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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Magnesiumchlorid - Magneteisenerz.

gewicht 24, läßt sich hämmern und walzen, aber nicht zu Draht ausziehen (der Magnesiumdraht des Handels ist gepreßt), schmilzt etwa so leicht wie Zink, wird aber nur teigig und läßt sich daher schlecht formen; es siedet bei etwas über 1000°, ist destillierbar, hält sich in trockner Luft unverändert, läuft allmählich in feuchter Luft an, doch beschränkt sich die Oxydation auf die obern Schichten; oberhalb seines Schmelzpunktes entzündet es sich an der Luft und verbrennt unter Ausstoßung von dichtem weißen Dampf von Magnesiumoxyd und mit blendend bläulichweißem Licht, welches sehr reich an chemisch wirksamen Strahlen ist, und dessen Intensität in reinem Sauerstoff die einer Kerzenflamme um mehr als das Hundertfache übertrifft. Um zehn Stunden lang ein Licht von 74 Stearinkerzen (von denen 10 auf 1 kg gehen) zu erzeugen, muß man 72,2 g M. an der Luft verbrennen. Magnesiumdraht läßt sich in der Spiritusflamme entzünden. M. verbindet sich beim Erhitzen mit Chlor unter Feuererscheinung, zersetzt siedendes Wasser lebhaft, entzündet beim Übergießen mit Salzsäure den sich entwickelnden Wasserstoff und fällt aus Metallsalzen Metalle (selbst Zink) oder Metalloxydhydrate. Das M. ist zweiwertig und bildet mit Sauerstoff das Magnesiumoxyd (Magnesia) MgO. Man benutzt M. in Form von schmalen Blechstreifen (Band) und als Pulver zu Signallichtern, auf Leuchttürmen und zur photographischen Aufnahme bei Ausschluß des Sonnenlichts. Für diese Zwecke sind Lampen konstruiert worden, welche das Magnesiumband oder das Pulver kontinuierlich einer kleinen Flamme zuführen. Der bei der Verbrennung sich entwickelnde Rauch von fein verteilter Magnesia wird in geschlossenen Räumen bald sehr lästig und muß abgeleitet werden. Magnesiumpulver findet auch in der Feuerwerkerei Verwendung und als Chathamlicht zu Signallichtern, indem man ein Gemisch von Magnesiumpulver und Harzpulver mittels eines Blasebalgs in eine Spiritusflamme bläst. Durch einen geringen Zusatz von M. werden Nickel und Kobalt schmiedbar und walzbar gemacht. Auch als Reduktionsmittel für analytische Zwecke wird M. benutzt. Legierungen des Magnesiums sind ebenfalls zu Beleuchtungszwecken dargestellt worden. Verwendet man in der Messingfabrikation statt Galmei Dolomit, so entsteht eine messingähnliche Kupfermagnesiumlegierung. Schwefelsaure Magnesia wurde zu Ende des 17. Jahrh. bekannt, zu Ende des 18. Jahrh. kam kohlensaure Magnesia als Heilmittel in Anwendung, und 1755 unterschied Black die Magnesia als eigentümliche Erde, worauf dieselbe 1775 von Bergman genauer untersucht wurde. M. wurde zuerst von Davy dargestellt, Buff und Liebig stellten M. mittels Kaliums dar, Bunsen gewann es durch Elektrolyse, und Caron und Deville begründeten die Magnesiumindustrie.

