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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Livénza; Liverpool

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Livenza - Liverpool.

Livénza, Fluß in Venetien, entspringt bei Polcenigo in der Provinz Udine und mündet nach 115 km langem Lauf (davon 78 km schiffbar) nördlich von Caorle ins Adriatische Meer.

Liverpool (spr. líwwerpuhl), ansehnlicher Fluß im Nordterritorium Australiens, ergießt sich in weiter Mündung in das Arafurameer. Soweit erforscht, ist er wasserreich und wird für den Binnenverkehr wahrscheinlich einmal sehr wichtig werden.

Liverpool (spr. liwwerpuhl, v. kymrischen Llyr-pwl, "Seepfuhl"), Stadt in der engl. Grafschaft Lancashire, liegt unter 53° 23' nördl. Br. und 2° 54' westl. L. v. Gr., am nördlichen Ufer des schiffbaren Mersey, welcher hier eine Breite von 700 m hat, sich aber oberhalb L. seeartig bis über 3 km Breite erweitert und unweit der Stadt in die Irische See mündet. Vor seiner Mündung liegen Sandbänke, zwischen welchen hindurch der Crosby und andre Kanäle führen. Mehrere Leuchtschiffe (das äußerste, Formby Light, 14 km von der Mündung des Mersey) und Leuchttürme bezeichnen die Einfahrt, und neuerdings errichtete starke Befestigungen verteidigen dieselbe. Die Stadt erhebt sich amphitheatralisch am sanften Abhang eines Sandsteinhügels und bietet mit ihren Docks und Kais und dunkeln Häusermassen einen imposanten Anblick dar. Vorstädte mit freundlichen Landhäusern und Gärten umgeben die Stadt nach allen Seiten. Nach S. liegt Toxteth mit dem 156 Hektar großen Neuen Park und dem Prince's Park, im O. Wavertree, West-Derby, Everton und Edgehill, im N. Kirkdale mit dem Stanley Park und Walton on the Hill, am Mersey selbst, unterhalb der Stadt, Bootle und Waterloo. Selbst Birkenhead (s. d.), L. gegenüber, kann als Vorstadt desselben gelten und gehört thatsächlich zum Hafengebiet der Stadt. Die Hauptstraßen der innern Stadt, wie Dale, Bold, Castle, Lord Street und die über 1 km lange Scotland Road, sind breit und äußerst belebt; doch münden auch enge, schmutzige Seitengäßchen, wo der Kleinhandel sich bewegt und das Elend wohnt, in sie ein. Die zahlreichen Armen wohnen in Kellern (ca. 20,000 Personen) oder in sogen. Courts, kleinen Sackgäßchen, die, nach allen vier Seiten zugebaut, einen meist überwölbten Zugang haben. Unter den öffentlichen Plätzen verdient nur der unregelmäßige, bei der St. Georgshalle im Mittelpunkt der Stadt gelegene Lime Hill Erwähnung. Zwei Wasserleitungen versorgen die Stadt mit Wasser, die ältere vom Rivington Pike her, der 32 km nördlich von der Stadt liegt, die andre, erst jüngst vollendete, aus Wales. Das große Reservoir der letztern liegt 10 km vom Balasee, bei den Quellen des Vyrnwy und 238 m ü. M. Von dort aus führt ein 108 km langer Aquädukt über Oswestry und Prescot nach L. Unter den 150 kirchlichen Gebäuden Liverpools ist keins von Bedeutung. Das älteste unter ihnen, die St. Nicholaskirche, hat einen 1810 erbauten Turm. Die St. Georgskirche nimmt die Stelle des von Heinrich II. erbauten Forts ein und wurde 1821 völlig umgebaut. Unter den Kirchhöfen ist der von St. James, mit dem Denkmal des Parlamentsmitglieds Huskisson, der bemerkenswerteste.

