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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Marmol; Marmolāta; Marmont; Marmontel

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Marmol - Marmontel.

der Akademie gekrönten Novellen: "Les fiancés du Spitzberg" (1858) und "Gazida" (1860); ferner die "Mémoires d'un orphelin" (1864); "Histoire d'un pauvre musicien" (1866); "Cimarosa" (1867); "Les drames du cœur" (1868) u. a. Überdies hat M. mancherlei, besonders Volkspoesie, übersetzt ("Chants populaires du Nord", 1842 und 1882; "Nouvelles allemands", 1847; "Au bord de la Néva, contes russes", 1856, u. a.).

Marmol, José, spanisch-amerikan. Dichter, geb. 4. Dez. 1818 zu Buenos Ayres, studierte daselbst und in Montevideo Rechtswissenschaft, wurde wegen seiner freimütigen Äußerungen gegen die Tyrannei des Diktators Rosas (namentlich in dem in ganz Südamerika populären Gedicht "El 25 de Mayo de 1843") des Landes verwiesen und kehrte erst nach dem Sturz desselben in seine Vaterstadt zurück, wo er sich nun eifrig am politischen Leben beteiligte und zu Anfang der 60er Jahre starb. Seine Hauptwerke sind: "Canzones del peregrino", lyrisch-epische Dichtung (Montevideo 1847); die Dramen: "El poeta" und "El cruzado" (neueste Ausg. im "Teatro americano", Barcelona 1876) und der Roman "Amalia" (abgedruckt in der "Coleccion de autores españoles", Bd. 11 u. 12, Leipz. 1862), der die Geschicke von Buenos Ayres unter Rosas' Diktatur behandelt. Seine kleinern "Poesías" erschienen Buenos Ayres 1854.

Marmolāta (Vedretta M.), höchster Gipfel der Südtiroler Dolomitalpen, erhebt sich 3360 m hoch an der Grenze Tirols und Italiens, stürzt gegen S. in steilen Felswänden ab, während er nördlich von einem Gletscher umhüllt ist. Paul Grohmann erstieg ihn zuerst 1864. Gegenwärtig wird er zumeist von der Höhe des Fedajapasses in 5 Stunden bestiegen.

