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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Löwengolf; Löwenhaupt; Löwenklau; Löwenmaul; Löwenorden; Löwenritter; Löwenstein

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Löwengolf - Löwenstein.

Löwengolf (franz. Golfe du Lion, bei den Römern Mare Gallicum), große Bucht des Mittelländischen Meers, an der südöstlichen Küste Frankreichs, zwischen dem nordöstlichsten Kap Spaniens, Cabo de Creus, und den Hyèrischen Inseln. Die Küste ist im westlichen Teil, bis zur Rhônemündung, flach und sandig und besteht aus sich aneinander reihenden flachen Kurven. Hinter den begleitenden Dünen liegen langgestreckte Lagunen (Etangs), welche durch enge Kanäle (Graus) mit dem Meer in Verbindung stehen. Sandbänke und heftige Nordstürme hindern die Schifffahrt. Vom Kap Couronne an wird die Küste steil und felsig, das Meer tief. Zuerst öffnet sich der Golf von Marseille mit den Inseln If, Ratoneau etc.; dann folgen das Kap Bec d'Aigle und die Reede von Ciotat, weiterhin die Reede von Toulon. Die wichtigsten Städte am L. sind: Toulon, Marseille, Cette und Agde. S. Karte "Frankreich".

Löwenhaupt (Lewenhaupt, Leionhufwud), Adam Ludwig, Graf von, schwed. General, geb. 15. April 1659 im Lager vor Kopenhagen, studierte in Lund, Upsala, Rostock und Wittenberg, trat sodann als Kornett in das von dem kurbayrischen General Bils Bielke zu Hamburg errichtete Regiment und machte den Krieg in Ungarn mit, nahm aber als Rittmeister seinen Abschied. Einige Zeit darauf wurde er Major in dem Hilfskorps, welches Karl XI. kraft eines Vertrags an die Holländer überließ. Als nach dem Ryswyker Frieden 1697 diese Truppen entlassen wurden, kehrte L. nach Schweden zurück. Beim Beginn des Nordischen Kriegs 1700 von Karl XII. zum Obersten ernannt, focht er in den Ostseeprovinzen, blieb daselbst, als der König nach Polen zog, siegte über das russisch-litauische Heer bei Jakobstadt (1704) und Gemauerthof (1705) und wurde 1706 zum Generalleutnant und Gouverneur von Liv- und Kurland befördert. 1708 vereinigte er sich mit Karl XII., nachdem er sich mit 16,000 Mann unter großen Verlusten durch die Russen unter Menschikow bei Liesna und Wörden in der Ebene von Severien geschlagen, 23. Okt. zu Rukowa. Nach der unglücklichen Schlacht bei Poltawa, welcher L. als General der Infanterie beiwohnte, und deren Verlust besonders seiner Feindschaft mit Renskiöld beizumessen war, suchte er den Rest der Armee zu retten, mußte aber aus Mangel an Nahrung und Geschützen am Dnjepr 12. Juli 1709 eine Kapitulation unterzeichnen, nach welcher er selbst und der unter seinem Oberbefehl stehende Rest seines Heers sich als Kriegsgefangene an die Russen ergaben. Er starb, von der Königin Ulrike Eleonore zum Reichsrat ernannt, in der Gefangenschaft 12. Febr. 1719.

Löwenklau, s. v. w. Bärenklau, s. Acanthus.

Löwenmaul, Pflanzengattung, s. Antirrhinum; gelbes L., s. v. w. Linaria vulgaris.

Löwenorden, 1) Badischer, s. Zähringer Löwenorden -

2) Belgischer L., s. unten: Niederländischer L. -

3) Braunschweigischer L., s. Heinrichs des Löwen Orden. -

4) Kurfürstlich hessischer L., Zivil- und Militärverdienstorden, gestiftet 14. Aug. 1770 vom Landgrafen Friedrich II. mit einer Klasse und 41 Rittern; 1818 erweitert zu vier Klassen, mit neuem Statut von 1851 und 1876 unter die "großherzoglich hessischen Orden" aufgenommen. Der Orden hat jetzt eine Klasse und ist für die volljährigen Mitglieder des Gesamthauses bestimmt. Die Dekoration besteht in einem ovalen goldenen Ring, in dessen Mitte der goldene Löwe steht, umgeben von der Devise: "Virtute et fidelitate" ("Für Tapferkeit und Treue"); die Rückseite zeigt die Worte: "Fridericus II Dei gratia Hassiae Landgravius instituit 1770"; dazu kommt ein achtstrahliger Silberstern mit lasurnem Schilde, dem hessischen Löwen und dem Wahlspruch. Das Band ist karmesinrot. -

