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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: London

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London (Behörden, Finanzen; Umgebungen; Geschichte).

Lord-Mayor seinen Diensteid vor dem Court of Aldermen, und am darauf folgenden Tag begibt er sich in pomphaftem Aufzug (Lord-Mayor's Show) nach dem obersten Gerichtshof, wo er der Krone Treue schwört. Am Abend findet in der Guildhall ein großartiges Festessen statt, dessen Unkosten von dem Lord-Mayor und den beiden Sheriffs bestritten werden. Der Lord-Mayor nimmt nächst der Königin in der City den höchsten Rang ein; er ist ex officio Mitglied des Geheimen Rats, Richter im Zentralkriminalgericht, Friedensrichter für die drei hauptstädtischen Grafschaften, Lord-Lieutenant der City und Hafenadmiral von L. Seine Amtswohnung ist im Mansion House, und es wird von ihm erwartet, daß er die altberühmte Gastfreundschaft der City in Ehren hält. Er bezieht einen Gehalt von 10,000 Pfd. Sterl. Die städtischen Beamten werden vom Court of Aldermen, vom Court of Common Council oder von der Livery (s. unten) erwählt. Unter ihnen sind zwei Sheriffs, ein Recorder und ein Common Serjeant (beide Stadtrichter), ein Chamberlain (Schatzmeister) u. a. Eine bedeutende Rolle in der Verwaltung der City spielen die aus den Zünften des Mittelalters hervorgegangenen City Companies. Es gibt deren 79, aber nur 74 unter ihnen sind sogen. Livery Companies, d. h. sie sind in der oben bereits erwähnten Common Hall vertreten. Die Rangordnung dieser Companies ist gesetzlich bestimmt. Die 12 vornehmsten sind diejenigen der Seidenhändler (mercers), Gewürzhändler, Tuchhändler, Fischhändler, Goldschmiede, Kürschner, Schneider, Kurzwarenhändler, Salzhändler, Eisenhändler, Weinhändler und Tuchbereiter. Im J. 1880 hatten diese Companies eine Einnahme von 750-800,000 Pfd. Sterl., und ihr Eigentum schätzte man auf 15 Mill. Pfd. Sterl. Die City als Korporation hatte 1884 ein Einkommen von 1,176,234 Pfd. Sterl. bei einer durch Hypotheken vollkommen gedeckten Schuldenlast von 5,273,500 Pfd. Sterl.

Die Hauptstadt als solche besitzt bis jetzt noch keine Munizipalverwaltung und wird durch 38 Bezirksämter (Local Boards) oder Gemeindevorstände (Vestries), 30 Armenämter (Boards of Guardians), ein Bauamt, ein Gesundheitsamt, ein Schulamt und andre Körperschaften mit über 8000 Mitgliedern verwaltet, von denen die Mehrzahl durch die Steuerzahler gewählt wird. Die städtischen Finanzen sind infolge der zahlreichen Behörden ungemein verwickelt. 1885 beliefen sich die Einnahmen der verschiedenen städtischen Behörden (ohne Anleihen) auf 5,795,000 Pfd. Sterl., wovon etwa 3,800,000 Pfd. Sterl. durch eine Mietsteuer, 470,000 Pfd. Sterl. durch Abgaben von Steinkohlen und Wein und der Rest durch Marktgebühren, Mieten, Zuschüsse des Staats u. dgl. aufgebracht wurden. Die städtischen Schulden beliefen sich auf 28,624,554 Pfd. Sterl. Die den Steuern unterworfene Hausmiete war 1885 zu 30,537,188 Pfd. Sterl. eingeschätzt (1870: 18,719,237 Pfd. Sterl.). Unter diesen zahlreichen Körperschaften steht das Bauamt obenan. Seine 57 Mitglieder werden von der City und den 38 Local Boards ernannt und tagen unter einem von der Regierung ernannten Vorsitzenden (Chairman), welcher einen Gehalt von 2000 Pfd. Sterl. bezieht. Das Bauamt befaßt sich mit Drainierung der Stadt und mit andern der ganzen Hauptstadt gemeinschaftlichen Bauten und Straßendurchbrüchen. Seine Ausgaben für das Jahr 1885 betrugen 1,768,438 Pfd. Sterl., und es hat bereits eine Schuldenlast von (1887) 17,220,449 Pfd. Sterl. angehäuft. Die unter Aufsicht dieses Amtes stehende Feuerbrigade ist (1886) 671 Mann stark mit 163 Spritzen. Die 1829 geschaffene hauptstädtische Polizei steht unter dem Minister des Innern, ist 13,849 Mann stark und kostet jährlich über 1 Mill. Pfd. Sterl. (wovon der Staat die Hälfte zahlt). Außerdem hat die City eine Polizei von 902 Mann. Westminster (s. d.), obgleich es offiziell den Namen "City" führt, hat keine Munizipalverfassung, ist auch nicht Bischofsitz. Seine Vorrechte beschränken sich auf die vom Dekan und dem Kapitel der Westminsterabtei zu vollziehende Ernennung einiger Lokalbeamten, von denen der High Steward bei den Vierteljahrssessionen den Vorsitz führt und der High Bailiff die Befugnisse eines Sheriffs hat.

