Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

658

Leimbach - Leiningen.

muß. Löst man gleiche Teile L. und Glycerin in Wasser, so erhält man bei gehöriger Konzentration nach dem Erkalten eine Masse, die stets elastisch und weich bleibt und nicht fault; dieselbe kann zu Buchdruckerwalzen, Stempeln, elastischen Formen etc. benutzt werden. Gewöhnliche Leimlösung schützt man durch einen Tropfen Karbolsäure oder Kreosot vor Fäulnis, welcher sie sonst sehr schnell unterliegt. Mit chromsaurem Kali gemischt, wird der L. unter dem Einfluß des Lichts unlöslich in Wasser. Als Surrogate des Leims werden Präparate aus Kleber (s. d.) und eine Lösung von fettfreiem Käsestoff in gesättigter Boraxlösung benutzt, zu manchen Zwecken auch die chinesische Gelatine oder Agar-Agar (s. d.) und besonders Hausenblase (s. d.). Vegetabilischer L. (Wachsleim, Harzleim) ist zum Leimen des Papiers angewandte Harz- oder Wachsseife. Vgl. Fleck, Fabrikation chemischer Produkte aus tierischen Abfällen (2. Aufl., Braunschw. 1878); Schlegel, Leimfabrikation (3. Aufl., Weim. 1879).

Leimbach, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Gebirgskreis Mansfeld, an der Wipper, hat eine Dynamitfabrik, Kupfer- und Silberschmelzhütte und (1885) 3347 meist evang. Einwohner.

Leimfarben, s. Anstrich.

Leimgebende Materien, die Grundsubstanzen der Gewebe, welche für den Organismus der Wirbeltiere im allgemeinen das Gerüst bilden, also der knöchernen, knorpeligen und häutigen Teile des innern Skeletts, ferner der Haut und Schleimhäute, der Röhrenwände aller Kanäle, der Sehnen, Bänder, Kapseln, Bindegewebsscheiden etc. Sie bilden der Ausdehnung und Menge nach den beträchtlichsten Teil des Wirbeltierkörpers, während sie bei den Wirbellosen meist durch Chitin, Cellulose oder Spongin ersetzt werden. Die leimgebenden Materien bestehen aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und Schwefel, wie die Proteinkörper; sie sind völlig unlöslich in kaltem Wasser, verwandeln sich aber beim anhaltenden Kochen mit Wasser in Leim (daher der Name), während eingelagerte gelbe oder elastische Fasern und zellige Elemente ungelöst bleiben. Worauf die Umwandlung der leimgebenden Materien in Leim, der dieselbe prozentische Zusammensetzung besitzt, beruht, ist unbekannt. Offenbar entstehen die leimgebenden Materien aus Proteinkörpern, und bei tiefer gehender Zersetzung liefern beide sehr ähnliche Produkte. Man unterscheidet Kollagene (die Grundsubstanz des Bindegewebes, die knorpelige Grundlage der Knochen und der verknöcherten Knorpel, des Hirschhorns, der Hausenblase etc.), welche beim Kochen Glutin (gewöhnlichen Leim, Knochenleim), und Chondrogene (die permanenten Knorpel, die Knochenknorpel vor der Verknöcherung), welche Chondrin (Knorpelleim) liefern. Die leimgebenden Materien sind von Bedeutung für die Ernährung: das Fleisch unsrer Haussäugetiere enthält davon durchschnittlich 1/33, das Kalbfleisch sogar 1/20 seines Gewichts, und wenn dieselben auch schwerer verdaulich sind als Eiweiß, so unterliegen sie doch einer geeigneten Umwandlung und müssen als Nahrungsstoffe betrachtet werden. In der Technik benutzt man die leimgebenden Materien zur Darstellung von Leim; auf ihrer Verbindungsfähigkeit mit Gerbsäure zu einer schwer verweslichen Substanz beruht die Gerberei, während die Abfälle auf kohlensaures Ammoniak verarbeitet und zu Dünger benutzt werden.

