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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Litho...; Lithochromie; Lithocysten; Lithofrakteur; Lithoglyphik; Lithographie

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Litho... - Lithographie.

den elektrischen Strom zersetzt. So erhält man reines L. als silberweißes, auf frischer Schnittfläche glänzendes, aber sehr schnell anlaufendes Metall, welches, wie die übrigen Alkalimetalle, unter Steinöl aufbewahrt werden muß. Es ist bei gewöhnlicher Temperatur knetbar, Atomgewicht 7,01, spez. Gew. 0,593 (es ist mithin der leichteste aller starren Körper), schmilzt bei 180°, ist nur bei sehr hoher Temperatur flüchtig, entzündet sich an der Luft bei 200° und verbrennt zu Oxyd; es zersetzt Wasser bei gewöhnlicher Temperatur, ohne sich zu entzünden, ist einbasisch und bildet mit Sauerstoff Lithiumoxyd (Lithion) Li2O ^[Li_{2}O], welches sich in Wasser zu Lithiumhydroxyd (Lithiumoxydhydrat) LiOH löst. Letzteres ist dem Natriumhydroxyd ähnlich und bildet mit Säuren die farblosen, meist in Wasser löslichen Lithiumsalze, von denen das kohlensaure und das phosphorsaure Lithiumoxyd schwer löslich sind. Lithiumchlorid (Chlorlithium) LiCl ist farblos, zerfließlich, sehr leicht löslich in Wasser und Alkohol, schmeckt wie Kochsalz, schmilzt leicht und verflüchtigt bei Weißglut. Es färbt, wie alle Lithiumsalze, die Alkoholflamme karmesinrot. Man benutzt Lithiumsalze gegen Gicht, da harnsaures Lithiumoxyd das löslichste aller Harnsäuresalze ist und Lithiumsalze daher geeignet erscheinen, die gichtischen Ablagerungen von harnsaurem Natron zu lösen. Lithiumsalze dienen auch gegen Krupp, Diphtheritis, gelbes Fieber, zur Bereitung von Mineralwässern und zu Nachtsignalen. L. wurde 1817 von Arfvedson entdeckt und das Metall zuerst von Davy dargestellt.

Litho... (griech.), in Zusammensetzungen: Stein..., z. B. Lithographie (Steindruck).

Lithochromie (griech.), s. Lithographie.

Lithocysten (griech.), Pflanzenzellen, die eine Kristalldruse, einen Cystolithen oder Raphiden (s. d.) enthalten.

Lithofrakteur (franz., spr. -tör), Sprengpräparat aus Steinkohlenpulver, Natronsalpeter, Schwefel, Sand und Nitroglycerin.

Lithoglyphik, s. v. w. Steinschneidekunst.