L. ist Sitz der obersten Gerichtshöfe des Landes. Ein Zentralkriminalgericht hat seinen Sitz im Old Bailey bei Newgate unter Vorsitz eines königlichen Richters und der zwei Stadtrichter. Die Friedensrichter der hauptstädtischen Grafschaften halten ihre üblichen Sitzungen ab. Die zwölf County Courts (s. England, S. 642) sowohl als zwei städtische Gerichtshöfe in der Guildhall haben Jurisdiktion in Zivilsachen. Die niedere Gerichtsbarkeit wird von 14 Polizeigerichten ausgeübt, wovon 2 in der City, unter Vorsitz des Lord-Mayors und eines Ratsherrn, und 12 im Reste der Hauptstadt, unter Vorsitz besoldeter Richter, tagen. L. hat 8 Gefängnisse, darunter 4 für Strafgefangene (Convicts), und ist Sitz eines deutschen Berufskonsuls.

Umgebungen (hierzu Karte: "Umgebung von London").

Wie bereits erwähnt, schließt das Häusermeer Londons keineswegs mit den offiziellen Grenzen der Metropole ab, sondern erstreckt sich nach allen Richtungen weit über dieselben hinaus. Dicht an den Grenzen liegen West Ham (128,953 Einw.), Leyton (27,068) und Walthamstow (21,715) in Essex; Tottenham (46,456), Hornsey (22,485), Highgate (9457), Willesden (27,453), Acton (17,126), Chiswick (15,975), Ealing (15,764), Hanwell (5178) und Brentford (11,810) in Middlesex; Kew (1670), Richmond (19,066), Kingston (35,829), Wimbledon (15,950) und Croydon (78,953) in Surrey; Beckenham (13,045), Bromley (15,154) und Dartford (10,163) in Kent. Während die nördlich von der Themse unterhalb L. gelegene Gegend meist Flachland ist, erhebt sich namentlich im W. und S. eine liebliche Hügellandschaft, und während sich L. als Industrie- und Handelsstadt in östlicher Richtung längs der Themse ausbreitet, genießt namentlich der Westen den Vorzug als Wohnstadt. Aber wenn auch das im SW. gelegene Wimbledon Common und die Parke von Kew, Richmond und Hampton Court beliebte Anziehungspunkte bieten, so besitzt auch der Nordosten im Eppinger Wald (s. d.) einen öffentlichen Park, welcher dem Freunde der Natur großen Genuß bietet. Selbst in größerer Entfernung, bei Maidenhead, hat die City das Burnham Beeches genannte Wäldchen ihren Bürgern erworben.

Geschichte.

L. war schon zur Römerzeit eine bedeutende Stadt, wird aber weder bei Cäsars noch bei Claudius' Zug, sondern zuerst von Tacitus genannt. Der Name L. ist keltisch, seine Ableitung unsicher. Zur Zeit der Römer hieß L. Londinium (Lundinium) und war römische Kolonie. Von der Königin Boadicea, die sich gegen die Römer erhob, ward L. zerstört; bald aber erstand es wieder. Unter den Angelsachsen hieß es Lundenburg oder Lundenwic, war Bischofsitz und Hauptstadt der Könige von Essex. Gegen das Ende des 8. Jahrh. wurde es viermal durch Feuersbrünste fast ganz zerstört und im 9. Jahrh. zweimal von