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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Leipzig

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Leipzig (die Völkerschlacht).

Gyulays Angriff auf Lindenau, zögernd unternommen, war inzwischen von Bertrand abgewiesen worden. Einen entscheidenden Erfolg jedoch hatte das Vorgehen der schlesischen Armee gehabt. Ohne die Nordarmee abzuwarten, war Blücher auf den Befehl, zum gemeinschaftlichen Angriff auf L. mitzuwirken, aufgebrochen und bei Wiederitzsch und Möckern auf ernstern Widerstand gestoßen. Beim erstern Dorf stand Dombrowski mit einer schwachen Division, die jedoch Langeron den ganzen Tag festhielt, bei letzterm Marmont mit 17,000 Mann, der eben den Befehl erhalten, nach Wachau zu Hilfe zu kommen, auf die Annäherung des Feindes aber beschloß, dessen Angriff zu erwarten, und Ney um seine Unterstützung bat. York richtete den Angriff seines Korps, das etwa 20,000 Mann stark war, gegen das durch seine Lage zu einer natürlichen Festung gemachte Dorf Möckern, das nach mehreren mißlungenen Angriffen mit einem Verlust von 7000 Mann endlich erstürmt wurde. Marmonts Korps war vernichtet, Ney war auf dem Weg, ihm zu Hilfe zu eilen, wieder umgekehrt, aber auch für Wachau zu spät gekommen. Der Sieg Yorks bei Möckern hatte nicht bloß die französische Stellung im Norden von L. durchbrochen, sondern Napoleon auch den gehofften Sieg bei Wachau dadurch entrissen, daß er zwei Korps hinderte, dort gegen die böhmische Armee mit frischen Kräften einzugreifen.

Der 17. Okt., ein Sonntag, war ein Tag dumpfer Stille. Es trat eine Pause im Kampf ein, nur im N. ruhte Blücher nicht. Er nahm Eutritzsch und Gohlis und drang bis dicht an L. vor. Die Verbündeten hielten um 2 Uhr im Dorf Sestewitz Kriegsrat; man beschloß am nächsten Morgen um 7 Uhr den Angriff zu machen. Da Napoleon keinen entscheidenden Sieg erfochten hatte und die Verbündeten nicht hindern konnte, nach Ankunft von 100,000 Mann Verstärkung den Angriff zu erneuern, während er selbst nur noch das Korps Reynier von Düben erwartete, hätte er seine Stellung bei L., die unhaltbar geworden war, räumen und anderswo die Schlacht wieder aufnehmen müssen. Aus politischen Rücksichten that er es nicht; er baute darauf, daß Kaiser Franz sein Schwiegervater war. Durch den bei Konnewitz gefangenen General Merveldt ließ er 17. Okt. den Monarchen einen Waffenstillstand unter Bedingungen anbieten, die im August ihm den Frieden verschafft hätten. Jetzt aber

^[Abb.: Karte zur Schlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1813.]