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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mamestra - Mammut.

und Paulus hier ihre letzten Tage, daher Papst Silvester I. auf Verlangen Konstantins das Gefängnis den beiden Aposteln weihte.

Mamestra, s. Eulen (Schmetterlinge), S. 907.

Mamiāni della Rovere, Terenzio, Graf, ital. Gelehrter und Staatsmann, geb. 1800 zu Pesaro in der Romagna, ward bei der 1831 dort ausgebrochenen politischen Bewegung Mitglied der provisorischen Regierung zu Bologna und deshalb nach dem Sieg der österreichischen Waffen aus dem Kirchenstaat verwiesen. Er begab sich nach Paris, wo er sich mit der Litteratur und philosophischen Studien beschäftigte. Infolge des Amnestiedekrets Pius' IX. vom 17. Juli 1846 nach Italien zurückgekehrt, schloß er sich von neuem der nationalen Bewegung an und ging Anfang 1848 nach Rom, wo er bald einer der einflußreichsten Volksmänner wurde. Am 3. Mai 1848 von Pius IX. zum Minister des Innern ernannt, geriet M. durch seine gemäßigte Haltung bei beiden Parteien, dem Papst und dem Volk, in Verdacht, trat schon Anfang August wieder aus und ging nach Turin, wo er mit Gioberti u. a. die Gesellschaft zur Vereinigung Italiens gründete und einer der drei Präsidenten derselben ward. Nach der Ermordung Rossis (15. Nov. 1848) kehrte er nach Rom zurück und übernahm für wenige Wochen in dem Ministerium Galetti das Portefeuille des Äußern. Als die Franzosen intervenierten, verließ er Rom wieder und wandte sich nach Genua. 1856 wählte ihn diese Stadt zum Abgeordneten des Parlaments in Turin, wo M. stets für die nationale Politik Italiens wirkte. Am 21. Jan. 1860 übernahm er im Ministerium Cavour das Portefeuille des Unterrichts. 1861 ging er als Gesandter nach Athen, 1865 nach Bern, kehrte 1867 nach Italien zurück und wurde zum Vizepräsidenten des Senats gewählt. Er starb 21. Mai 1885 in Rom. M. schrieb: "Rinnovamento della filosofia antica italiana" (Par. 1834; 2. Aufl., Flor. 1836); "Poeti dell' età media" (Par. 1842, 2. Aufl. 1848); "Dialoghi di scienza prima" (das. 1844); "Del papato" (das. 1851); "Scritti politici" (Flor. 1853); "Confessioni d'un metafisico" (das. 1865, 2 Bde.); "Teorica della religione et dello stato" (1868); "Prose letterarie" (Flor. 1867); "Compendio di sintesi della propria filosofiia ^[richtig: filosofia]" (Turin 1878); "Psicologia di Kant" (Rom 1877); "La religione dell' avvenire" (Mail. 1879); "Critica della rivelazione" (das. 1880); "Questioni soziali" (Rom 1882); "Novelle, favole e narrazioni" (Neapel 1883); "Il papato nei tre ultimi secoli" (Mail. 1885). In seiner Jugend veröffentlichte er auch "Poesie" (Par. 1843, Flor. 1857). Als Philosoph war M. neben Rosmini und Gioberti einer der thätigsten und anregendsten; wie diese hielt er an der Hoffnung auf eine Reform der katholischen Kirche und ihre Versöhnung mit der Wissenschaft fest. Vgl. Gaspari, vita di T. M. (1887).

Mammae (lat.), die Brüste.

Mammäa, röm. Kaiserin, Gemahlin des Gessius Marcianus, Mutter des Alexander Severus (s. Alexander 2) und Schwester der Soämis, der Mutter Caracallas, schützte ihren Sohn gegen die Nachstellungen des Heliogabal, regierte nach dessen Tod (222 v. Chr.) nebst ihrer Mutter Julia Mäsa für ihren Sohn und wurde 235 nebst diesem von den mit der Strenge des Kaisers und dem weiblichen Einfluß auf denselben unzufriedenen Truppen bei Mainz ermordet.

Mammalĭa (lat.), Säugetiere.

