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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lektion; Lektisternĭen; Lekton; Lektor; Lektüre; Lēkythos; Lel und Polel; Leland; Lelĕger; Lelewel

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Lektion - Lelewel.

schaft Voltaires 1750 zu einem Debüt in der Comédie française, deren Mitglied er 1752 wurde. Verdient um Einführung einer natürlichen Deklamation wie um Verbesserung des Kostüms, als Darsteller von großer Gewalt der Leidenschaft, ward L. 1750 als Günstling Voltaires Mitglied des Théâtre français. Voltaire nannte ihn den einzigen wahrhaft tragischen Schauspieler. L. starb 8. Febr. 1778. Seine "Mémoires" (1801; neue Ausg. mit Talmas "Réflexions sur L., etc.", Par. 1828, zuletzt 1874) wurden von seinem Sohn herausgegeben.

Lektion (lat.), in der alten Kirche die "Vorlesung" eines biblischen Abschnitts, einer Märtyrergeschichte etc. durch den Lektor (s. d.) beim Gottesdienst wie auch in den Klöstern (hier häufig über Tisch). Von dem Gebrauch, an die L. Rügen und Mahnungen zu knüpfen, stammt noch der Ausdruck: "jemand eine L. erteilen". Nach heutigem Sprachgebrauch versteht man unter Lektionen die Vorlesungen, welche an Universitäten gehalten werden, auch die Lehrstunden in Schulen sowie das zum Lernen Aufgegebene.

Lektisternĭen, s. Lectisternium.

Lekton (Lectum Promontorium), der westlichste, ins Meer vortretende Ausläufer des Bergs Ida, der Nordküste von Lesbos gegenüber. Auf ihm ein angeblich von Agamemnon errichteter Altar der zwölf Hauptgötter. Jetzt liegt auf L. das Fort Baba Kalessi.

Lektor (lat., griech. Anagnost, "Vorleser"), in der alten Kirche seit etwa 100 der Kleriker, welcher mit Vorlesung der vorgeschriebenen Schriftabschnitte im Gottesdienst betraut war. Das Amt wurde, seitdem Diakonen und Presbyter jene Geschäfte besorgen, nur noch nominell fortgeführt (vgl. A. Harnack, Die Quellen der sogen. apostolischen Kirchenordnung, Leipz. 1886). Im Anschluß an diesen Sprachgebrauch blieb dieser Titel auch in protestantischen Ländern für gewisse Stellen der öffentlichen Lehrer, die als niedere Geistliche angesehen wurden; so heißen in Schweden noch heute die Gymnasiallehrer zum Teil Lektoren. An deutschen Universitäten ist die Bezeichnung gegenwärtig nur noch für die Lehrer der neuern Sprachen üblich. Vgl. Lektion.

Lektüre (franz., "Lesung"), sowohl das Lesen als Handlung und die Übung darin als der in Schriften, namentlich Druckschriften, dargebotene Lesestoff. Im Sprachgebrauch der Schule wird unterschieden zwischen kursorischer, d. h. eiliger, rasch durchlaufender, und statarischer, d. h. langsamer, mit eingehender Betrachtung des Gelesenen untermischter L. Es empfiehlt sich, zwischen beiden Arten angemessenen Wechsel eintreten zu lassen und bei der letztern vor allem nicht die Gründlichkeit zu übertreiben. Bei fremdsprachlicher L. wie im Deutschen auf den höhern Stufen des Schullebens und namentlich bei poetischer L. hat der Unterschied überhaupt keine Berechtigung. In allen diesen Fällen wird ein verständiger Lehrer überhaupt nur so viel erklären, wie nötig ist, um etwanige Hindernisse des Verständnisses aus dem Weg zu räumen, und vom Schüler nur so viel Erklärung fordern, daß er sich vom Verständnis des Gelesenen überzeugt, im übrigen aber die L. selbst als Hauptsache ansehen und auf den Geist des Schülers wirken lassen.