Lithographie (griech., "Steinzeichnung", Steindruck), die Kunst, eine Zeichnung mittels chemischer Kreide oder der Feder oder durch Gravieren so auf eine Steinplatte zu entwerfen, daß sie, mit Farbstoff bedeckt, abgedruckt werden kann. Sowohl dem Prinzip als dem Wesen dieser graphischen Technik nach steht die L. zwischen dem Kupferstich und dem Holzschnitt in der Mitte. Denn während der erstere vermittelst Tiefdrucks, der zweite vermittelst Erhabendrucks reproduziert, indem dort die Zeichnung vertieft, hier erhaben erscheint, bleibt sie auf der lithographischen Druckplatte, ausgenommen bei der Radier- und der Graviermanier, in der Ebene, von welcher der Abdruck auf chemischem Weg bewirkt wird. Die naturgemäße Technik der L. ist die vermittelst der lithographischen Kreide zeichnende Manier, weil diese weder von dem Kupferstich und der Zinkographie noch von dem Holzschnitt erreicht, noch durch sie ersetzt werden kann. Das Prinzip der lithographischen Reproduktion beruht auf der Unvermischbarkeit von Wasser und Fett. Wenn ein Stein, der für das Einsaugen von Wasser ebenso empfänglich ist wie für das von Fett, an gewissen Stellen mit Fett getränkt wird, so nimmt er an diesen kein Wasser an, sondern nur Fett, während wieder die andern mit Wasser getränkten Stellen kein Fett annehmen. Entwirft man also auf dem sogen. lithographischen Stein, einer Art Kalkschiefer von poröser Textur, nachdem derselbe eben geschliffen ist, vermittelst der lithographischen Kreide, welche aus seifenartigen, mit Mastix, Terpentin und Kienruß vermischten Substanzen besteht, oder der lithographischen Tinte, welche dieselben Substanzen in flüssigem Zustand enthält, und der Feder eine Zeichnung, und zwar verkehrt, und tränkt alle übrigen Stellen mit Wasser, so wird die aufgetragene Druckfarbe nur auf den Stellen der Zeichnung haften und also auch nur diese beim Abdruck reproduziert werden. Um die Stellen des Steins, welche weiß bleiben sollen, noch mehr gegen die Annahme von Farbe zu schützen, werden sie geätzt und gummiert. Das Ätzen mit verdünnter Salpetersäure reinigt die Oberfläche, erleichtert das Gummieren und trägt auch dazu bei, die alkalische Seifensubstanz der Kreide oder Tinte in einem steten Zersetzungsprozeß zu erhalten, wodurch sie für die Annahme der Druckfarbe empfindlich bleibt. Das Gummieren ist dagegen das eigentliche Schutzmittel gegen die Annahme der Farbe an den leeren Stellen. Der beste lithographische Stein wird bei Solnhofen in Bayern gebrochen, brauchbare Steine werden indes auch in Nordamerika, England, Frankreich, Italien, Rußland und Preußen gefunden. Die Steine werden in 5-10 cm dicke Platten geschnitten und mit Sandstein abgeschliffen. Je gleichförmiger ihre Textur ist, desto besser sind sie. Ihre Farbe ist ein gelbliches oder bläuliches Grau. Gebrauchte Steine können durch Abschleifen der Oberfläche wieder brauchbar gemacht werden.

Unter den verschiedenen Manieren der L. steht die Steinkreidezeichnung obenan. Sie bringt eine der Zeichnung mit schwarzer Kreide auf Papier ähnliche Wirkung hervor und besitzt als charakteristische Merkmale Weichheit und malerischen Effekt. Damit das Bild nicht zu weich und verwaschen aussieht, muß die Oberfläche des Steins etwas rauh gemacht, gekörnt werden, wodurch die Zeichnung eine punktartige Textur erhält. Die Federzeichnung, welche mittels der lithographischen Tinte ausgeführt wird, hat einen ähnlichen Charakter wie die Radierung in Kupfer; aber ihre Strichlagen erscheinen beim Druck selten so rein wie bei der letztern. Die Technik ist im übrigen dieselbe wie bei der Kreidezeichnung. Verschieden hiervon ist die Radiermanier auf Stein, bei welcher dieser ähnlich wie eine Kupferplatte behandelt wird (vgl. Kupferstecherkunst, S. 329). Zuerst wird der Stein, welcher bei diesem Verfahren nicht gekörnt sein darf, sondern glatt sein muß, mit einer Mischung von Phosphorsäure u. Gummi angeätzt, zum Schutz gegen Annahme der Farbe, worauf man ihn grundiert, d. h. vermittelst des Pinsels schwärzt, was durch eine Auflösung von Asphalt, Mastix und weißem Wachs geschieht. Nachdem der Grund trocken ist, wird die Zeichnung mittels der stählernen Radiernadel so eingegraben, daß der Stein an diesen Stellen bloßgelegt wird. Dann wird derselbe Stein mit einem Wachsrand umgeben und die Ätzung vermittelst Scheidewassers ausgeführt. Eine Abart davon ist die Graviermanier, bei welcher nicht geätzt, sondern auf dem schwarzen Grunde, der hier nur aus Kienruß und Gummiwasser besteht, mit der Radiernadel oder bei tiefern Stellen mit dem Stichel die Zeichnung eingraviert wird. Wenn dann diese gravierten Stellen mit Öl eingerieben worden sind, so daß sie später allein die Druckfarbe annehmen, wird der Deckgrund weggewaschen, und der Druck kann beginnen. Der lithographische Hochdruck ist eine jetzt außer Gebrauch gekommene Nachahmung des Holzschnitts; es wurden hierbei die Lichter weggeätzt, bis die Zeich-^[folgende Seite]