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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Marchettus von Padua - Märcker.

ihrer Übersiedelung nach Paris im letztgenannten Jahr. Sie hat auch eine "Praktische Gesangsmethode" sowie "Erinnerungen aus meinem Leben" (Wien 1877) veröffentlicht.

Marchettus von Padua, Musikgelehrter, lebte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. und wurde nächst Franco von Köln der namhafteste Verbesserer des Mensuralgesangs (s. d.), wie er auch die zu seiner Zeit noch im Kindheitsstadium befindliche Kunst des Kontrapunktes wesentlich gefördert hat. Von seinen Schriften teilt Gerbert im 3. Teil seiner "Scriptores ecclesiastici de musica" zwei Abhandlungen mit: "Lucidarium in arte musicae planae" (1274) und "Pomerium de arte musicae mensuratae" (1283 oder 1309), beide nach einem Manuskript der Ambrosianischen Bibliothek zu Mailand.

Marchfeld, Ebene in Niederösterreich, die sich am linken Ufer der Donau vom Bisamberg unweit Korneuburg etwa 50 km weit ostwärts bis zur Mündung der March und nordwärts 20 km weit bis gegen Bockfließ ausdehnt. Zur Hebung der mangelhaften Kulturverhältnisse des Marchfeldes, welches für die Versorgung Wiens mit Lebensmitteln große Bedeutung hat, ist eine rationelle Bewässerung und Kanalisierung desselben projektiert. - Das M. ist geschichtlich denkwürdig durch zwei nach demselben benannte Schlachten. Am 12. Juli 1260 schlug hier, bei dem Dorf Kroissenbrunn, 8 km nordwestlich von der Marchmündung, König Ottokar von Böhmen den König Bela IV. von Ungarn und eroberte Steiermark, welches seitdem bei Deutschland blieb. In der zweiten Schlacht, 26. Aug. 1278, bei Dürnkrut unweit der March, fiel derselbe Ottokar gegen Rudolf von Habsburg. Auch liegen auf dem M., Wien näher, die Schlachtfelder von Aspern und Wagram.

Marchi (spr. márki), Francesco, Kriegsbaumeister, geb. 1506 zu Bologna, diente erst dem Herzog Alessandro de' Medici von Florenz, dann dem Papst (1545 Befestigung Roms), später dem Herzog Ottavio Farnese von Parma (Leitung des Artilleriewesens, Befestigung von Piacenza); von 1559 an war er in Brüssel unter Margarete von Österreich, nach deren Rücktritt (1567) er in spanischen Diensten blieb. Er starb 1598. M. schrieb: "Della architettura militare libri tre" (Brescia 1599; Rom 1840, 4 Bde.).

Marchĭa (neulat.), Mark (s. v. w. Grenzbezirk).

Marchienne au Pont (spr. marschĭénn o póng), Marktflecken in der belg. Provinz Hennegau, Arrondissement Charleroi, an der Sambre und an der Eisenbahn von Charleroi nach Brüssel, mit Schloß, Eisenwerken, Gießerei, Steinkohlengruben, Fabrikation von Glas und chemischen Produkten, Industrieschule und (1885) 13,923 Einw.

Marchiennes (spr. marschĭénn), Stadt im franz. Departement Nord, Arrondissement Douai, an der Scarpe und der Eisenbahn Somain-Orchies, hat ein schönes Stadthaus (ehemalige berühmte Abtei), (1881) 2567 Einw., Fabrikation von Zucker, Web- und Wirkwaren etc., Handel mit Obstbäumen und Spargel.

Marchin (spr. -schäng), Ort in der belg. Provinz Lüttich, Arrondissement Huy, am Hoyoux und an der Eisenbahn Landen-Ciney, hat Steinbrüche, Eisengießerei, Drahtzieherei, Papierfabrikation und (1885) 4940 Einw.

Marcia (ital., spr. martscha), s. Marsch.

Marciale (ital., spr. martschāle), marschmäßig.

Marciana (spr. -tschāna), Gemeinde auf der Insel Elba, bestehend aus dem am Golf von Procchio gelegenen Hafenort M. Marina und aus sechs in dem darüber aufsteigenden Gebirge liegenden Orten mit zusammen (1881) 7626 Einw., welche sich mit Schiffbau, Schiffahrt und Fischerei beschäftigen. 1885 sind im Hafen 511 Schiffe mit 13,769 Ton. eingelaufen.

