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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Liebe; Liebemühl; Lieben; Liebenau; Liebenburg; Liebenstein

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Liebe - Liebenstein.

Gottlosen die innigste Gottesliebe, den Barbaren die höchste L. zur Kunst eigen sein. In dem Allgemeinbegriff der L. vereinigen sich aber so viele verschiedene Regungen, daß man mit Notwendigkeit gewisse Unterschiede und Grenzen ziehen muß, um nicht ganz fremde Begriffe zu vermischen. Im engern Sinn versteht man unter L. nur das Verhältnis lebender Wesen zu einander, und nur unter ihnen kann sie zu derjenigen Steigerung und Vollkommenheit gelangen, welche durch die Gegenseitigkeit der L. bedingt wird. Aber auch hier muß man wieder die aufopfernde L. der Eltern für ihre Kinder und die Erwiderung derselben seitens der letztern, die uneigennützige L. oder Sympathie für andre Personen, die man Freundschaft nennt, und die Geschlechtsliebe unterscheiden, die nur in vollkommener Gegenseitigkeit ihr Glück findet, weshalb auch die Alten eine einfache Personifikation derselben im Eros nicht für genügend hielten und die Personifikation der Gegenliebe (Anteros) hinzufügten. Die Geschlechtsliebe setzt schon an sich den in körperlichen und geistigen Verschiedenheiten ausgeprägten geschlechtlichen Gegensatz voraus und in vielen Fällen, wenn sie zu dauernder Befriedigung führen soll, auch einen gewissen Gegensatz der Charaktereigentümlichkeiten, so daß eine gegenseitige Ergänzung und Ausgleichung möglich wird, wie z. B. zwei heftige und unnachgiebige Persönlichkeiten niemals glücklich miteinander leben könnten. Bei der Geschlechtsliebe spielen aber außerdem eine Menge dunkler und instinktiver Regungen und Gefühle hinein, namentlich im Tierleben, woselbst eine deutliche Periodizität der Triebe, gewisse auf den Geruchssinn wirkende Anlockungsmittel, welche ein Sichfinden und Erkennen aus einiger Entfernung ermöglichen, Reiz- und Erregungsmittel für Auge und Ohr eine Rolle spielen. Wir sehen daselbst Schaustellungen der Körpervorzüge in Farben und Zeichnungen, Kraftentfaltung in den Kämpfen mit den Nebenbuhlern, Gesangsleistungen, Tänze und Vorführungen sonstiger Vorzüge einen berückenden Zauber auf das wählende Geschlecht ausüben, welches dort in der Regel das weibliche ist. Beim Menschen sind diese Naturtriebe durch Erziehung, Volkssitte, Erwerbsverhältnisse und Standesunterschiede in gewisse Schranken gebannt, die indessen häufig genug durch die elementare Gewalt der Leidenschaft umgerissen werden. Die verjüngende, auf die Natur zurückführende Kraft der L., welche dieselbe zu allen Zeiten zum Quell der Poesie gemacht hat, weiß die Hindernisse der Erziehung und Verfeinerung des Lebens zu überwinden; sie hat dadurch nicht an Reiz eingebüßt, sondern das Verhältnis der Liebenden zu einander wird im Gegenteil durch die Erschwerung ihrer Vereinigung mit einer Poesie des Sehnens, der Hingebung und Aufopferung umwoben, deren reinigende Wirkung der Natursohn wohl nur in den seltensten Fällen erfährt. Daß die Macht der Leidenschaft durch Hindernisse nur gesteigert wird, beweisen die verzweifelten Schritte so vieler Liebespaare, welche den gemeinsamen Tod der Unmöglichkeit, für einander zu leben, vorziehen. Das dunkle, triebartige Wesen der Geschlechtsliebe offenbart sich auch in gewissen Verirrungen derselben, so wenn z. B. verworfene Geschöpfe bessere Naturen unlösbar an sich ketten, wie es Prévost in "Manon Lescaut" so unübertrefflich geschildert hat, oder wenn Personen des gleichen Geschlechts über die Freundschaft hinausgehende Empfindungen erregen. Solche Neigungen sind wohl in der Regel krankhafter Natur und daher milder zu beurteilen, als es meist geschieht. Im allgemeinen soll die L. einem natürlichen Antrieb folgen, und daher gehört die christliche Forderung der Feindesliebe auf ein ganz andres Gebiet, nämlich auf das der Selbstüberwindung. Vgl. Michelet, L'Amour (9. Aufl. 1876; deutsch von Spielhagen, 4. Aufl., Leipz. 1874); Teichmüller, Über das Wesen der L. (das. 1879); Mantegazza, Physiologie der L. (deutsch, 2. Aufl., Jena 1885); Derselbe, Hygiene der L. (deutsch, das. 1887); Duboc, Psychologie der L. (Hannov. 1874); Abel, Über den Begriff der L. in alten und neuen Sprachen (Berl. 1872).

