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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Maroa; Maroboduus; Marōde; Maroim; Marokko

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Maroa - Marokko.

Maroa, Hauptort des Territoriums Amazonas in der Bundesrepublik Venezuela, am Guainia oder obern Rio Negro.

Maroboduus, s. Marbod.

Marōde, entkräftet, abgemattet, besonders von Soldaten, die wegen Erschöpfung hinter der Marschkolonne zurückbleiben. Suchen solche Nachzügler länger als nötig sich den Anstrengungen und Gefahren zu entziehen, auf Kosten der Einwohner zu leben oder in den Ortschaften zu plündern, so nennt man sie Marodeure. Das Marodieren wird nach dem deutschen Strafgesetzbuch mit Zuchthaus bestraft. Man führt den Ausdruck zurück auf das französische maraud (Lump, Taugenichts), nach dem "Simplicissimus" aber fälschlich auf das Korps des Generals Merode, welches sich im Dreißigjährigen Krieg durch seine Zuchtlosigkeit so auszeichnete, daß man bald alle Nachzügler "Merodebrüder" nannte. Der Ausdruck findet sich bereits in einem Werk von 1564.

Maroim (spr. -rō-ing), Stadt in der brasil. Provinz Sergipe, in der Nähe des schiffbaren Sergipe (Nebenfluß des Cotindiba), mit blühenden Zuckerplantagen und 5000 Einw.

