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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mahr; Mahratten; Mähren

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Mahr - Mähren.

Mahr (Nachtmahr), nächtlicher Unhold, der den Menschen plagt, gleichbedeutend mit Alp (s. d.) oder Vampir (s. d.).

Mahratten, Volk, s. Marathen.

Mähren (tschech. Morava), Markgrafschaft und Kronland der österreich. Monarchie, wird nördlich von Preußisch- und Österreichisch-Schlesien, östlich von Ungarn, südlich von Ungarn und Niederösterreich, westlich von Böhmen begrenzt und umfaßt 22,224 qkm (403,6 QM.). S. Karte "Böhmen, Mähren etc."

[Physische Beschaffenheit.] Das Land ist im W., N. und O. von Randgebirgen eingeschlossen und hat am hercynisch-sudetischen Hochland sowie an den Karpathen Anteil. Mit Ausnahme der Oder fließen seine Gewässer, wie in Böhmen (nur in entgegengesetzter Richtung), einem einzigen Ausgang zu. Man unterscheidet vier Erhebungszonen: 1) den böhmisch-mährischen Höhenzug, welcher aus kristallinischem Schiefer besteht und drei Terrassen bildet, die südliche mährisch-österreichische Terrasse, welche nördlich bis zur Thaya reicht, die mittlere mährische Terrasse, welche sich mit zahlreichen Kuppen bis zur Schwarzawa hinzieht, im Mittel 485 m hoch ist, im Iglauer Bergland aber die größte Höhe erreicht (Jaworschitze 836 m, Kaiserstein 810 m, Hradisko 769 m), und die niedrigere nördliche mährische Terrasse, welche sich bis zum Oberlauf der March erstreckt und in dem zerklüfteten Gebirge um Blansko (Hornberg 657 m) die berühmten Slouper Höhlen und den Erdfall Mazocha (s. d.) enthält; 2) die Sudeten im N., welche im äußersten Nordwesten mit dem Glatzer Bergland (Großer oder Spieglitzer Schneeberg 1417 m) nach M. hereinreichen, sodann von der Marchquelle bis zur Oder sich als mährisch-schlesisches Gesenke mit den höchsten Erhebungen des Landes hinziehen (Altvater 1487 m, Köpernikstein 1417 m, Hohe Heide 1400 m) und sich nach SO. zum Odergebirge abflachen (Rothberg 745 m). Jenseit des Sattels, zwischen March und Oder, erheben sich 3) die Karpathen mit dem an der ungarischen Grenze gelegenen Weißen Gebirge oder der Miavagruppe (Wysoka 1020 m, Javornik 1013 m) und deren Seitenästen (Keltscher und Bistritzer Gebirge 857 m, Hostein 731 m, Zapp 837 m), dann den Bieskiden im nordöstlichen Teil des Landes (Kniehyna 1252 m, Smrk 1339 m, Radhoscht 1135 m). Wichtige Pässe sind in den Sudeten der Spornhauer Paß, in den Karpathen der Lissa- und Wlarapaß. Isoliert steigt im S. der fruchtbaren Hanna 4) das Marsgebirge (Hrad 534 m) auf und südlich von der Thaya die Gruppe der Polauer Berge (544 m). Unter den Thälern sind die bedeutendsten: das Marchthal, welches mit der fruchtbaren Niederung der Hanna und dem Thayathal in Verbindung steht, dann das Oderthal ("Kuhländchen"). Der größte Teil des Landes (an neun Zehntel) gehört dem Gebiet der March und also dem Donaugebiet an. Der Hauptfluß ist die March, welche vom Spieglitzer Schneeberg kommt, aber erst von Göding an schiffbar wird. Ihre wichtigern Nebenflüsse sind rechts: Sazawa, Hanna und vorzüglich die Thaya, die den ganzen Süden des Landes durchfließt und die Iglawa, welcher die aus der Vereinigung der Schwarzawa und Zwittawa entstehende Schwarza zugegangen ist, aufnimmt; links: die Betschwa und Olsawa. Die in M. entspringende Oder bildet streckenweise die Grenze gegen Österreichisch- und Preußisch-Schlesien und nimmt rechts die Ostrawitza auf. Seen hat M. keine, dagegen viele Teiche, die größten an der Südgrenze bei Eisgrub. Von den mehr als 50 Mineralquellen sind beachtenswert: die warme Schwefelquelle zu Ullersdorf im Teßthal und die Kochsalzquellen von Luhatschowitz. Außerdem ist Roznau (mit Molkenheilanstalt) ein besuchter Kurort. Das Klima ist im allgemeinen mild, doch besteht zwischen dem gebirgigern Norden und dem Süden ein bedeutender klimatischer Unterschied; während hier der Wein gut gedeiht, kommt dort nicht selten der Hafer kaum zur Reife. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt zu Brünn 8,9° C., in Hochwald bei Mistek 7,8°, zu Iglau 9,5° C. Die jährliche Menge des Niederschlags ist in Brünn 50, in Hochwald 78 cm. Herrschender Wind ist der Nordwest.