Marmont (spr. -móng), Auguste Frédéric Louis Viesse de M., Herzog von Ragusa, Marschall von Frankreich, geb. 20. Juli 1774 zu Châtillon sur Seine als Sohn eines adligen Offiziers, trat, 15 Jahre alt, als Unterleutnant in die Infanterie, ging aber bald zur Artillerie über, machte bei der Belagerung von Toulon die Bekanntschaft Bonapartes, dem er sich mit Begeisterung anschloß, und wurde von diesem 1796 als Adjutant zu dem italienischen Feldzug mitgenommen. Er that sich hier durch seine Tapferkeit hervor, erhielt nach der Schlacht bei Lodi (10. Mai 1796) von der Republik einen Ehrensäbel und trug bei Castiglione (5. Aug.) an der Spitze der reitenden Artillerie wesentlich zur Entscheidung des Siegs bei. Am 14. Dez. erstürmte er an der Spitze von zwei Bataillonen den Brückenkopf von San Giorgio, worauf ihn Bonaparte mit den 32 eroberten Fahnen an das Direktorium sandte. Als Oberst und Brigadechef begleitete er 1798 Bonaparte nach Ägypten, kehrte als General mit demselben 1799 nach Frankreich zurück, unterstützte den Staatsstreich vom 18. Brumaire und ward nach demselben zum Mitglied des Staatsrats ernannt. Im Feldzug von 1800 in Italien befehligte er die Artillerie und wurde nach der Schlacht von Marengo Divisionsgeneral. Als Kommandeur der in Holland stationierten Truppen führte er dieselben 1805 über den Rhein nach Österreich, wurde nach dem Preßburger Frieden mit seinem Korps nach Dalmatien geschickt, um die Republik Ragusa gegen die Invasion der Russen und Montenegriner zu sichern, schlug 31. Okt. 1807 die Russen bei Castelnuovo und verwaltete das Land bis 1809; er erwarb sich um dasselbe unter anderm durch Anlegung mehrerer Kunststraßen Verdienste und erhielt dafür von Napoleon I. den Titel eines Herzogs von Ragusa. Am Tag nach der Schlacht bei Wagram (6. Juli 1809) erhielt er das Kommando über eine der Avantgarden der großen französischen Armee und schlug die Österreicher 10. Juli bei Znaim. Noch auf dem Schlachtfeld von Znaim ward er zum Marschall von Frankreich ernannt. Nachdem er 18 Monate lang den Posten eines Generalgouverneurs von Illyrien ruhmvoll bekleidet, übertrug ihm der Kaiser 1811 das Kommando in Portugal an Massénas Stelle. Am 22. Juli 1812 lieferte M. Wellington die unglückliche Schlacht bei Salamanca, wobei ihm eine Kugel den rechten Arm zerschmetterte. Noch nicht völlig hergestellt, übernahm er 1813 den Befehl des 6. Armeekorps, an dessen Spitze er in den Schlachten bei Lützen, Bautzen, Dresden und 16. Okt. bei Möckern focht. Auch 1814 nahm er fast an allen Schlachten und Gefechten hervorragenden Anteil, die der Einnahme von Paris vorangingen. Am 30. März 1814 verteidigte er Paris im Osten mit großer Ausdauer, mußte aber am Abend kapitulieren und zog mit seinem Korps nach Essonne bei Fontainebleau ab, von wo er Unterhandlungen mit der provisorischen Regierung und den Verbündeten anknüpfte, um durch die Abdankung Napoleons dem König von Rom die Krone zu retten. Dies legten ihm Napoleon und die Bonapartisten als Verrat aus. Ludwig XVIII. bestätigte ihn in seinen Würden und Ämtern und ernannte ihn zum Pair von Frankreich und Kapitän der Gardes du Korps, 20. März 1815 aber zum Chef der königlichen Haustruppen, die den König nachher auf seiner Flucht nach Gent begleiteten. 1826 ging er als außerordentlicher Botschafter nach Petersburg, um den Kaiser Nikolaus zur Thronbesteigung zu beglückwünschen. Hierauf lebte er teils auf seinen Gütern bei Châtillon, wo er große Eisenwerke anlegte, teils in Paris, wo er öfters als Redner in der Pairskammer auftrat. Am 26. Juli 1830 erteilte ihm Karl X. den Befehl über die erste Militärdivision, doch vermochte M. den Aufstand der Hauptstadt nicht zu unterdrücken und zog sich am Abend des 29. mit 6000 Schweizern und den wenigen treu gebliebenen Bataillonen aus Paris zurück. Hierauf folgte er Karl X. ins Ausland und machte später Reisen in England, Spanien, Rußland und der Türkei. Seine letzten Lebensjahre verlebte er zu Wien und Venedig. 1852 versuchte er die Fusion der französischen Legitimisten mit den Orléanisten zu stande zu bringen, starb aber 2. März d. J. ohne Nachkommen in Venedig. Er wurde in seiner Geburtsstadt beigesetzt. M. war einer der gebildetsten, tüchtigsten Feldherren des Kaiserreichs. Durch sein Verhalten 1814 und 1830 ist er aber in den politischen Parteistreit hineingezogen und von Bonapartisten und Liberalen mit heftigen Angriffen und Verleumdungen überschüttet worden. Sein Wahlspruch war: "Patriae totus et ubique". Von seinen Reisebeschreibungen sind 6 Bände (Par. 1837 f.) erschienen; außerdem ist von seinen Schriften hervorzuheben: "Esprit des institutions militaires" (das. 1845; deutsch, Berl. 1845). Nach seinem Tod erschienen seine höchst wertvollen, wenngleich wegen Unrichtigkeit und schiefer Auffassung vielfach angefochtenen "Mémoires" (Par. 1856-57, 9 Bde.; deutsch von Burckhardt, Leipz. 1858, 9 Bde., und von Goldbeck, Potsd. 1858, 4 Bde.), gegen welche Laurent eine "Réfutation" (Par. 1858) schrieb.

Marmontel (spr. -mongtell), Jean François, franz. Schriftsteller, geb. 11. Juli 1723 zu Bort im Limousin, studierte zu Toulouse, nahm schon im 16. Jahr die Tonsur und erhielt hierauf die philosophische Lehrstelle an dem Seminar der Bernhardiner zu Toulouse. Empfehlungen Voltaires führten ihn 1745