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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lineamente; Linear; Lineartaktik; Linearzahl; Lineen; Ling; Linga; Lingaïten; Lingam; Lingelbach

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Lineamente - Lingelbach.

dieser wiederum der Erstgeborne. So schließt denn die ältere Linie die jüngere und innerhalb der ältern Linie der Erstgeborne die Nachgebornen aus.

Lineamente (lat.), Linien in der Hand oder im Antlitz, namentlich sofern man daraus etwas deutet (s. Chiromantie und Physiognomik).

Linear (lat.), auf Linien sich beziehend, durch solche darstellbar; Linearzeichnung, Umrißzeichnung.

Lineartaktik, s. Fechtart, S. 87.

Linearzahl, eine geometrisch durch eine gerade Linie darstellbare Zahl, im Gegensatz zur Flächen- und Körperzahl.

Lineen (Leingewächse), dikotyle Familie aus der Ordnung der Gruinales, einjährige und perennierende Kräuter und Halbsträucher mit wechsel- oder gegen-, selten quirlständigen, einfachen, ungeteilten, linealischen, sitzenden Blättern ohne Nebenblätter und vollständigen, regelmäßigen Blüten, welche meist zu Dichasien mit Wickeltendenz vereinigt sind. Der Kelch ist vier- oder fünfblätterig, stehen bleibend; die Blumenblätter sind in der gleichen Anzahl vorhanden, abwechselnd mit den Kelchblättern dem Blütenboden eingefügt, am Grund mit kurzem Nagel versehen, in der Knospenlage gedreht. Die Staubgefäße sind meist in derselben Anzahl wie die Blätter vorhanden und kurz monadelphisch; die vor den Kronteilen stehenden Stamina sind immer steril oder unterdrückt. Der oberständige Fruchtknoten ist zwei- bis fünffächerig, wird aber durch falsche Scheidewände unvollständig oder vollständig acht- oder zehnfächerig; jedes Hauptfach enthält im Innenwinkel zwei hängende, anatrope Samenknospen. Der Scheitel des Fruchtknotens trägt drei oder fünf fadenförmige, freie Griffel mit je einer einfachen Narbe. Die Kapsel öffnet sich fachspaltig, und jede Klappe wird meist durch Trennung der Rückennaht zweiklappig. Die zusammengedrückten Samen haben eine lederartige, glänzende Schale; das Endosperm fehlt; der gerade Keimling hat elliptische, flache Kotyledonen und ein nach oben gerichtetes Würzelchen. Die nur aus vier Gattungen nebst zwei asiatischen Gattungen (Linum L., Radiola Dillen.) mit ca. 140 Arten bestehende Familie ist über die gemäßigten Zonen der ganzen Erde, vorzüglich aber über die Länder um das Mittelländische Meer, verbreitet. Sie gewähren wegen der ölhaltigen Samen und der dauerhaften Bastfasern ihrer Stengel (Flachs) großen Nutzen. Vgl. Baillon, Histoire des plantes, Bd. 5.

Ling (chin.), Berg, besonders Gebirgspaß. Richthofen verwirft den Ausdruck L. für Gebirge, da dieser, wie er sagt, nur für einzelne Berge gebraucht werde; für Nanling setzt er daher Nanschan.