Liebe, rechtsseitiger Nebenfluß der Weichsel in Westpreußen, entspringt westlich vom Geserichsee, tritt bei Marienwerder in die Weichselniederung und mündet als Alte Nogat in den Weichselarm Nogat.

Liebemühl, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Osterode, am Ausfluß der Liebe aus dem Eilingsee und am Elbing-Oberländischen Kanal, der sich hier nach dem Drewenz- und Geserichsee verzweigt, 105 m ü. M., hat eine Oberförsterei, Ziegeleien, Schiffbau, Schiffahrt und (1885) 2198 meist evang. Einwohner. L. war im 14. und 15. Jahrh. Sitz einer Deutsch-Ordenskommende.

Lieben, Dorf in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Karolinenthal, Vorort von Prag, 4 km nordöstlich von der Hauptstadt, am rechten Ufer der Moldau und an der Österreichischen Nordwestbahn, hat ein Schloß des jeweiligen Prager Bürgermeisters, Fabriken für Maschinen, chemische Produkte, Farben, Leder, Bier und Spiritus, eine Baumwollweberei und -Druckerei, ein Kupferwalzwerk und (1880) 9669 Einw.

Liebenau, 1) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hofgeismar, auf einer Insel der Diemel und an der Linie Schwerte-Kassel der Preußischen Staatsbahn, hat eine große Molkerei, Kalkbrennerei und (1885) 660 meist evang. Einwohner. - 2) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Züllichau-Schwiebus, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Braunkohlengruben und (1885) 1295 Einw. - 3) Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Reichenberg, an der Pardubitz-Reichenberger Bahn, mit großer Schafwollwarenfabrik, ausgebreiteter Handweberei, Papier- und Kartonagenfabrik, Glasindustrie und (1880) 3057 Einw. Hier 25. Juni 1866 Gefecht zwischen Preußen und Österreichern.

Liebenburg, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Hildesheim, Kreis Goslar, hat eine katholische Kirche, ein altes Schloß, ein Amtsgericht und (1885) 949 Einw.

Liebenstein, 1) Dorf und Badeort im Herzogtum Sachsen-Meiningen, Kreis Meiningen, in reizender Gegend am Südrand des Thüringer Waldes, 7 km von der Station Immelborn der Werrabahn, 345 m ü. M., hat ein schönes Kurhaus, neuerbaute Badeanstalten, zahlreiche Villen (darunter Villa Feodora des Herzogs von Meiningen), eine Eisenwarenfabrik und (1885) 1158 evang. Einwohner. Die drei Mineralquellen von L., die wegen ihres geringen Gehalts an andern, den Verdauungsapparat unnötig beschwerenden Bestandteilen zu den reinen Stahlquellen gezählt werden müssen und dem Pyrmonter Wasser nahestehen, wurden schon im 17. Jahrh. benutzt. Die Temperatur beträgt 9,8° C. Außerdem bietet L. Sol- und Eisensolbäder (mit Benutzung von Salzunger Badesalz), Fichtennadelbäder sowie Gelegenheit zu Molken- und Kaltwasserkuren. L. wurde 1886 von 1499 Kurgästen besucht. In der Nähe sind bemerkenswert: das Schloß Altenstein (s. d.), die über dem Dorf malerisch sich erhebende