Magnesiumchlorīd (Chlormagnesium) MgCl2 ^[MgCl_{2}] findet sich in Verbindung mit andern Chloriden in mehreren besonders in den Staßfurter Abraumsalzen vorkommenden Mineralien, gelöst im Meerwasser, in Mineralquellen und Salzsolen; es entsteht beim Lösen von kohlensaurer Magnesia in Salzsäure und wird in großen Mengen bei der Verarbeitung der Staßfurter Abraumsalze, beim Ammoniaksodaprozeß und auf Meeressalinen als Nebenprodukt gewonnen. Es ist farblos, bildet schwierig Kristalle mit 6 Molekülen Kristallwasser, schmeckt scharf und bitter, zerfließt schnell an der Luft und löst sich leicht in Wasser und Alkohol; beim Erhitzen verliert es Wasser und Salzsäure. Verdampft man aber eine mit Salmiak versetzte Lösung zur Trockne und erhitzt, so erhält man reines, wasserfreies M. als weiße kristallinische, durchscheinende, zerfließliche Masse, welche beim Erhitzen schmilzt, im Wasserstoffstrom destillierbar ist, mit überhitztem Wasserdampf Salzsäure und bei Gegenwart von Braunstein Chlor entwickelt. Rührt man eine 30proz. Lösung von M. mit dichter gebrannter Magnesia an, so entsteht eine feste Masse (Sorelscher Zement, s. Zement). Aus Lösungen von M. fällt man mit Soda kohlensaure Magnesia. Kaliummagnesiumchlorid KMgCl3+6H2O ^[KMgCl_{3}+6H_{2}O] findet sich in der Natur als Carnallit (s. d.), kristallisiert aus der Mutterlauge der Salzsolen und des Meerwassers in der Kälte, zersetzt sich an feuchter Luft, indem Chlormagnesium abfließt, und aus der Lösung in heißem Wasser kristallisiert Chlorkalium. M. dient zur Darstellung von Magnesium und Magnesia für feuerfeste Waren, zu Zementen, zur Appretur baumwollener Gewebe, zum Besprengen von Straßen, um dieselben staubfrei zu erhalten, als Feuerlöschmittel, zum Karbonisieren der Wolle, zum Füllen von Gasuhren, als Wärmeträger bei Zentralheizungen (Tekterion), zur Desinfektion, zur Reinigung von Abfallwassern etc.; der Carnallit wird auf Kalisalze verarbeitet.

Magnesiumhydroxyd, s. Magnesia.

Magnesiumlegierungen, s. Magnesium.

Magnesiumoxyd, s. Magnesia.

Magnesiumoxydhydrat, s. Magnesia.

Magnesiumsalze, s. Magnesiasalze.

Magnēt, Stahl oder eine eisenhaltige Masse, welche dauernd die Eigenschaft besitzt, eisenhaltige Massen anzuziehen; s. Magnetismus.

Magnētberge, nach alten indischen und chinesischen Sagen Berge aus reinem Magneteisen, die eine so starke Anziehungskraft äußern, daß sie niemand besteigen kann, welcher eiserne Nägel an seinen Schuhsohlen trägt, und welche, wenn sie im Meer liegen, den vorübersegelnden Schiffen alles Eisenwerk entziehen, so daß sie auseinander fallen. Schon Plinius berichtet diese Märchen vom Magnetberg am Indus; später kamen sie von neuem durch die mittelalterlichen Reisebeschreibungen von Maundeville u. a. nach Europa und wurden in der Dichtung, z. B. im "Gudrunlied" und in der "Goldenen Schmiede" von Konrad von Würzburg, verwertet. An den wirklichen Magnetbergen, wie sie auf Elba, San Domingo und an andern Orten vorkommen, spürt man von allen diesen Wunderwirkungen nichts. Vgl. Peschel, Der Magnetberg (in den "Abhandlungen zur Erd- und Völkerkunde", Bd. 1, Leipz. 1877).

Magnēteisenerz (Magnetīt), Mineral aus der Ordnung der Anhydride, kristallisiert tesseral, findet sich auf- und eingewachsen, in Drusen, meist derb in körnigen bis fast dichten Aggregaten, eingesprengt, auch in losen Körnern als Magneteisensand, ist eisenschwarz, metallglänzend, undurchsichtig, meist magnetisch, oft polarisch, Härte 5,5-6,5, spez. Gew. 4,9-5,2, besteht aus Eisenoxyduloxyd Fe(Fe2)O4 ^[Fe(Fe_{2})O_{4}] mit 72,4 Proz. Eisen, zuweilen mit wenig Titaneisen. Das M. ist ziemlich verbreitet, besonders findet es sich in den plutonischen und vulkanischen Gesteinen, in Granit, Syenit, Gneis, Grünstein, Chlorit- und Talkschiefer, Diabas, Serpentin, Dolerit, auch in Marmor, meist auf Lagern, zuweilen als selbständige Felsart, im Fluß- und Meersand, im aufgeschwemmten Land. Es gehört zu den wichtigsten Mineralien für die Eisengewinnung und ist besonders für Norwegen, Schweden, Rußland und Nordamerika wichtig, weniger für Deutschland und Österreich (Sachsen,