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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lodomerĭen; Lodore, Falls of; Lodovīco; Lodz; Loë; Loën; Lofer; Löffel

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Lodomerien - Löffel.

braucht bis zur vollkommenen Reife 10 Jahre, erreicht aber schon im 4. Jahr ihre volle Größe. Sie ist dann olivengrün, gewöhnlich doppelt, oft drei-, selbst vierfach, häufig 45 cm lang und 1 m im Umfang und wiegt 20-25 kg. Unreif ist sie sehr weich, mit einer halb durchsichtigen, geleeartigen Substanz von fadem, süßlichem Geschmack erfüllt, aus welcher sich mit zunehmender Reife der schwarze, knochenharte Kern bildet. Die Pflanze selbst wurde erst 1742 entdeckt, während die Früchte schon lange bekannt waren, da sie häufig an die Küsten der Malediven und Ceylons angeschwemmt wurden. Sie galten als Produkte einer unterseeischen Pflanze, standen in hohem Ansehen und wurden zu fabelhaften Preisen verkauft. Man hielt sie für durchaus giftwidrig und sehr heilkräftig und verarbeitete sie auf kostbare Gefäße. Auf den Seschellen wird das Herz der Blattkrone als Palmkohl gegessen; der Stamm dient zu Wassertrögen, Palissaden etc., die Blätter zum Decken der Häuser, die Blattrippen und Fasern des Blattstiels zu Körben, das Laub zu Hüten, die Nuß zu den verschiedenartigsten Gefäßen; die unreife Nuß bietet eine wohlschmeckende Speise. Der hohe Preis, welchen die Nüsse noch immer haben, und die Gewohnheit, die Stämme umzuhauen, um die Blätter und die Nüsse zu erhalten, dürften in nicht ferner Zeit das Aussterben der Art herbeiführen. Gegenwärtig wird die L. auch in europäischen Palmenhäusern kultiviert.

Lodomerĭen, latinisierter Name des ehemals selbständigen Fürstentums Wladimir in Wolhynien, bildet seit der Teilung Polens 1772, vereint mit Galizien (s. d.), einen Bestandteil Österreichs unter dem Titel eines "Königreichs", den es schon unter Andreas II. von Ungarn (seit 1206) geführt hatte.

Lodore, Falls of, s. Derwentwater. ^[richtig: Derwent Water.]

Lodovīco (ital.), s. v. w. Ludwig.

Lodz (Lodsi, poln. Lódz, spr. ludsh), Kreisstadt im russisch-poln. Gouvernement Piotrkow, durch Zweigbahn mit der Warschau-Wiener Eisenbahn verbunden, Zentrum der Baumwollindustrie Polens, besteht eigentlich aus einer einzigen, über 10 km langen Hauptstraße, hat mehrere evangelische und kath. Kirchen, eine Synagoge, eine technische Anstalt, mehrere Schulen, 2 Buchhandlungen, ein deutsches und ein polnisches Theater, eine Kommerzbank, gegen 300 industrielle Anstalten, hauptsächlich Baumwollmanufakturen und Wollenstofffabriken, und (1881) 49,592 (1885 mit einigen umliegenden Orten 113,413) Einw. 1815 wurden hier die ersten Tuchfabriken angelegt, und seitdem ist die Stadt durch die Intelligenz der deutschen Fabrikanten rasch aufgeblüht. Auch der Kreis L. ist reich an industriellen Etablissements.

