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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ma foi!; Mafia; Mafra; Maftir; Magadīno; Magadis; Magalhães; Magallanes; Magangué; Magasin; Magazīne

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Mafia - Magazine.

Mafia (Monfia), Insel an der afrikan. Ostküste, gegenüber dem Delta des Lufidschi, zu Sansibar gehörig, ist von Korallenbänken umgeben, 50 km lang und 12-13 km breit. Die Eingebornen, Suaheli, treiben Baumwollbau und Kaurimuschelfischerei.

Mafia, ein Geheimbund in Sizilien, wie die Camorra (s. d.) in Neapel, der das Räuberwesen und die Verletzung der Gesetze förmlich organisiert hat. Sie ist entstanden aus den "Compagnie d'armi", welche die Regierung um 1800 selbst zur Aufrechthaltung der öffentlichen Sicherheit aus räuberischem Gesindel bildete, als dieses in der Folge der Auflösung der sozialen Verhältnisse des alten Feudalstaats allzusehr zugenommen hatte, und welche nun selbst das Räuberhandwerk betrieben und namentlich den Grundbesitzern für die Garantie ihrer Sicherheit große Summen abpreßten. Das Unwesen hörte nicht auf, als Garibaldi 1860 die Compagnie d'armi auflöste, und die M. gilt in Sizilien bis heute für eine mächtige Genossenschaft, vor der sich namentlich das niedere Volk mehr fürchtet als vor den Gerichten. Die Mitglieder, Mafiosi genannt (sie selbst nennen sich Giovani d'onore, ehrenhafte Jünglinge), während die mit der Ausführung der Gewaltthaten Beauftragten Malandrini (schlechte Kerle) heißen, verpflichten sich, für jede Unbill selbst Abhilfe zu suchen und niemals vor Gericht Zeugnis abzulegen, haben bei ihrer Aufnahme eine Probe ihrer Ehrenhaftigkeit und ihres Muts durch einen Messerzweikampf abzulegen und erlangen dann Anteil an der Herrschaft und den Einkünften. Räubereien und Morde werden möglichst vermieden und geschehen meist nur aus Rache an Verrätern; dagegen schützen sie von der Polizei oder den Gerichten Verfolgte, unterstützen oder betreiben selbst den einträglichen Schmuggel, organisieren Streiks oder willkürliche Preiserhöhungen u. dgl. und wollen vor allem herrschen. Jeder Grundbesitzer in Sizilien ist genötigt, seiner eignen Sicherheit halber sich unter den Schutz der M. zu stellen, Mafiosi als Feldwächter, Gärtner etc. in seinen Dienst zu nehmen; dann ist er unbedingt geschützt, während er unfehlbar der Vendetta anheimfällt, wenn er einen Mafioso der Behörde verrät oder sonst straft und schädigt. Die M. steht unter Häuptlingen, deren Befehle streng befolgt werden. Alle Anläufe, welche die italienische Regierung 1875 durch eine außerordentliche Kommission und 1876 unter Nicotera durch einen energischen Präfekten machte, waren der festbegründeten Macht der M. im Volk gegenüber erfolglos. Vgl. Umilta, Camorra e M. (Neuchât. 1878); Alongi, La M. (Turin 1887).

Ma foi! (franz., spr. fŏa), "meiner Treu'!"

Mafra, Stadt in der portug. Provinz Estremadura, Distrikt Lissabon, mit (1878) 3020 Einw., Marmorbrüchen und berühmtem, von König Johann V. von 1717 bis 1731 erbautem Klosterpalast, dem portugiesischen Escorial, einem kolossalen Viereck von 240 m Länge und 210 m Breite, mit 5200 Fenstern und 866 Gemächern. Die die Mitte einnehmende, ganz aus Marmor erbaute Kirche ist von einer imposanten Kuppel überwölbt und an der Hauptfassade mit zwei 68 m hohen Glockentürmen versehen, auch mit 58 Marmorstatuen geziert. Das eigentliche, früher dem Franziskanerorden gehörige Kloster enthält 300 gewölbte Zellen und eine Bibliothek von 30,000 Bänden. Das Gebäude dient jetzt hauptsächlich als Kaserne und Militärschule.

Maftir, s. Sidra.

