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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Liverpool

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Liverpool (Graf von).

man arbeitet an einem ausgedehnten Netz von Dampftramways, das L. mit allen Fabrikstädten Lancashires in Verbindung setzen soll.

Unter den dem Verkehr gewidmeten Anstalten Liverpools fallen dem Fremden am meisten die Docks in die Augen. Das erste Trockendock wurde 1710 eröffnet, als das erste seiner Art in England, aber 1825 wieder zugeschüttet, und an seiner Stelle steht seit 1839 das erwähnte Gebäude des Steuer- und Zollamtes. Die namentlich seit 1845 hergestellten künstlichen Hafenwerke sind Meisterstücke der Wasserbaukunst. Gegenwärtig zählt L. 29 Docks, 4,9-7,9 m tief, die sich eine Strecke von über 7 km weit am Flußufer hinabziehen und eine Wasserfläche von 274 Hektar einnehmen. Vielfach sind diese Docks von großen Warenspeichern umgeben. Bemerkenswert sind ferner die bei L. liegenden schwimmenden Landungskais, wovon der neueste und großartigste (Ostern 1876 vollendet) eine Länge von 629 m und eine Breite von 25 bis 30 m hat. Außer nassen und trocknen Docks (letztere namentlich für Küstenfahrer bestimmt) gibt es auch zahlreiche Kalfaterdocks zur Ausbesserung von Seeschiffen. Das Grundkapital für die Hafenanlagen stellt gegenwärtig eine schwebende Schuld von 16 Mill. Pfd. Sterl. dar (wovon 6 Mill. auf die Anlagen in Birkenhead entfallen), der als Verzinsung des Kapitals eine Einnahme an Hafengeldern von mehr als 1 Mill. Pfd. Sterl. gegenübersteht. Im Vergleich mit den Hafenbauten treten die andern dem Handel gewidmeten Gebäude in den Hintergrund, so die Börse, die Getreidebörse, die zahlreichen, meist stattlichen Banken etc. Unter den bedeckten Markthallen ist die 1822 erbaute von St. John die wichtigste. Sie liegt mitten in der Stadt, ist 168 m lang, 42 m breit, und ihr Dach ruht auf 116 gußeisernen Säulen. Fleisch, Geflügel, Obst und Gemüse werden hier feilgeboten. Ihr gegenüber liegt der Fischmarkt.

Groß ist in L. der Wohlstand, aber gleich groß die Armut. Unter den zahlreichen Wohlthätigkeitsanstalten sind hervorzuheben: 2 große Krankenhäuser, ein Irrenhaus, Anstalten für Blinde und Taubstumme; ein Matrosenheim (Sailors Home, seit 1850), ein Nachtasyl für Obdachlose, großartige Armenhäuser und mehrere städtische Bade- und Waschanstalten. Für den Elementarunterricht sorgt jetzt ein von den Steuerzahlern ernannter Schulvorstand (School-Board). An höhern Bildungsanstalten sind zu erwähnen: das 1882 eröffnete University College, das Liverpool College, eine 1840 gegründete und in streng kirchlichem Sinn geleitete Knabenschule in großartigem Tudorbau, Liverpool Institute und Crosby College, sämtlich für Knaben und etwa unsern Gymnasien entsprechend. Ferner die von Roscoe gegründete Royal Institution, eine Kunstschule mit Gemäldegalerie, 2 medizinische Schulen in Verbindung mit den Krankenhäusern, ein kath. Seminar (in Everton), ein kath. Lehrerseminar (auf Mount Pleasant) und ein von den Liberalen gegründetes Mechanics Institute (Arbeiterbildungsverein). Unter öffentlichen Sammlungen verdienen Beachtung die von W. Brown 1857 gestiftete Freibibliothek mit Museum und die von Walker 1874 gestiftete Gemäldegalerie. Ferner sind zu erwähnen: der botanische und zoologische Garten, die Sternwarte, ein Kunstverein, ein naturwissenschaftlicher Verein und die den beiden politischen Parteien gehörigen Klubhäuser, Athenäum und Lyceum, welche große Bibliotheken besitzen. L. hat ferner drei Theater und mehrere sogen. Musikhallen. Es hat Munizipalverfassung und ist in 16 Distrikte geteilt, deren jeder einen Alderman und drei Räte ernennt, welche mit dem Mayor an der Spitze den Stadtrat bilden. Es ist Sitz eines anglikanischen und eines kath. Bischofs sowie eines deutschen Konsuls.