[Bevölkerung.] Die Bevölkerung von M. betrug 1880: 2,153,407 Einw. und vermehrt sich im Durchschnitt um 0,59 Proz. im Jahr. Auf das QKilometer kommen 97 Bewohner. Der Nationalität nach ist die Bevölkerung überwiegend (mehr als 70 Proz.) slawischer Abkunft (Tschechen oder Mähren), doch gibt es auch viele Deutsche (über 29 Proz.). Nach der Religion sind über 95 Proz. Katholiken, gegen 3 Proz. Reformierte und Lutherische und 2 Proz. Juden im Lande. Die Deutschen leben an den Grenzen gegen Niederösterreich und Schlesien, sonst in verschiedenen Sprachinseln (um Iglau, Zwittau) und in allen Städten. Die Slawen teilt man in Hannaken (s. d.), Slowaken, Walachen, Podhoraken etc.; doch sind dies zumeist lokale Bezeichnungen. M. hat 3374 Ortschaften mit 300,936 bewohnten Häusern.

[Land- und Forstwirtschaft etc.] Die Landwirtschaft, die Hauptbeschäftigung der Bewohner, wird sehr rationell betrieben und durch die Fruchtbarkeit des Bodens und die klimatischen Verhältnisse recht begünstigt. Die Teilung des Grundbesitzes ist sehr vorgeschritten, da auf einen Grundbesitzer nicht ganz 5 Hektar Grundfläche kommen. Der Boden ist mit 56 Proz. Ackerland, 27 Proz. des Bodens sind Wald, 8 Proz. nehmen Wiesen und Gärten, 6 Proz. Weiden ein, ½ Proz. kommt auf Weingärten, 3 Proz. sind unproduktiv; kein andres Kronland hat verhältnismäßig so viel Ackerboden. Der fruchtbarste Teil des Landes ist die Hanna, dann folgen das Kuhländchen, das Marchthal und die Niederungen an der Thaya. Am meisten werden Roggen und Hafer gebaut, nächstdem Gerste und Weizen (zusammen beträgt die durchschnittliche Ernte 12 Mill. hl Kornfrüchte); außerdem werden viel Hülsenfrüchte (350,000 hl), Kartoffeln (11 Mill. hl), Zuckerrüben (10 Mill. metr. Ztr.), Futterrüben, Kraut, Klee, Flachs und Hanf sowie auch Anis, Fenchel, Senf und Mohn gebaut. Gemüse- und Obstbau sind von erheblicher Bedeutung; ersterer liefert unter anderm den berühmten Spargel von Eibenschitz, letzterer besonders Pflaumen zur Ausfuhr. Im mittlern Teil des Landes gewinnt man auch Kastanien. Guter Wein wird an den Hügeln von Znaim bis zur March hin, besonders um Bisenz, im ganzen auf einer Fläche von 15,000 Hektar gewonnen (Durchschnittsertrag 162,000 hl). Die niedrigen Bergzüge sind mit Laubholz (Eichen und Buchen), die höhern mit Nadelholz bestanden; beides gibt einen wichtigen Handelsartikel ab, der besonders nach Österreich geht, Die Weiden sind für Schafzucht sehr geeignet; im Gesenke und in den Bieskiden wird selbst eine Art Almwirtschaft mit veredelten Schafen und Kühen getrieben. Die mährische Wolle ist fein und sehr gesucht, und aus Schafmilch bereiteter, sogen. Brinsenkäse ist Ausfuhrartikel. Doch nimmt der Schafstand sehr ab (1880: 158,852 Stück). Die Rindviehzucht (677,807 Stück) wird am erfolgreichsten im Kuhländchen, die Pferdezucht (122,858