Magadīno, Ort im schweizer. Kanton Tessin, am Oberende des Lago Maggiore (197 m ü. M.) und zwar am Rande der durch die Arme des Ticino verursachten Deltasümpfe gelegen, Station der Gotthardbahn (Linie Bellinzona-Luino), mit (1880) 943 Einw., bildete sonst den Landungsplatz der die Berg- und Thalfahrt wechselnden Güter und Personen, ist aber ein Fiebernest, welches der Reisende ohne längern Aufenthalt zu passieren pflegt.

Magadis, ein der Harfe ähnliches Saiteninstrument der alten Griechen mit gegen 40 Saiten.

Magalhães (spr. machaljāngs), 1) Fernando de, Seefahrer, s. Magelhaens.

2) Domingo José Gonçalves, brasil. Staatsmann, Philosoph und Dichter, geb. 13. Aug. 1811 zu Rio de Janeiro, bereiste von 1833 ab Europa, ward 1836 der Gesandtschaft in Paris beigegeben, 1838 zum Professor der Philosophie in Rio de Janeiro ernannt, trat dann wieder in den diplomatischen Dienst und wurde brasilischer Gesandter zu Turin, von wo er im August 1859 in gleicher Eigenschaft nach Wien ging. 1867-71 war er Gesandter in Washington, seitdem lebt er wieder in Brasilien. War er in seinen "Poesias" (Rio de Janeiro 1832) noch portugiesischen Vorbildern gefolgt, so schlug er in seinen "Suspiros poeticos" (Par. 1836, 2. Aufl. 1859) die Richtung ein, auf der fortschreitend er in der Folge zum Haupte der nationalen Dichterschule Brasiliens wurde. Unter dem Einfluß der französischen Romantik geschrieben sind: das philosophische Gedicht "Mysterios" und die erotischen Gedichte "Urania" (Wien 1862). Von seinen Dramen machten am meisten Glück: "Antonio José" (1839) und "Olgiato" (1841); von seinen Epen wurde am bekanntesten: "A confederação dos Tamoyos" (Rio de Janeiro 1857), nach den alten Traditionen abgefaßt. Seine "Factos do espirito humano" (Par. 1858) sind das erste von einem Brasilier geschriebene philosophische Werk. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien in 8 Bänden (Par. 1864-65).

Magallanes (spr. -galjānes), Territorium des südamerikan. Staats Chile, südlich von Chiloe, besteht aus der Südspitze und dem westlich der Kordillere liegenden Teil Patagoniens nebst einem Teil des Feuerlandes und umfaßt im ganzen 171,000 qkm (3106 QM.). Die europäische Bevölkerung wurde 1882 auf 1291 Seelen geschätzt. Hauptstadt und einzige europäische Niederlassung ist Punta Arenas (s. d.).

Magangué (spr. -gé), Stadt im Staat Bolivar der südamerikan. Republik Kolumbien, malerisch am schiffbaren Cáuca gelegen, 20 km oberhalb dessen Mündung in den Magdalenenstrom, 55 m ü. M., hat besuchte Jahrmärkte, Ausfuhr von Gold und Kautschuk und (1870) 3460 Einw.

Magasin (franz., spr. -säng), Magazin, Lager; daher Magasinage, das Lagern in einem solchen, auch s. v. w. Lagergeld, Lagerzeit. Magasins généraux, s. v. w. Lagerhäuser, in welchen Waren gegen Lagerscheine (s. d.) hinterlegt werden können.

Magazīne (arab. machsan, "Vorratshaus"), Warenlager, Vorratshäuser oder größere Aufbewahrungsbehältnisse, besonders für Getreide, wurden früher unterhalten, um in Zeiten des Mißwachses der Teurung und Hungersnot vorzubeugen, dienen jetzt aber nur noch den Bedürfnissen des Handels und den lokalen Verhältnissen. Die Gebäude oder Speicher mit mehreren übereinander liegenden, etwa 2 m hohen Böden müssen an trocknen, luftigen Orten, möglichst feuersicher angelegt werden. Das gut gereinigte Getreide wird gewöhnlich direkt auf den sorgfältig gedielten und sehr dichten Fußboden geschüttet, muß aber im Sommer alle zwei, im Winter alle vier Wochen umgewendet werden, damit es