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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ludditen; Lude, Le; Lüdecke; Ludelbirne; Luden; Lüdenscheid; Lüder; Luderhütte; Lüderitz; Lüders; Lueder

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Ludditen - Lüders.

Ludditen, in England die Zerstörer der Maschinen in Fabrikstädten (besonders in Sheffield), so genannt nach ihrem ersten Anführer, welcher Ludd hieß.

Lude, Le (spr. lühd), Stadt im franz. Departement Sarthe, Arrondissement La Flèche, am Loir und der Eisenbahn von Aubigné nach La Suze, hat ein Schloß im Renaissancestil und (1881) 2887 Einw., welche Weberei, Papierfabrikation und Gerberei betreiben.

Lüdecke, Karl Johann, Architekt, geb. 1826 zu Stettin, erhielt seine künstlerische Ausbildung an der Bauakademie in Berlin unter Stier und Stüler, wurde dann bei mehreren Bauten in Pyritz (Regierungsbezirk Stettin), Schulpforta und Pasewalk beschäftigt, 1836 zum Lehrer an der Kunst- und Baugewerkschule zu Breslau und 1856 zum Baurat ernannt. In Schlesien führte er zahlreiche kleinere und größere Bauten aus, unter andern die 1867 vollendete Neue Börse in Breslau, ein reichverziertes Werk gotischen Stils, ferner die Rathäuser in Striegau und Leobschütz sowie mehrere Schlösser. In Düsseldorf trug er bei der Konkurrenz für das Gebäude des "Malkastens" den ersten Preis davon. Das 1871 abgebrannte Stadttheater zu Breslau errichtete er nach den Entwürfen von Langhans. Er war eine Zeitlang Direktor der Kunstschule in Breslau.

Ludelbirne, s. v. w. Pulverflasche; Ludelfaden, s. v. w. Zündschnur; Ludelnadel, Räumnadel für das Zündloch.

Luden, Heinrich, Geschichtschreiber: geb. 10. April 1780 zu Loxstedt im Regierungsbezirk Stade, besuchte die Domschule zu Bremen, widmete sich zu Göttingen theologischen und historischen Studien, war dann Hauslehrer bei dem Staatsrat Hufeland in Berlin, kehrte hierauf nach Göttingen zurück und schrieb die Biographien von Chr. Thomasius (1805), Hugo Grotius (1806) und Sir William Temple (1808). 1806 ward er als außerordentlicher Professor der Geschichte nach Jena berufen, 1808 zum Honorarprofessor und 1810 zum ordentlichen Professor der Geschichte ernannt. 1820 trat er als Deputierter in die Landstände des Großherzogtums Weimar-Eisenach ein und blieb bis 1832 eins der thätigsten Mitglieder. Er starb 23. Mai 1847. L. gehörte zu den Männern, welche die Ideen des Zeitgeistes würdigen; freisinnig und gerechtigkeilsliebend, war er begeistert für alles Wahre und Gute. In der Geschichte fand er eine untrügliche Bildnerin des sittlichen und politischen Lebens. Ein namhaftes Verdienst um die Geschichtswissenschaft in Deutschland erwarb er sich dadurch, daß er ihre Auffassung geistig belebte und der Darstellung derselben eine edlere und geschmackvollere Form verlieh. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Kleine Aufsätze meist historischen Inhalts" (Götting. 1808, 2 Bde.); "Ansichten des Rheinbundes" (das. 1808, 2. Aufl. 1809); "Einige Worte über das Studium der vaterländischen Geschichte" (Jena 1809, neue Aufl. 1828); "Handbuch der Staatsweisheitslehre oder der Politik" (das. 1811); "Handbuch der allgemeinen Geschichte der Völker und Staaten des Altertums" (das. 1814, 3. Aufl. 1824) und "Allgemeine Geschichte der Völker und Staaten des Mittelalters" (das. 1821-22, 2 Bde.; 2. Aufl. 1824); "Nemesis, Zeitschrift für Politik und Geschichte" (Weim. 1814-18, 12 Bde.); "Allgemeines Staatsverfassungsarchiv" (das. 1816, 3 Bde.); "Geschichte des deutschen Volkes" (Gotha 1825-37, 12 Bde.), sein Hauptwerk, nur bis 1237 reichend, das seiner Zeit bedeutenden Wert hatte, aber wegen seiner nüchternen rationalistischen Auffassung des deutschen Mittelalters sehr angefochten wurde und jetzt infolge der großen Fortschritte der historischen Forschungen veraltet ist; "Geschichte der Teutschen" (das. 1842-43, 3 Bde.). Auch lieferte er zahlreiche Rezensionen zur "Jenaischen Litteraturzeitung". Aus seinem Nachlaß erschienen: "Rückblicke in mein Leben" (Jena 1847). Vgl. Schäfer, Heinrich L., akademische Festrede (1880). - Sein Sohn Heinrich L., geb. 9. März 1810 zu Jena, ward 1844 ordentlicher Professor der Rechte, 1845 Oberappellationsgerichtsrat daselbst und starb 23. Dez. 1880. Er veröffentlichte außer einer Übersetzung von Romagnosis "Genesi del diritto penale" (Jena 1833, 2 Bde.) die Monographien: "Über den Versuch des Verbrechens" (Götting. 1836) und "Über den Thatbestand des Verbrechens" (das. 1840) sowie das unvollendete "Handbuch des deutschen gemeinen und partikularen Strafrechts" (Jena 1842-47, Bd. 1).

