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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Marle; Marlekor; Marlínskij; Marlitt; Marlo; Marlow; Marlowe

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Marle - Marlowe.

Von der Prinzessin Anna ward sie darauf zur Ehrendame ernannt und gewann deren Gunst in dem Grade, daß die Prinzessin nach Wilhelms III. und Marias Thronbesteigung einen offenen Bruch mit dem Königspaar und die Entfernung aus dem Palast der von Wilhelm verlangten Entlassung der Lady M. vorzog. Nach Annas Thronbesteigung übten Lady M., zur ersten Ehrendame und Großgarderobemeisterin ernannt, und ihr Gemahl den größten Einfluß auf die Königin aus. Doch kam es nun bisweilen zu Mißhelligkeiten zwischen den Freundinnen, und der Übermut der Herzogin und die fast despotische Herrschaft, die sie über die Königin ausübte, machten dieser endlich ihre Gesellschaft unerträglich. Lady M. mußte daher 1711 alle ihre Ämter niederlegen, verließ den Hof und sah Anna nie wieder. Nach dem Tod ihres Gemahls lebte sie in gänzlicher Zurückgezogenheit. Sie starb 29. Okt. 1744 in London. Auch ihr Gemahl bediente sich oft in politischen Angelegenheiten ihres Rats. Sie teilte mit demselben die Fehler des Ehrgeizes und der Habsucht. Ihre Briefe erschienen unter dem Titel: "Letters of Sarah duchess of M." (Lond. 1875). Vgl. "Histoire secrète de la reine Zarah et des Zaraziens, ou la duchesse de M. démasquée" (Haag 1708-12, 2 Bde.). Sarah M. gebar ihrem Gemahl vier Töchter, von denen die älteste, Henriette, den Herzogstitel von M. erbte, der nach ihrem Tod (1733) auf den Sohn ihrer Schwester Anna, Charles Spencer (s. M. 3), überging.

3) Charles Spencer, Graf von Sunderland, Herzog von, Enkel von M. 1), kommandierte in der Schlacht von Dettingen (1743) eine Gardebrigade und ward 1758 zum Befehlshaber der britischen Hilfstruppen bei der Armee des Prinzen Ferdinand von Braunschweig im Siebenjährigen Krieg ernannt, starb aber 28. Okt. d. J. in Münster.

4) George Spencer-Churchill, sechster Herzog von, Urenkel des vorigen, geb. 27. Dez. 1793, stellte 1830 als Mitglied des Unterhauses aus Verdruß über das Zustandekommen der Katholikenemanzipation einen Antrag auf allgemeines Stimmrecht, widersetzte sich aber später dennoch der Parlamentsreform. Er starb 1. Juli 1857.

5) John Winston Spencer-Churchill, siebenter Herzog von, Sohn des vorigen, geb. 2. Juni 1822, trat im April 1844 für den von seinem Vater abhängigen Flecken Woodstock ins Parlament, mußte aber sein Mandat nach Jahresfrist niederlegen, weil er sich den Freihandelsbestrebungen Peels angeschlossen hatte. 1847 wurde er mit Zustimmung seines Vaters von neuem gewählt. Nach dessen Tod 1857 trat er ins Oberhaus ein, erhielt 1866 bei Bildung des Toryministeriums das Hofamt des Lord-Steward, wurde im März 1867 Präsident des Geheimen Rats, welches Amt er bis zum Sturz des Torykabinetts behielt, und 1876 Vizekönig von Irland. Nach den Neuwahlen von 1880 trat er mit Lord Beaconsfield zurück und starb 5. Juli 1883.

6) George Charles Spencer-Churchill, achter Herzog von, Sohn des vorigen, geb. 13. Mai 1844, hieß bei Lebzeiten seines Vaters Marquis Blandford, schloß sich der radikalen Partei an, führte ein Wüstlingsleben, ward deshalb von seiner Gemahlin Alberta Hamilton, Tochter des Herzogs von Abercorn, die er 1869 geheiratet, 1883 geschieden und verkaufte nach seines Vaters Tod, um seine Schulden zu decken, 1884 die Familienjuwelen und die wertvollsten Bilder der Blenheimgalerie. Sein jüngerer Bruder ist der einflußreiche Führer der Tories, Lord Randolph Churchill (s. d.).