Mammēa L. (Mammeibaum), Gattung aus der Familie der Klusiaceen, Bäume in Amerika und Afrika, mit getüpfelten, gegenständigen Blättern ohne Nebenblätter und einzelnen Blüten in Achseln. M. americana L. ist ein hoher, schöner Baum Westindiens mit sehr kurz gestielten, ovalen, gegenständigen, fast fußlangen Blättern und großen, weißen oder hell rosafarbenen, sehr angenehm riechenden Blüten. Die gelben, bis 20 cm im Durchmesser haltenden Früchte (Mammeiäpfel, südamerikanische Aprikosen) sind sehr geschätzt und enthalten unter der lederigen, bitter schmeckenden Haut ein gelbes, gewürzhaft wohlschmeckendes Fleisch. In Zucker eingemacht, dienen sie als magenstärkendes Mittel. Die Samen sind als Wurmmittel im Gebrauch. Weingeist, mit den Blüten destilliert, gibt den Liqueur aux Créoles, den man in Westindien für das beste geistige Getränk hält. Das Holz dient zum Bauen und zu Schreinerarbeiten. Man kultiviert den Baum auch im tropischen Afrika und Asien.

Mammeiäpfel, s. Mammea.

Mammeliga, s. Mais.

Mammillarĭa Haw. (Warzenkaktus, Brustwarzendistel), Gattung aus der Familie der Kakteen, mit mehr oder minder rundem, keulen- oder säulenförmigem, fleischigem Stamm, der mit mehr oder minder erhabenen Warzen, die auf oder an der Spitze Wolle oder Stacheln tragen und in Winkeln zwischen den Warzen die Blüten produzieren, besetzt ist. Wenn die Blüten erscheinen wollen, erzeugt sich vorher ein Wollbüschel in den Achseln der Warzen. Die Blüten sind in der Regel klein, stehen einzeln oder in Kreisen um den Scheitel und sind meist rosenrot, auch gelb oder weiß. Die vielsamigen Beeren sind länglich, glatt, meist karminrot, schmecken süßlich und werden in der Heimat gegessen. Die Mammillarien sind meist in Mexiko heimisch. S. Tafel "Kakteen".

Mammon (aramäisch, "Schatz"), im Neuen Testament der Reichtum personifiziert und als Götze gedacht; daher Mammonsdiener, s. v. w. Geldmensch; Mammonismus, das beliebteste Schlagwort der Sozialdemokratie, womit sie die Übermacht des "Kapitals" zu bezeichnen pflegt.

Mammut (Mammont), nach den meisten Angaben (von den Russen) korrumpiert aus dem biblischen Behemoth, Elephas primigenius Blumenb., die wichtigste und häufigste Art fossiler Elefanten aus der diluvialen Zeit (s. Tafel "Diluvium"). Ihre Stoß- und Backenzähne sind wie die kolossalen Knochen denen der lebenden Elefanten, besonders des ostindischen, sehr ähnlich. Der Stoßzahn war indes noch größer, bis 7 m lang und über 30 cm im Querschnitt, bis 80 kg schwer, viel stärker und etwas nach der Seite hin gebogen. Auch wurde das M. noch etwas größer als der Elefant und war behaart. 1799 fand ein Tunguse einen im Eise vollständig erhaltenen Kadaver, dessen Fleisch von Hunden gefressen wurde. Als Adams 1806 denselben untersuchte, fand er noch den Augapfel und das Gehirn in den Höhlen, den Hals mit langer Mähne, den Körper mit steifen, schwarzen Grannen- und weichen, rötlichen Wollhaaren bedeckt. Der Kopf wog ohne Stoßzähne 200 kg. Das Tier war über 3 m hoch; sein Skelett steht in der Petersburger Sammlung. Die Knochen und Zähne des Mammuts finden sich fast überall mit denen eines Rhinozeros (Rhinoceros tichorrhinus), des noch lebenden hochnordischen Moschusochsen (Ovibos moschatus), des Höhlenbären und andrer Tiere über den ganzen Norden beider Hemisphären bis zu den Alpen und in Nordamerika bis in die mittlern Vereinigten Staaten verbreitet. Noch häufiger als in Nordsibirien und im polaren Amerika (Eschscholtzbai) lagern sie im gefrornen Bo-^[folgende Seite]