Als architektonischen Mittelpunkt Liverpools darf man wohl den Platz beim Bahnhof in der Lime Street ansehen. Dort steht das schönste Gebäude der Stadt, die St. Georgshalle, 1841-55 mit einem Kostenaufwand von 8 Mill. Mk. von Elmes in Gestalt eines griechischen Tempels erbaut. Sie bedeckt eine Fläche von 183 m Länge bei 51,8 m Tiefe und enthält eine große Halle für Konzerte und Versammlungen, die Gerichtshöfe etc. Die korinthischen Säulen des westlichen Portikus sind 13,7 m hoch. Dicht bei ihr stehen Bildsäulen G. Stephensons (von Gibson), des Prinzen Albert und der Königin Viktoria sowie eine 41 m hohe Wellingtonsäule. Die neben dieser Halle stehende St. Johnskirche ist ohne Bedeutung; wohl aber lenkt das hier gelegene Brown Institute, ein klassischer Bau, die Blicke auf sich. Dale Street bringt uns von hier, am Stadtamt (Municipal Offices) mit 61 m hohem Turm vorbei, zum Stadthaus (Town Hall), 1795 von Foster erbaut, mit korinthischer Säulenhalle und 32 m hoher Kuppel, und zu der hinter demselben stehenden Börse, im Renaissancestil, gleichfalls mit Kuppel. Auf dem viereckigen, von Arkaden umgebenen freien Platze zwischen beiden steht ein Nelsondenkmal. Das Steueramt (Revenue Buildings) steht in der Nähe der Docks, hat eine Fassade von 142 m Länge und eine weithin sichtbare Kuppel.

Die Bevölkerung ist in rascher Zunahme begriffen. Während sie 1700 noch nicht 6000 Seelen betrug, zählte L. 1801: 82,295, 1851: 375,955, 1881 aber 552,426 Einw. Mit den Vorstädten, die zwar nicht zum städtischen Gebiet, aber thatsächlich zur Stadt gehören, hat L. wenigstens 652,000 Einw. Diese Vorstädte sind: Bootle, Waterloo, Walton on the Hill, West-Derby, Wavertree und Toxteth Park. Die Gesundheitsverhältnisse lassen viel zu wünschen übrig, und von 1000 Kindern, die geboren werden, erreichen nur 540 das fünfte Lebensjahr. Zahlreich sind die Katholiken (fast nur Irländer), denn sie bilden nicht weniger als 12,8 Proz. der Gesamtbevölkerung und tragen nicht wenig zum schlechten Ruf bei, den L. vom polizeilichen Standpunkt aus einnimmt.

L. ist ganz überwiegend Handelsstadt, indessen finden sich auch bedeutende industrielle Anstalten, besonders solche, die sich auf Schiffahrt beziehen, wie große Schiffswerften (namentlich auch für eiserne Dampfschiffe), Maschinenfabriken, Uhren- und Chronometerfabriken, Eisengießereien, Seilerbahnen, Dampfkessel- und Messingfabriken, Zuckersiedereien, Brauereien etc. 1881 zählte man 13,974 Kaufleute mit Gehilfen, 4936 Maschinenbauer, 4841 Schiffbauer und 5505 Eisenarbeiter, Spengler und Schmiede. In Hinsicht seiner Ausfuhr ist L. der bedeutendste aller britischen Häfen, wenn ihm auch neuerdings London (s. d.) seiner gesamten Handelsbewegung nach den Rang abgelaufen hat. Es ist der Speditionsplatz für die vielen Güter, welche aus den fabrikreichen Grafschaften Lancashire und Yorkshire zur Verschiffung nach allen Weltteilen dahin gelangen, anderseits Importhafen, namentlich für alle Produkte, welche die Vereinigten Staaten von Nordamerika an Europa abgeben, wie Baumwolle, Petroleum, Tabak etc. Außerdem unterhält es ausgedehnte Verbindungen mit dem Süden Europas und der Levante, mit China, der Westküste Afrikas und mit Irland, dessen Schlachtvieh, Mehl, Butter und Leinwand größtenteils über L. gehen. Im J. 1846 besaß die Stadt erst 1461 Seeschiffe (darunter 55 Dampfer) mit 387,008 Ton. Gehalt; 1886 hatte sie 2470 Seeschiffe mit 1,864,387 T. Gehalt, worunter 871 Dampfer mit 826,387 T., und außerdem 196 Fischerboote. Im J. 1886 liefen 16,744 Seeschiffe im Gehalt von 7,566,234 T. ein (darunter 4367 Schiffe von 5,017,815 T. vom Ausland). Der Wert der

^[Abb.: Wappen von Liverpool.]