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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Leōn; Léonard; Leonardo

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Leon - Leonardo.

Flüssen Bernesga und Torio, 797 m ü. M., hat 14 Kirchen, darunter die prachtvolle dreischiffige gotische Kathedrale aus dem 14. Jahrh., mit außerordentlich leichten Formen, zarten Details und den Grabmälern vieler Könige von L. sowie von Märtyrern und Heiligen. Bemerkenswert sind auch die Kirche des bischöflichen Priorats von St. Markus, die Kirche von St. Isidor und verschiedene Paläste. Die Stadt zählt (1884) 11,314 Einw. L. ist Mittelpunkt des gegenwärtig allerdings gesunkenen spanischen Leinwandhandels und war früher auch Hauptstapelplatz des spanischen Wollhandels. Jährlich wird ein sehr besuchter Pferdemarkt daselbst abgehalten. L. ist Sitz des Gouverneurs und eines Bischofs und hat eine Tierarzneischule. Es dankt seinen Namen der Legio Septima Gemina des Galba, deren Standquartier es war. Seit dem 10. Jahrh. war L. Hauptstadt des gleichnamigen christlichen Königreichs und nur von 996, wo es vom Sultan Almansor genommen wurde, bis zu dessen Tod in maurischer Gewalt.

Leōn, 1) Provinz im südamerikan. Staat Ecuador, umfaßt die Hochebene von Tacunga (2780 m) und beide Abhänge der Kordilleren und hat ein Areal von 9100 qkm (165,3 QM.) mit (1885) 80,028 Einw. Landbau und Viehzucht bilden die Haupterwerbszweige. Von gewerblichen Erzeugnissen kommen Leder, Wollen- und Baumwollenstoffe und Töpferwaren zur Ausfuhr. Hauptstadt ist Tacunga. -

2) Departement des mittelamerikan. Staats Nicaragua, am Stillen Ozean, meist eben, wird durch die Reihe der sieben Maribiosvulkane (s. d.), die zwischen Coseguina (1170 m) an der Fonsecabai und dem Managuasee hinziehen, in zwei Hälften geteilt, nämlich die Llanos del Conejo im Innern und die Llanos de Leon am Stillen Ozean. Große Urwälder kommen vor, und die Ebene von L. zeichnet sich durch ihre Fruchtbarkeit aus. Das Departement hat ein Areal von 8123 qkm (147,5 QM.) mit 43,000 Einw. - Die Hauptstadt L., einst der Stolz des spanischen Amerika, ist jetzt infolge der Bürgerkriege all ihres ehemaligen Glanzes beraubt. Von den prachtvollen Gebäuden, mit denen sie geschmückt war, sind nur noch die Kirchen erhalten, besonders die 1743 vollendete Kathedrale von St. Peter, das großartigste Bauwerk des spanischen Amerika, das, in allen Unruhen als Citadelle benutzt, dennoch äußerlich wenig gelitten hat. Die Universität, welche 1806 gegründet wurde, ist längst wieder eingegangen. Die Zahl der Bewohner schätzt man mit Einschluß der Indianervorstadt Subtiaba auf 30,000 Seelen. Eine 52 km lange Eisenbahn verbindet L. seit 1882 mit dem Hafenort Corinto. L. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Es wurde 1523 gegründet, lag aber bis 1685 dem Managuasee 15 km näher, wo die Ruinen der Ciudad vieja noch zu sehen sind. Dieses alte L. wurde von Dampier zerstört. -

3) L. de los Aldamas, Stadt im mexikan. Staat Guanajuato, in einer prachtvollen und sehr fruchtbaren Ebene, an der Straße von Guadalajara nach Mexiko gelegen, 1895 m ü. M., schön gebaut, mit einem von Arkaden umgebenen Marktplatz, oft 3-4 Stockwerke hohen Häusern und angeblich (1880) 80,074 Einw. Die Stadt hat eine Baumwollspinnerei (15,000 Spindeln), und sämtliche Kleingewerbe blühen. Bekannt ist L. namentlich durch seine Stiefel, Sättel, Rebozos (ordinäre Shawls), Gold- und Silberstickerei, Gebisse und Palmhüte.