Marle (spr. marl), Stadt im franz. Departement Aisne, Arrondissement Laon, an der Serre und der Eisenbahn von Laon nach Hirson, mit alter Kirche, Schloßruinen, (1881) 2326 Einw., Merinozucht, Zuckerfabrikation, Wollspinnerei und Getreidehandel.

Marlekor, s. Mergel.

Marlínskij ^[geschrieben: Malínskij], Pseudonym für A. Bestushew (s. d.).

Marlitt, Eugenie, Pseudonym, s. John 2).

Marlo, Karl, Pseudonym, s. Winkelblech.

Marlow, 1) Stadt in Mecklenburg-Schwerin, Herzogtum Güstrow, hat eine Kirche mit hohem Turm, ein schönes Rathaus und (1885) 1858 evang. Einwohner. - 2) (Great-M., spr. greht-márlo) Stadt in Buckinghamshire (England), an der Themse, mit Pferdemärkten, lebhaftem Handel und (1881) 4763 Einw.

Marlowe (Marlow, spr. márlo), Christopher (Kit), engl. Schauspieldichter, einer der bedeutendsten Vorläufer Shakespeares, ward zu Canterbury 1562 als Sohn eines Schuhmachers geboren, erhielt eine königliche Freistelle in der King's School daselbst und studierte dann in Cambridge, wo er 1587 Master of Arts wurde. Bereits 1586 hatte er ein Drama: "Tamburlaine the Great", geschrieben und hierdurch den sogen. Blank verse (s. d.) für immer in das englische Drama eingeführt. In dem Stück sind unter vielfachen Übertreibungen und dem Schwulste der Diktion Stellen von hoher Schönheit und wilder Größe verborgen. Durch den Erfolg ermuntert, betrat M. selbst auf einige Zeit die Bühne und widmete sich dann ausschließlich der litterarischen Beschäftigung. Es erschien zuerst: "Life and death of Dr. Faustus" (1588; hrsg. von Wagner, Lond. 1877; von Ward, Oxf. 1878), die älteste dramatische Bearbeitung der Faustsage voll dramatischer Kraft und hoher Sprachgewalt, die indessen im Faust weniger den Durst nach Wissen als nach sinnlichem Genuß schildert (s. Faust). Das Werk wurde übersetzt von Ad. Böttger (Leipz. 1857), von Bodenstedt in "Shakespeares Zeitgenossen", Bd. 3 (Berl. 1860), von A. v. d. Velde (Bresl. 1870), der zu beweisen sucht, daß M. das Spießsche Volksbuch von Faust gekannt und dem deutschen Original den Stoff zu seinem Stück entnommen hat, und von W. Müller (Leipz. 1879). Es folgten: "The jew of Malta" (um 1589; deutsch von Kannegießer, Berl. 1808), bei aller Roheit und Wüstheit großartig, auch durch eine hochkomische Szene ausgezeichnet; "The massacre at Paris" (nach 1589), mit trefflicher Charakterzeichnung des Herzogs von Guise, sonst ohne dramatisches Interesse, und "Edward II." (1594; hrsg. von Tancock, Lond. 1880; deutsch von Prölß im "Altenglischen Theater", Bd. 1, Leipz. 1881), wahrscheinlich das letzte und wohl das beste Stück Marlowes, eine "Historie", die alle ältern Werke ähnlicher Art überragt, in der Konstruktion den Historien Shakespeares gleich und reich an glänzenden Szenen, unter denen sich die Schilderung vom Tod Eduards auszeichnet. Auch die Versifikation des Dichters zeigt sich in diesem Stück in ihrem Glanz. Man schrieb M. noch andre Stücke zu, wohl mit Unrecht; doch verfaßte er mit Nash (s. d.) das Trauerspiel "Dido" und übersetzte einen Teil von "Hero und Leander" und die Elegien des Ovid (1598), die der Erzbischof von Canterbury als sittenlos verbrennen ließ. Marlowes Privatleben war zügellos. Er starb, zu früh für seine Kunst, in einem Liebeshandel von seinem Nebenbuhler erstochen und wurde 1. Juni 1593 in Deptford begraben. Neuere Ausgaben seiner Werke besorgten A. Dyce (1850, 3 Bde.), Cunningham (1872), Bullen (1885, 3 Bde.), Breymann und Wagner (Heilbr. 1885 ff.).