Marciāna Silva, bei den Römern Name des Schwarzwaldes (auch Abnoba genannt).

Marcianise (spr. -tschanīse), Stadt in der ital. Provinz Caserta, an der Eisenbahnlinie Foggia-Neapel; in sumpfiger Gegend, hat (1881) 11,083 Einw.

Marciano (spr. -tschāno), Dorf in der ital. Provinz Arezzo, im Chianathal, mit (1881) 373 Einw., bekannt durch den Sieg der Truppen des Kaisers Karl V. und des Herzogs Cosimo von Florenz über die Franzosen (3. Aug. 1554), zu dessen Andenken der Herzog 1562 den St. Stephansorden stiftete.

Marcianopŏlis, von Trajan gegründete Stadt in Untermösien, westlich von Odessus (Warna). In ihrer Nähe schlug Claudius II. die Goten. Ruinen bei Dewno, nordöstlich von Prawadi.

Marciānus, Flavius, oström. Kaiser, in Thrakien geboren, 450 nach dem Tode Theodosius' H. von der Kaiserin Pulcheria zu ihrem Gemahl und damit zugleich auf den kaiserlichen Thron erhoben, hatte den Mut, dem Hunnenkönig Attila den ihm bisher gezahlten Tribut zu verweigern, unterstützte bei dessen Einfall in Italien 452 den weströmischen Kaiser Valentinian III. durch Sendung von Hilfstruppen, erkannte 455 Avitus als weströmischen Kaiser an, schloß mit den Ostgoten einen nicht unrühmlichen Frieden und führte auch im Innern ein kräftiges, gerechtes Regiment. Von ihm wurde 451 das vierte ökumenische Konzil nach Chalcedon (s. d.) berufen. Er starb 457, ihm folgte Leo I.

Marcigny (spr. -ssinji), Stadt im franz. Departement Saône-et-Loire, Arrondissement Charolles, an der Loire und der Eisenbahn von Paray le Monial nach Roanne, hat eine Kirche und ehemalige Abtei, (1881) 2720 Einw., Fabrikation von Tischzeug, Thonwaren und Strohhüten.

Marcinelle (spr. -ssinell), Fabrikort in der belg. Provinz Hennegau, Arrondissement Charleroi, an der Sambre und der Eisenbahn Charleroi-Erquelines, hat Hochöfen, Eisengießerei, Steinkohlengruben, Steinbrüche und (1885) 10,166 Einw.

Marcĭon, der Stifter einer gnostischen Partei (Marcioniten), Sohn eines Bischofs zu Sinope im Pontus, geboren um 105-110, begab sich 140 nach Rom, soll sich hier an einen Syrer, Cerdon, angeschlossen haben, dessen Lehren er weiter fortbildete, widmete sich dann einem streng asketischen Leben und starb um 165-170. M. drängte den Gnostizismus von der Spekulation zur praktischen Askese, verwarf den Unterschied zwischen der Gnosis und dem einfachen Glauben und trieb im Gegensatz zur werdenden katholischen Kirche den Paulinismus so sehr auf die Spitze, daß er, einen guten und einen bloß gerechten Gott annehmend, auf letztern das Alte Testament zurückführte. Vom Neuen Testament nahm er nur zehn Paulinische Briefe an und das nach seinem System bearbeitete Lukas-Evangelium.

Marcīta (Prato marcitorio, ital., spr. martschi-), Winterwiese; s. Bewässerung, S. 857.

Marcĭus, altes röm. Geschlecht, zu dessen berühmtesten Mitgliedern Ancus M. (s. d.) und Gnäus M. Coriolanus (s. Coriolanus) gehören.

Märcker, Max, Agrikulturchemiker, geb. 25. Okt. 1842 zu Kalbe a. S., studierte 1861-64 in Greifswald und Tübingen Chemie, wurde 1866 Assistent an der landwirtschaftlichen Versuchsstation Braunschweig, 1867 an der zu Göttingen-Weende und ging 1871 als Dirigent der Versuchsstation des Landwirt-^[folgende Seite]