5) Nassauischer und königlich niederländischer Hausorden vom goldenen Löwen, 29. Jan., resp. 16. März 1858 gemeinschaftlich vom Herzog Adolf von Nassau und König Wilhelm III. der Niederlande gestiftet und nur aus einer Klasse bestehend, ward gemeinschaftlich oder einzeln von den Chefs der beiden Häuser verliehen. Der Orden hat fünf Klassen. Die Dekoration ist ein weiß emailliertes Kreuz mit vier goldenen N zwischen den Flügeln. Der blaue Mittelschild zeigt im Avers den Löwen, auf dem Revers die Devise: "Je maintiendrai". Der achtstrahlige silberne Stern der Großkreuze, ebenso der vierstrahlige der zweiten Klasse hat den gleichen Mittelschild; die Ritter dritter Klasse tragen den Orden am Band mit Rosette, die vierte und fünfte Klasse ohne Rosette, je kleiner. Das Band ist orange mit blauen Randstreifen. Für Nassau erlosch der Orden 3. Okt. 1866. -

6) Niederländischer L., gestiftet vom König Wilhelm II. 29. Sept. 1815 als Zivilverdienstorden, hat drei Klassen: Großkreuze, Komture und Ritter, dazu Brüder (für Proben der Humanität). Die Dekoration besteht in einem weiß emaillierten Kreuz mit vier goldenen W zwischen den Flügeln und im Avers des blauen Mittelschildes mit dem Wahlspruch: "Virtus nobilitat" ("Tugend adelt"), auf dem Revers den goldenen Löwen. Das Band des Ordens ist blau mit Orangestreifen. Die Großkreuze tragen außer dem Kreuz einen goldenen Stern, auf welchem das Ordenszeichen liegt, die Komture die Dekoration um den Hals und auf der Brust ein goldenes Kreuz mit Krone, die Ritter das Kreuz im Knopfloch, die Brüder eine silberne Medaille. Diese erhalten eine Pension von 200 Gulden. S. Tafel "Orden", Fig. 15.

Löwenritter, s. Löwenbund.

Löwenstein, Grafschaft des ehemaligen schwäb. Kreises, zwischen dem Herzogtum Württemberg und der Grafschaft Hohenlohe, jetzt zu den Oberämtern Backnang und Weinsberg im Neckarkreis des Königreichs Württemberg gehörig, 140 qkm (2½ QM.) groß. Die Grafschaft gehörte bis 1277 einem Zweig der Grafen von Kalw, kam durch Kauf 1281 an Rudolf von Habsburg, der sie 1282 seinem natürlichen Sohn Albrecht übertrug. Der letzte von dessen Nachkommen, Heinrich, verkaufte 1441 die Grafschaft an den Kurfürsten Friedrich I., den Siegreichen, von der Pfalz, der sie hierauf seinem natürlichen Sohn Ludwig überließ, welcher vom Kaiser Maximilian I. 1494 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde. Ludwigs Enkel Ludwig III. brachte durch Heirat die Grafschaften Wertheim, Rochefort und Montaigne sowie die Herrschaften Breuberg, Herbemont und Chassepierre an sein Haus und nannte sich Graf von L.-Wertheim. Seine Söhne Christoph Ludwig und Johann Dietrich gründeten die beiden noch blühenden Linien: L.-Wertheim-Virneburg oder die evangelische (ältere) Linie, seit 1803 L.-Wertheim-Freudenberg, und L.-Wertheim-Rochefort oder die katholische (jüngere) Linie, jetzt L.-Wertheim-Rosenberg. Die letztere wurde 1711 reichsfürstlich und erhielt 1713 Sitz und Stimme auf der Reichsfürstenbank; die erstere wurde 1812 vom König von Bayern gefürstet. In der Napoleonischen Zeit wurden beide Linien mediatisiert. Ihre Besitzungen, welche auf bayrischem, württembergischem, badischem und hessischem Gebiet liegen, sind die Grafschaften L. und Wertheim und die Herrschaft Trie-^[folgende Seite]