Marokko (von den Arabern als deren westlichster Besitz Maghreb el Aksa, "der äußerste Westen", genannt), Sultanat im NW. Afrikas, zwischen 27-36° nördl. Br. und 0-13° östl. L. v. Gr., wird im N. vom Mittelländischen Meer und der Straße von Gibraltar, im W. vom Atlantischen Ozean, im O. von Algerien und im S. von der Sahara begrenzt (s. Karte "Algerien etc."). Nach der letzten Richtung hin ist die Grenze aber ganz unbestimmt. Von dem ganzen auf 812,300 qkm (14,850 QM.) berechneten Gebiet ist nur ein beschränkter Teil dem Sultan von M. wirklich unterthan, nämlich das Beled el Makhzen (Land der Konskription) genannte Gebiet, bestehend aus dem ehemaligen Königreich Fes mit Tanger und Tetuan, dem eigentlichen Königreich M., dem Sus an der Küste südlich vom Kap Ghir, die Oasen Tafilet und Figig und das Land Udjda im NO. Dagegen nennt man Beled es Siba alle Regionen, deren verschiedene Stämme sowohl Steuern als Militärdienst verweigern, und die nur gelegentlich durch eine militärische Expedition unterworfen werden. Dahin gehört das ganze Er Rif am Mittelmeer von Melilla bis Tetuan, ein ausgedehntes Gebiet im N. des Atlas, und die zentralen Teile dieses Gebirges, endlich im S. von Udjda das große Territorium, dessen Zentrum der Schott Tigri bildet. Tidikelt, Tuat, Gurara und andre Oasen der Sahara erkennen höchstens die religiöse Suprematie des Sultans an. In seiner weitesten geographischen Ausdehnung hat M. eine Küstenlänge von 1750 km, wovon 425 auf das Mittelmeer, 60 auf die Meerenge von Gibraltar und 1200-1300 auf den Atlantischen Ozean entfallen. Die Mittelmeerküste ist steil und schutzlos, in der Meerenge ist nur eine mittelmäßige Reede, die von Tanger; die atlantische Küste ist dagegen niedrig, aber ebenso ungünstig für die Schiffahrt; die Häfen von El Aresch und Rabat sind Flußmündungen, die übrigen Landungsplätze nichts weiter als offene, unsichere Reeden. Die atlantische Küste hat gar keine Inseln, die der mittelländischen (Islas Chafarinas, Alhucemas, Velez de la Gomera, Peregil) sind kahle Felsen. Die Oberflächenform Marokkos ist uns nur sehr ungenügend bekannt. An der Küste des Mittelmeers erhebt sich ein 60 km breites bergiges Küstenland mit dem 2010 m hohen Beni Hassan als Kulminationspunkt; daran schließen sich südlich weitere Höhenzüge bis zur mächtigen Gebirgskette des Großen Atlas (Idrar-n-Deren), welcher sich vom Kap Ghir in nordöstlicher Richtung bis zur algerischen Grenze hinzieht und eine mittlere Höhe von 3650 m hat, die durch einzelne Piks noch um 150-240 m überragt wird. Die Breite des Gebirges ist stellenweise nur 30 km, und die Pässe erreichen nur 1100-1500 m über dem Gebirgsfuß. Südlich davon zieht sich in paralleler Richtung der 2000 m hohe Antiatlas hin, dann folgt die Wüstenregion. Der westliche Teil zwischen Atlas und Atlantischem Ozean ist ebenes, fruchtbares Land. Nicht weniger bekannt als die Orographie ist die Hydrographie des Landes. Die Flüsse sind periodisch sehr wasserreich, zu andern Zeiten des Jahrs aber seicht, zuweilen ganz trocken; alle nehmen mit der Annäherung ans Meer an Volumen ab. Nach Hooker und Ball führen alle Flüsse Marokkos insgesamt nur 225 cbm Wasser in der Sekunde dem Meer zu. Eine Barre verschließt ihre Mündung, selbst der größte, der Sebu, ist nicht schiffbar; der lange, im Oberlauf breite Wadi Draa erreicht das Meer selbst zur Zeit der Schneeschmelze selten einmal. In den Atlantischen Ozean münden noch der Begreb, der fischreiche Umer Rebia, der Tensift und Sus, in das Mittelmeer der Muluja. Die Wadis Tafilet, Gir und Saura verlieren sich in den Salzseen der marokkanischen Sahara. Von Seen sind nur nennenswert die Strandseen Laguna Puerto Nuevo an der mittelländischen und die Merdja Ras-e-Dura an der atlantischen Küste; periodische Seen, die sich später in Graswiesen verwandeln, werden von den angeschwollenen Wadis gebildet. Das Klima ist in den Küstenstrichen angenehm und beständig, in den innern, von Bergen umschlossenen teils drückend heiß, teils heftigen Regen ausgesetzt. In den hohen Gebirgsgegenden bleiben die höchsten Kuppen das ganze Jahr mit Schnee bedeckt; südlich vom Atlas beginnt das heiße und trockne Wüstenklima mit gelegentlichen wolkenbruchartigen Niederschlägen. Die Mitteltemperatur beträgt in den Städten Tanger 18°, in M. 20° C. Der Regenfall ist ausreichend. Der Mineralreichtum ist noch ganz unerschlossen und, da das Suchen nach Mineralien verboten ist, wenig bekannt; doch hat man Gold und Silber an mehreren Orten gefunden; Kupferlager sind zahlreich und von großer Mächtigkeit, Eisen findet sich im Atlas im Überfluß, und in den halb unabhängigen Gebieten wird es auch gewonnen, ebenso Antimon, Blei, Steinsalz, Schwefel, Kohle, Töpfererde, im Rif Bergkristalle, Amethyste; roter Ocker ist weit verbreitet. Warme Quellen sind mehrfach vorhanden. Die Flora ist der spanischen am nächsten verwandt. Ausgedehnte Wälder gibt es nicht nur in den Berggegenden, sondern auch in den Ebenen. Im N. wachsen Pinien, Zedern, Lärchen, immergrüne Eichen, Steineichen, Walnußbäume, Thujen, wohlriechende Nadelhölzer; der Süden hat Mimosen, Palmen, darunter die Dattelpalme, und in den dürrsten Gegenden, südlich vom Wadi Tensift, den Arganbaum mit seiner Ölfrucht. Der Ölbaum wächst nur im wilden Zustand, der Weinstock ist kaum beachtet, der Tabak schlecht (man braucht hier den Haschisch); Gerberrinde wird gleichfalls wenig gewonnen, und die wild wachsende Baumwolle entbehrt aller Pflege und Zubereitung. Die früher verbreitete Zuckerrohrkultur ist jetzt aufgegeben. Sehr reich ist das Land an Früchten. Sämtliche Arten Cerealien und Hülsenfrüchte gedeihen vortrefflich und würden in großen Mengen produziert werden, wenn nicht Ausfuhrverbote den Ackerbau lähmten. Die Tierwelt gleicht der algerischen. Löwen, Panther, Bären, Affen sind jetzt selten geworden, wilde Schweine sind aber