der Leierschwänze (Menuridae Bp.); große Vögel mit schlankem Leib, mittellangem Hals, mittellangem, gekieltem, am Grund breitem Schnabel, kurzen Flügeln, in welchen die siebente bis neunte Schwinge am längsten sind, verlängertem Schwanz und hohen Läufen mit kräftigen Krallen. M. superba Davies ist 1,3 m lang, wovon 70 cm auf den Schwanz kommen, dunkel braungrau, an der Kehle u. Gurgel rot, unterseits bräunlichgrau. Der Schwanz des Männchens besteht aus vier leierartig nach außen geschwungenen und aus zwölf zerschlissenen Federn, deren Fahnenstrahlen nicht zusammenhängen. Die Außenfahnen der leierförmigen Federn sind dunkelgrau, an den Spitzen schwarz, weiß gefranst, die Innenfahnen schwarzbraun und rostrot gebändert, die mittlern Schwanzfedern sind grau, die übrigen schwarz. Der Schwanz des Weibchens besteht nur aus zwölf abgestuften gewöhnlichen Federn und ist oberseits schwärzlichbraun, unterseits silbergrau. Der L. lebt paarweise in Neusüdwales in dichten, bergigen, schwer zugänglichen Buschwäldern, ist außerordentlich scheu, läuft sehr schnell, fliegt aber nur höchst selten, singt eigentümlich, ahmt sehr vollkommen Töne aller Art nach und nährt sich von Insekten und Würmern. Zur Fortpflanzungszeit scharrt das Männchen kleine Hügel zusammen und bewegt sich auf ihnen nach Art balzender Hühner. Der L. baut im dichtesten Gestrüppe ein großes, überdachtes Nest und legt nur ein Ei, welches das Weibchen allein, angeblich in einem Monat, ausbrütet. 1867 kam der erste lebende L. nach Europa.

Leierwerk (Drahtleier), s. Draht.

Leigh (spr. lih, West-L.), Stadt in Lancashire (England), 16 km westlich von Manchester, hat Baumwoll-, Seiden- und Musselinfabriken und (1881) 21,733 Einw. In der Umgegend Steinkohlengruben.

Leighlinbridge (spr. lihlinbridsch), verfallenes Städtchen in der irischen Grafschaft Carlow, am Barrow, mit 835 Einw. und den ausgedehnten Ruinen der anglonormännischen Festung Black Rock. Westlich dabei Old-Leighlin, ehedem Bischofsitz, mit einer Kathedrale aus dem 12. Jahrh.

Leighton (spr. lihten), Sir Frederick, engl. Maler und Bildhauer, geb. 3. Dez. 1830 zu Scarborough (Yorkshire), machte schon als elfjähriger Knabe Kunststudien in Rom unter Francesco Meli, um dann die Akademie in Berlin zu besuchen, und studierte 1844 und 1845 in Florenz unter Bezzuoli sowie darauf unter Steinle und Becker in Frankfurt a. M. Steinle ist als der eigentliche Lehrer Leightons zu betrachten.