Ling, Pehr Henrik, schwed. Dichter und Begründer der schwed. Gymnastik, geb. 15. Nov. 1776 zu Ljunga in Småland, ward nach abenteuerlichem Leben 1805 Fechtmeister an der Universität in Lund, 1813 Vorsteher des auf seine Anregung gegründeten gymnastischen Zentralinstituts in Stockholm, wo er 3. Mai 1839 starb. Lings Ideal war die physische und geistige Regeneration seiner Landsleute; das Mittel zu derselben fand er teils in Belebung der Erinnerung an die nordische Vorzeit mit ihren kräftigen und gesunden Sitten, teils in der Gymnastik, die er, ausgehend von naturphilosophischen Spekulationen und haltlosen anatomischen Anschauungen, zu einem künstlichen System entwickelte, in dem er pädagogische, militärische, medizinische und ästhetische Gymnastik unterschied. Sie hat sich nur als Heilgymnastik (s. d.) dauernd lebensfähig erwiesen und auch außer Schweden die Gründung heilgymnastischer Anstalten hervorgerufen. Über Rothsteins Versuch, Lings System durch die preußische Zentralturnanstalt in Deutschland einzuführen, s. Turnkunst. Lings Werk "Die allgemeinen Gründe der Gymnastik" erschien schwedisch erst nach seinem Tod (Upsala 1840); von seinen "Schriften über Leibesübungen" gab Maßmann eine deutsche Übersetzung (Magdeb. 1847). Als Dichter war L. entschieden Lyriker und hat auf diesem Gebiet manches Vortreffliche geleistet. Dagegen machen seine zahlreichen Dramen wie auch seine Epen: "Gyfle" (Stockh. 1812) und "Asarne" (das. 1816-26, 2 Bde.), durch welche er die alte Götter- und Heldenwelt zur Anschauung bringen wollte, trotz Reichtums an einzelnen poetischen Schönheiten im ganzen einen unbefriedigenden Eindruck. Eine Sammlung seiner Schriften erschien in Stockholm ("Samlade skrifter", 1866). Vgl. Rothstein, Gedenkrede auf P. H. L. (a. d. Schwed., Berl. 1861). Auch Lings Sohn H. F. L. (gest. 1886) war Lehrer am gymnastischen Zentralinstitut (1841-82) und Verfasser von gymnastischen Schriften.

Linga, s. Lingam.

Lingaïten, Name einer Religionspartei im südlichen Indien, wo sie viele Millionen Anhänger zählt, entstand im 12. Jahrh. zu dem Zweck; die bis dahin im Dekhan noch mächtige Religion der Dschaina (s. d.) zu verdrängen. Seinen Dogmen nach will der Lingaismus nur eine Wiederherstellung der durch die Dschaina verdrängten Siwa-Religion sein, hat aber dabei manches Neue aufgebracht. Die L. verehren den volkstümlichen Gott Siwa unter der Form des Lingam (s. d.) und tragen das Symbol in einem silbernen Büchschen bei sich. Ein andres Abzeichen ist ein oblatenförmiges farbiges Mal auf der Stirn. Die Organisation des Lingaismus ist dem Buddhismus nachgeahmt, besonders die Opposition gegen die Vorrechte der Brahmanenkaste und die Stellung der Mönche (Dschangamas) ist dem Buddhismus analog. Die Verehrung des Siwa streift ans Monotheistische, eine mystische Versenkung in Siwa ist das höchste Ziel der Frommen. Die kanaresisch geschriebenen Purânas, das Wâsawa-Purâna und das Tschanna-Wâsawa-Purâna, enthalten die Sagen über die Entstehung dieser Partei und ihre Lehre. Vgl. Würth, Über das Religionssystem der L. (im "Baseler Missionsmagazin" 1853, S. 78 ff.); Wurm, Geschichte der indischen Religion (Basel 1874).

Lingam (Linga, sanskr., "Zeichen"), in der ind. Religion das männliche Glied als Symbol der schaffenden Naturkraft, unter welchem der Gott Siwa allgemein verehrt wird. Nach der verbreitetsten Ansicht stammt der Lingam dienst von den nicht-arischen (drawidischen) Bewohnern Indiens, während Kittel es wahrscheinlich zu machen sucht, daß der griechische Phallosdienst das Vorbild dafür gewesen sei. Vgl. Stevenson im "Journal of the Royal Asiatic Society" (Bd. 8, S. 330); Lassen, Indische Altertumskunde (2. Aufl., Bd. 1, S. 924); Muir, Original Sanskrit texts (Bd. 4, S. 405 ff.); Kittel, Über den Ursprung des Lingakultus (Basel 1876); A. Weber, Indische Streifen (Bd. 3, S. 471 ff.).

Lingelbach, Jan, Maler, geb. 1625 zu Frankfurt a. M., kam frühzeitig nach Amsterdam, wo er sich zum Landschaftsmaler ausbildete, ging 1642 auf zwei Jahre nach Paris und von da nach Rom, wo er sechs Jahre blieb. Nach Holland zurückgekehrt, ließ er sich wieder in Amsterdam nieder, wo er 1687 starb. Seine meist reich staffierten Landschaften (zum Teil nach italienischen Motiven) sind in einem kühlen, grauen Ton ge-^[folgende Seite]