Loë, Friedrich Karl Walter Degenhard, Freiherr von, preuß. General, geb. 9. Sept. 1828 auf Schloß Allner an der Sieg aus einer reichsfreiherrlichen katholischen Familie, besuchte die Ritterakademie zu Bedburg, studierte darauf in Bonn und diente als Einjährig-Freiwilliger im 5. Ulanenregiment. 1848 trat er in die schleswig-holsteinische Armee ein, ward Leutnant im 2. Dragonerregiment und machte den Feldzug des Sommers 1848 mit, nach dessen Beendigung er seinen Abschied nahm. Dem 8. preußischen Husarenregiment im Januar 1849 als Sekondeleutnant aggregiert, machte er den Feldzug in Baden mit, ward 1853 Adjutant bei der Militärreitschule, besuchte 1855-58 die Kriegsakademie und wurde, 1857 zum Premierleutnant befördert, 1858 Adjutant des Militärgouvernements von Rheinland und Westfalen, bald darauf Rittmeister im 7. Husarenregiment und persönlicher Adjutant des Prinz-Regenten. 1861 zum Major und königlichen Flügeladjutanten ernannt, begleitete er den Prinzen Albrecht nach Rußland und nahm 1862 am Krieg im Kaukasus teil. Hierauf zum Militärattaché in Paris ernannt, machte er unter General v. Bose 1864 einen Feldzug in Algerien mit. Im Kriege gegen Österreich 1866 war er als Oberstleutnant im Gefolge des Königs, gegen Frankreich 1870/71 befehligte er das 7. (Königs-) Husarenregiment, dessen Kommandeur er seit 1867 war. 1871 erhielt er das Kommando einer Kavalleriebrigade, ward 1873 Generalmajor, 1879 Generaladjutant des Königs, Generalleutnant und Kommandeur der 5. Division in Frankfurt a. O., 1885 Kommandeur des 8. Armeekorps.

Loën, August, Freiherr von, Theaterintendant, geb. 27. Jan. 1828 zu Dessau, nahm, nachdem er auf der Berliner Universität studiert hatte, als Offizier an den Feldzügen von 1849 und 1864 teil. Auf Grund seiner militärischen Kenntnisse veröffentlichte er eine sehr beifällig aufgenommene Schrift über "Die Kriegsverfassung des Deutschen Reichs und des Deutschen Bundes" (Dessau 1860), war dann journalistisch thätig, schrieb zwei Romane: "Bühne und Leben" (Leipz. 1864) und "Verloren und nie besessen" (Hannov. 1875), sowie die Erzählungen "Kampf um Liebe" (Bresl. 1884) und veranstaltete eine Bühnenbearbeitung von Kleins "Heliodora" (Leipz. 1877). Bedeutungsvoller als durch seine litterarische Thätigkeit wirkte L. als kunstsinniger Bühnenleiter in der ihm 1867 übertragenen Stellung eines Intendanten des Hoftheaters zu Weimar, als welcher er 28. April 1887 in Jena starb.

Lofer, Marktflecken in Salzburg, Bezirkshauptmannschaft Zell am See, 639 m ü. M., malerisch an der Saalach und an der Straße von Saalfelden nach Reichenhall gelegen, mit Bezirksgericht und (1880) 401 Einw. Im S. erheben sich die Loserer Steinberge (Breithorn 2416, Ochsenhorn 2513 m). 2 km westlich führt der Paß Strub, um welchen 1805 und 1809 gekämpft wurde, nach Tirol; 9 km unterhalb L. liegt an der Saalach und der bayrischen Grenze das Dorf Unken am Steinpaß mit einer Heilquelle (Schütterbad) und 229 Einw. In der Nähe die sehenswerte Schwarzbergklamm und der Staubfall.

Löffel (Eßlöffel) werden aus Metall, Holz, Horn, Porzellan und Glas gefertigt. Die Fabrikation der eisernen L. nach alter Methode besteht noch im sächsischen Erzgebirge in der Umgegend von Schwarzenberg. Man verarbeitet ein geschmeidiges Stabeisen in 4-6 mm starken Stäben. Die Plattenschmiede schmieden an dem einen Ende eines solchen Stabes zunächst eine dünne, flache, spatenförmige Platte, hauen dann ein genügend langes Stück ab, formen den Stiel und bearbeiten hierauf 6-9 rohe Platten auf einmal, bis die spatenförmigen Teile die richtige Gestalt angenommen haben. Diese Platten werden demnächst von den Schwarzarbeitern mit kegelförmigen Hämmern mit runder Bahn und auf einem Amboß, welcher die Rundung, die der L. erhalten soll, in verschiedener Tiefe enthält, weiter geformt, worauf diese Larven, von den überstehenden Rändern mit der Schere und Feile und in verdünnter Salzsäure vom Oxyd befreit, in Sägespänen getrocknet und verzinnt werden. Die verzinnten L. werden auf poliertem Amboß und mit polierten Hämmern bearbeitet und an den Rändern geebnet. In neuerer Zeit werden die L. aus Eisen, Silber, Neusilber, Aluminiumbronze etc. aus Blech (Blechlöffel) hergestellt, indem man auf Durchschnitten die Platten ausschneidet, diese auf Stanzmaschinen zwischen Prägstempeln formt und