Geschichte. Der Name L. (auch Litherpool in ältern Urkunden) wird zuerst um 1190 unter der Regierung Richards I. genannt. Die Ableitung des Namens ist unsicher. Den ersten Freibrief erhielt die Stadt 1209 von Johann, den zweiten 1229 von Heinrich III., worin dieser den Ort für eine Freie Stadt (borough) erklärte. Diese Freibriefe trugen indes zum Wachstum der Stadt wenig bei, die noch zur Zeit Elisabeths nur etwa 1500 Einw. hatte. 1644 ward L. mit einer Erdmauer und einem Graben umgeben, aber nach einer standhaften Verteidigung von den Royalisten unter dem Prinzen Ruprecht erobert und geplündert. Kurz darauf wüteten Pest und Hungersnot daselbst. 1699, als L. zu einem selbständigen Kirchspiel erhoben wurde, hatte es erst 5000 Einw. Zehn Jahre später wurde das erste Dock eröffnet; aber die Stadt fing erst an, sich rascher zu entwickeln, als die Kaufleute sich auf den Sklavenhandel legten. Liverpools Negerschiffe eröffneten an den afrikanischen Küsten den englischen Manufakturwaren (Eisen-, Stahl- und wollenen Waren) frequente Märkte, führten dann die Sklaven nach den Antillen und brachten nach Europa Rum, Zucker und Tabak mit zurück, eine dreifache Operation, welche mit jeder Reise das Vermögen der Reeder verdoppelte. Man rechnet, daß von 1730 bis 1770: 2000 Negerschiffe den Hafen Liverpools verließen und im Verlauf von elf Jahren 304,000 Sklaven nach den Antillen brachten, die den Reedern einen Reingewinn von 8 Mill. abwarfen. Doch nahm der Sklavenhandel, da ihn die Konkurrenz weniger einträglich machte, mehr und mehr ab, und die Abschaffung desselben 1806 schädigte daher den Handel von L. wenig. Die neuen großen Unternehmungen geschahen im Interesse der Manufakturen und waren nach der Neuen Welt gerichtet, denn eine mächtige Kompanie besaß das Monopol des indischen und chinesischen Handels. Der Handel Englands mit den Vereinigten Staaten Nordamerikas konzentrierte sich im Hafen L. Für den Abbruch, den Liverpools Baumwollhandel während des amerikanischen Bürgerkriegs erlitt, entschädigte es sich reichlich durch Waffenhandel mit den Vereinigten Staaten und Schleichhandel mit den Konföderierten. Auch wurden in seinem Hafen einige für die letztere bestimmte Kriegsschiffe ausgerüstet, was mit Anlaß zur Entstehung der Alabamafrage gab. Vgl. Baines, History of the commerce and town of L. (Liverp. 1852); Picton, Memorials of L. (2. Aufl., Lond. 1876, 2 Bde.); Ellison, Cotton trade of Great Britain, including history of the L. cotton market (das. 1886).

Liverpool (spr. líwwerpūl), 1) Charles Jenkinson, Baron Hawkesbury, Graf von, brit. Staatsmann, geb. 10. Mai 1727 in der Grafschaft Oxford, Sohn des Obersten Jenkinson, studierte zu Oxford, machte sich als Dichter und Publizist bekannt, ward Privatsekretär des Lords Bute, der ihn nach seinem Eintritt ins Ministerium 1761 zum Unterstaatssekretär ernannte, und trat zugleich für den Flecken Cockermouth ins Parlament. 1763-65 war er Sekretär der Schatzkammer, 1766 Lord der Admiralität, 1767 Lord des Schatzamtes und 1772 unter dem Ministerium North Vizeschatzmeister von Irland. Er war das gehaßteste Mitglied der damals herrschenden Kamarilla. Seinem Einfluß schrieb man besonders die Maßregeln gegen die nordamerikanischen Kolonien zu. 1776 wurde er zum Münzmeister