Lēkythos, altgriech. Thongefäß in Form einer Kanne mit Henkel und dünnem Hals (s. Abbildung), welches zum Aufbewahren von Salböl und zum Begießen der Gräber mit dem geweihten Öl benutzt wurde, namentlich aber als Beigabe für die Toten in Gräbern diente und zu diesem Zweck (wie besonders in Attika) mit auf den Totenkult bezüglichen Darstellungen bemalt wurde (vgl. Tafel "Vasen", Fig. 6).

^[Abb.: Lekythos.]

Lel und Polel, bei den Polen zwei sagenhafte Brüder, wie Kastor und Pollux.

Leland (spr. lihländ), Charles Godfrey, amerikan. Schriftsteller, besonders als Humorist ausgezeichnet, geb. 15. Aug. 1824 zu Philadelphia, studierte auf dem Princeton College Philosophie und brachte später noch drei Jahre auf europäischen Universitäten zu. Er veröffentlichte die erste Sammlung seiner Erzeugnisse unter dem Titel: "Sketchbook of Meister Karl" (Philad. 1855) und "Poetry and mystery of dreams" (das. 1855), eine halb poetische, halb philosophische Schrift, der eine Übersetzung von Heines "Reisebildern" (neue Ausg. 1868) und die Schriften: "Sunshine in thought" (1860) und "Legends of birds" (1864) nachfolgten. Seine Popularität verdankt L. aber hauptsächlich seinen drolligen "Hans Breitmann's ballads", einer Reihe burlesker, in einem wunderlichen deutsch-englischen Dialekt geschriebener Gedichte, in denen er die Abenteuer eines Deutsch-Pennsylvaniers mit ergötzlichem Humor besingt (vollständigste Ausg. 1884). Außerdem veröffentlichte er Gedichte unter dem Titel: "The music-lesson of Confucius, and other poems" (1872), denen eine Übersetzung von Scheffels "Gaudeamus" (1871) vorherging, und das "Egyptian sketch-book" (1873). L. gehört zu den genauesten Kennern des modernen Zigeunerstammes, den er in verschiedenen Ländern beobachtet hat. Frucht seiner Zigeunerstudien sind die Werke: "The English Gipsies and their language" (2. Aufl., Lond. 1874), dem als Ergänzung die "English Gipsy-songs", eine Sammlung von Zigeunerliedern (1875), folgten, und "The Gipsies" (Boston 1882). Eine andre Gattung seiner Studien gehört der chinesischen Vergangenheit und Gegenwart an; es sind: "Fu-Sang, or the discovery of America by Chinese Buddhist priests in the fifth century" (Lond. 1875) und "Pidgin English Sing-sing, in China-English dialect" (New York 1876), worin er den Chinesen Amerikas eine humoristische Seite abzugewinnen sucht. Nachdem L. viele Jahre in London gelebt, hat er neuerdings wieder in Philadelphia seinen Aufenthalt genommen. Er veröffentlichte noch: "Algonquin legends of New England" (Lond. 1884).

Lelĕger, ein Gesamtname für in ältester Zeit aus Kleinasien nach Hellas hinübergewanderte Ostgriechen. L. werden in verschiedenen Gegenden Kleinasiens, wie am Idagebirge, in Karien etc., und von Hellas genannt, wie an den Küsten von Messenien, Lakonien und Megara, wo man einen Lelex als Heros an die Spitze der Landesgeschichte stellte und diesen aus Ägypten einwandern ließ. Besonders die asiatischen Einwanderer an der Westküste Griechenlands und die aus Vermischung derselben mit den Ureinwohnern entstandenen Stämme der Epeer, Taphier und Kephallener behielten den Namen L. und werden unter diesem Namen noch bei der großen Rückwanderung nach Kleinasien im 11. Jahrh. v. Chr. erwähnt. Vgl. Deimling, Die L. (Leipz. 1862).

Lelewel, Joachim, poln. Geschichtsforscher, geb. 22. März 1786 zu Warschau aus einem alten, daselbst angesiedelten preußischen Geschlecht v. Lölhöffel, erhielt seine höhere Bildung an der Universität von Wilna und begann seine schriftstellerische Thätigkeit schon in seinem 14. Lebensjahr mit einer Abhandlung über das "geographische System Homers". Nachdem er kurze Zeit an dem Lyceum zu Kremenez alte Geographie doziert hatte, siedelte er nach