Léonard (spr. -nar), Hubert, Violinspieler und Komponist, geb. 7. April 1819 zu Bellaire bei Lüttich, erhielt seine Ausbildung von 1836 bis 1839 im Pariser Konservatorium durch Habeneck, wirkte dann einige Jahre als Orchestermitglied an der dortigen Großen Oper und unternahm 1845 eine Kunstreise nach Deutschland, wo er besonders in den Leipziger Gewandhauskonzerten mit seinem Spiel wie auch mit seinen Kompositionen (einem Konzert und den Variationen über ein Thema von Haydn) reichen Beifall, unter andern auch bei Mendelssohn, fand. 1848 folgte er einem Ruf nach Brüssel, wo er als erster Violinlehrer am Konservatorium eine ungemein fruchtbare pädagogische Thätigkeit entfaltete und die durch Bériot und Vieuxtemps begründete belgische Violinschule in würdigster Weise vertrat. Mit gleichem Erfolg wirkte er in Paris, nachdem er 1866 dorthin übergesiedelt war, wie dies die große Zahl der dort von ihm ausgebildeten Schüler beweist, unter ihnen Marsick, Paul Viardot, Dengremont u. a. Gleichzeitig bethätigt er sich eifrig als Virtuose, wenn auch nur im Privatkreis, und vorzugsweise als Interpret klassischer Kammermusik, namentlich von zeitgenössischen Komponisten. Als schaffender Künstler verfolgt L. eine durchaus gediegene Richtung, und seine Kompositionen für den Konzertsaal und den Salon (darunter sechs Konzerte mit Orchester, Valse-Caprice, Sérénade à l'Espagnole für drei Violinen mit Klavierbegleitung, Variationen über eine Gavotte von Corelli etc.) sind mit Recht nicht weniger geschätzt als seine Unterrichtswerke (24 Études classiques, 24 Études harmoniques daus les positions, Petite gymnastique du jeune violoniste, 50 Études faciles, Premiers principes du violon, endlich die unter dem Titel: "Ancienne école italienne" von ihm veranstalteten Ausgaben der Violinkompositionen von Corelli, Tartini, Geminiani u. a.).

Leonardo, ital. Maler, genannt da Vinci von seinem Geburtsort, dem Bergdorf Vinci bei Empoli, wo er 1452 als der natürliche Sohn Ser Pieros, Notars der Signoria von Florenz, geboren wurde. Er zeigte früh Begabung für die Kunst, so daß er zu dem Maler und Bildhauer Andrea del Verrocchio in Florenz in die Lehre gegeben wurde, in dessen einzig erhaltenes Bild, die Taufe Christi (Akademie zu Florenz), L. einen Engel hineinmalte. Von 1472 bis 1478 wird L. mehrfach in Urkunden erwähnt. Doch haben sich von seinen Jugendwerken nur folgende erhalten, welche ihm mit Sicherheit zuzuschreiben sind: die Untermalung einer Anbetung der Könige (Florenz, Uffizien) und ein heil. Hieronymus, ebenfalls nur in brauner Untermalung (Rom, vatikanische Galerie). Dagegen wird die Verkündigung in den Uffizien zu Florenz gegenwärtig dem Ridolfo Ghirlandajo zugeschrieben. Groß ist dagegen die Zahl der Zeichnungen aus dieser ersten Periode, die, meist in Kreide, Rötel und mit der Feder ausgeführt, sich in der Windsorbibliothek, im Louvre, in der Akademie zu Venedig, in der Ambrosianischen Bibliothek in Mailand, in den Uffizien zu Florenz, im British Museum zu London und in der Albertina zu Wien befinden. Eine besondere Gruppe darunter bilden die Karikaturen, Ergebnisse seiner physiognomischen Studien, in denen sich aber auch seine Neigung zum Bizarren kundgibt. Sie sind mehrfach gestochen worden (unter andern von W. Hollar). Auch seine plastischen Übungen setzte er später in Florenz fort und widmete sich daneben mathematischen und physikalischen, namentlich mechanischen, Studien sowie der Architektur. Auch war er nicht nur gewandter Sänger und Lautenspieler, sondern konstruierte ein eignes Instrument, erfand ein neues Griffbrett für die Viola und entwarf eine Zeichnung zu einer neuen Lyra. Endlich finden wir ihn auch als Dichter, namentlich als Improvisator, aufgeführt;