Lüdenscheid, Fabrikstadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Kreis Altena, auf dem Bergrücken zwischen Lenne und Volme und an der Linie Hagen-L. der Preußischen Staatsbahn, 420 m ü. M., hat eine evang. Kirche und eine kath. Kapelle, ein Realprogymnasium, ein Amtsgericht, eine Handelskammer, eine Reichsbanknebenstelle, bedeutende Metallknopf-, Medaillen-, Schnallen-, Polsternägel- und Harmonikabeschlägefabrikation, Fabriken in Zinnwaren, wie Löffel, Kaffee- und Theeservice, Tafelaufsätze, Stock- und Regenschirmbeschläge, Walzwerke für Messing und Tombak, Eisengießerei und Maschinenfabrikation, bedeutende Eisen- und Kurzwarenhandlungen und (1885) 15,067 meist evang. Einwohner.

Lüder, linksseitiger Nebenfluß der Fulda, entspringt am Vogelsgebirge, fließt in nordöstlicher Richtung und mündet unterhalb Fulda.

Lueder, Karl, Rechtslehrer, geb. 2. Sept. 1834 zu Celle, studierte in Göttingen, Berlin und Paris, habilitierte sich 1861 in Halle, wurde 1867 außerordentlicher Professor in Leipzig und wirkt seit 1874 als ordentlicher Professor an der Universität Erlangen. Er schrieb: "Grundriß zu Vorlesungen über deutsches Strafrecht" (2. Aufl., Erlang. 1877); "Die Genfer Konvention" (das. 1876; auch französische Ausgabe); "Recht und Grenzen der Humanität im Krieg" (das. 1880); "Grundriß zu Vorlesungen über deutsches Strafprozeßrecht" (das. 1881).

Luderhütte, s. Schießhütte.

Lüderitz, Franz Adolf Eduard, Großkaufmann, geb. 16. Juli 1834 zu Bremen, erlernte seit 1851 in dem väterlichen Haus das Tabaksgeschäft, bereiste 1854 bis 1859 Nordamerika, übernahm nach dem 1878 erfolgten Tod seines Vaters die Leitung des Hauses und wandte sich dann sehr bald mit großer Energie überseeischen Unternehmungen zu. Nachdem er 1881 eine Faktorei in Lagos gegründet hatte, erwarb er 1883 Angra Pequena (s. d.) und das dahinterliegende Gebiet, nach ihm Lüderitzland genannt, das 1884 unter deutschen Schutz gestellt und von ihm 1885 an ein Konsortium abgetreten wurde, bei dem er sich mit einem Sechstelanteil beteiligte. Um die Frage der Schiffbarkeit des Oranjeflusses festzustellen, begab sich L. Mitte 1886 nach Südafrika, befuhr den Unterlauf des Flusses mit einem kleinen tragbaren Boot, versuchte vergeblich die Barre zu forcieren und trat dann 20. Okt. in einem kleinen offenen Fahrzeug von der Alexanderbai die Fahrt nach Angra Pequena an; seitdem fehlt jede Kunde von ihm, so daß er zweifellos auf dem Meer verunglückt ist.

Lüders, Alexander Nikolajewitsch von, russ. General, geb. 1790 in Rußland aus einer ursprünglich deutschen Familie, trat 1805 in die russische