Leimgrund, ein aus Leim und Kreide bestehender Anstrich von Holzgegenständen (Gemäldetafeln, Figuren, Bilderrahmen, Ornamenten etc.), welche mit Gold, Silber oder bunten Farben bemalt werden sollen.

Leimruten, s. Vogelfang und Vogelschutz.

Leimsüß, s. Glykokoll.

Leimzotten, s. Epidermis.

Leimzucker, s. Glykokoll.

Lein, Pflanzengattung, s. Flachs.

Leina, s. Leine 2).

Leinaal, s. Neunauge.

Leindotter, Pflanzengattung, s. Camelina.

Leine, s. Tauwerk.

Leine, 1) Nebenfluß der Aller, entspringt auf dem Eichsfeld, südwestlich von Worbis, bei dem Dorf Leinefelde in 270 m Höhe, fließt anfangs westlich, an Heiligenstadt vorüber, dann nördlich, tritt in die zwischen Harz und Wesergebirge eingesenkte, hügelige Mulde von Göttingen und erreicht unterhalb Elze, zwischen dem Hildesheimer Wald und dem Osterwald herauskommend, die norddeutsche Ebene. Der Fluß empfängt bei Northeim rechts die Ruhme, bei Sarstedt die Innerste, macht von Hannover an einen Bogen nach W. und mündet oberhalb Hudemühlen im Großen Moor nach einem Laufe von 192 km, von denen 56 km schiffbar sind. Nach ihr war im ehemaligen Königreich Westfalen das L.-Departement mit der Hauptstadt Göttingen benannt. -

2) Fluß im Thüringer Wald, entspringt bei Finsterberga und bekommt nach der Vereinigung mit dem vom Inselsberg kommenden Badewasser bei dem Dorf Leina den Namen Hörsel (s. d.). Von der L. fließt der schon seit 1369 bestehende und bei Schönau beginnende Leinekanal ab, der seit 1633 das Georgenthaler Floßwasser (Ableitung der Apfelstedt) aufnimmt, unter dem Namen Leina die Stadt Gotha durchfließt und bei Goldbach in die Nesse fällt.

Leinen, s. Leinwand.

Leinenstickerei, s. Stickerei.

Leinenzwirn, s. Garn.

Leinfink (Birkenzeisig, Karminhänfling, Fringilla [Linaria] rubra Bechst.), Sperlingsvogel aus der Gattung Fink, ist 13 cm lang, 22 cm breit, mit sehr gestrecktem, kegelförmigem, an der dünnen Spitze seitlich zusammengedrücktem Schnabel, mittellangen, spitzigen Flügeln, mittellangem, ziemlich tief ausgeschnittenem Schwanz und starken, kurzen Füßen mit großen, stark gebogenen Nägeln, am Vorderkopf dunkel karminrot, am Bürzel blaßrot, sonst oben braun, an der Kehle schwarz, am Vorderhals blaß karminrot, an der Unterseite weißlich, auf den Flügeln weiß gebändert; der Oberschnabel ist hornblau, der Unterschnabel gelb, das Auge dunkelbraun, die Füße sind graubraun. Der L. bewohnt die Birkenwaldungen des Nordens der Alten und Neuen Welt, geht von hier aus im Herbst südlich und erscheint dann bisweilen in sehr großer Zahl in Deutschland, während ungleich größere Mengen in der Heimat bleiben. Er nährt sich im Winter von Birkensamen, im Sommer von Insekten, besonders von Mücken, baut sein Nest niedrig über dem Boden auf Birkenbüschen und legt im Juni 3-6 grünlichweiße, braunrötlich getüpfelte Eier. Er ist sehr gesellig und zutraulich, unruhig, gewandt, namentlich höchst geschickt im Klettern; bei uns erscheint er im November, vereinigt sich gewöhnlich mit dem Zeisig und schweift mit diesem im Land umher. Als Käfigvogel ist er sehr beliebt, in manchen Gegenden fängt man ihn auch für die Küche.

Leingewächse, s. Lineen.

Leiningen, mediatisiertes deutsches Grafengeschlecht, dessen Besitzungen ursprünglich aus der alten Grafschaft L. im alten Wormsgau und aus der Herr-^[folgende Seite]