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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Meliaceen - Méline.

Vaterstadt, wo er 20. Dez. 1815 starb. Seine ersten poetischen Versuche schrieb er in italienischer Sprache, die spätern in der Volkssprache Siziliens, die hauptsächlich ihm ihre Ausbildung zur Schriftsprache verdankt. Melis Poesie wurzelt in der Natur und der Sitte des Landes, und die beiden großen Kulturhälften, in welche Sizilien zerfällt, die griechische und italienische, erscheinen in ihm in einer nationalen Einheit. In seinen bukolischen Gesängen kommt unter der Einkleidung in die alten Mythen das volle Leben der Wirklichkeit in allen seinen frischen Zügen zur Erscheinung; seine Burleske "Li Palermitani in festa" erinnert an Theokrits Syrakusanerinnen beim Adonisfest. Ein höchst ergötzliches Gedicht unter dem Titel: "Ditirammu" macht ganz besonders den Reichtum des sizilischen Dialekts anschaulich. In den Oden und Kanzonen erreicht M., was Anmut und Wohllaut anlangt, fast Petrarca. Weniger glücklich war er im Sonett, seine Elegien dagegen sind sinnvoll und ansprechend. Seine "Capitoli berneschi", satirisch-komische Gedichte, ziehen durch Mannigfaltigkeit und witziges Spiel der Phantasie an. Auch als Epiker versuchte er sich in dem romantischen Gedicht "La fata galante", in fünf Gesängen, und in der heroisch-komischen Dichtung "Don Chisciotti e Sanciu Pansa", in zwölf Gesängen. Melis Lieder leben noch heute im Munde des sizilischen Volkes. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien in 8 Bänden (Palermo 1830-39, 4. Aufl. 1857). Eine vorzügliche deutsche Übersetzung ausgewählter "Lieder" gab Gregorovius (2. Aufl., Leipz. 1886), Gazzino übertrug die Gedichte ins Italienische (Turin 1858, 2 Bde.).

Melĭaceen, dikotyle, etwa 270 Arten umfassende, der warmen Zone angehörige Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Terebinthinen. Holzpflanzen mit hartem Holz, meist gefiederten Blättern und regelmäßigen, meist fünfzähligen, zwitterigen Blüten, deren Staubblätter zu einer langen Röhre verwachsen und durch Stipularanhängsel ausgezeichnet sind. Die Früchte bilden Kapseln, Beeren oder Steinfrüchte.

Melibōkus (Malchen), einer der bemerkenswertesten Gipfel an der hessischen Bergstraße, am nordwestlichen Rande des Odenwaldes, östlich von Zwingenberg, 519 m hoch, mit einem 26 m hohen Turm und seiner schönen Aussicht wegen viel besucht. Letztere beherrscht eine weite Strecke der Rheinebene mit zahlreichen Städten und wird gegen N. vom Taunus und Donnersberg, gegen W. und SW. von der Hardt und den Vogesen, gegen O. von den Hügeln und Bergen des Odenwaldes begrenzt. Bei Ptolemäos bezeichnet Melibokon oros den Thüringer Wald oder den Harz.

Melicēris (Kolloidbalg), eine Balggeschwulst mit dickflüssigem, honig- oder leimartigem Inhalt, entsteht durch Ansammlung von Hautfett in krankhaft erweiterten Hautdrüsen.

Melieren (franz.), mischen; meliert, besonders von Farben: gesprenkelt, sprenkelig.

Melierte Gewebe, aus verschiedenfarbigem Garn hergestellte, besonders tuchartige Gewebe.

Meligēthes, Rapskäfer.

Melikértes, im griech. Mythus Sohn des Athamas und der Ino, welche sich, von dem rasenden Athamas verfolgt, mit dem Sohn ins Meer stürzte, worauf Ino als Leukothea (s. d.) und M. als Palämon (s. d.) in hilfreiche Meergottheiten verwandelt und weit und breit verehrt wurden. Auf dem Isthmus von Korinth setzte man M. zu Ehren die Isthmischen Spiele (s. d.) ein. Der Name M. ist phönikischen Ursprungs (s. Melkart).

Melikow, s. Loris-Melikow.

Melilla (Mlila), span. Stadt (Presidio) an der mittelländischen Küste von Marokko, 15 km südöstlich vom Kap Tres Forcas, auf einer schmalen Halbinsel, mit 3000 Einw., lauter Spanier, darunter viele Deportierte. Die Stadt ist stark befestigt, der seichte Hafen wird von den Kanonen des Forts beherrscht. M. ist sehr ungesund, daher Gouverneur und Besatzung häufig wechseln. Es wurde 1496 vom Herzog von Medina Sidonia für Spanien erobert und gegen alle Angriffe der Marokkaner gehalten. In der Nähe plünderten 1852 Rifpiraten die preußische Brigg Flora; eine deshalb 7. Aug. 1856 vom Prinzen Adalbert unternommene Rekognoszierung verlief sehr unglücklich. M. ist wahrscheinlich das Rusadir der Römer (bei Ptolemäos Ryssadiron) und war im 5. Jahrh. Bischofsitz.

Melilōtenklee, s. Melilotus.

Melilōtenpflaster, s. Pflaster.

Melilōtus Tournef. (Melilotenklee, Melote, Steinklee, Honigklee), Gattung aus der Familie der Papilionaceen, ein- oder zweijährige Kräuter mit fiederig dreizähligen Blättern, achselständigen, gestielten, vielblütigen Blütentrauben und kugeligen oder länglichen, unvollkommen aufspringenden, ein- bis viersamigen Hülsen. Zehn Arten in den gemäßigten und subtropischen Klimaten der nördlichen Hälfte der Allen Welt. M. alba Desr. (M. vulgaris Willd., Hanfklee, weißer Pferde- oder Steinklee, Riesenklee, weißes Mottenkraut), zweijährig, 1-2,5 m hoch, mit weißen Blüten in langen, lockern Trauben, in Europa und Nordasien, eignet sich zur Kultur auf dürren, kiesigen Äckern, die noch einige Kraft besitzen und für Kleebau bestimmt werden sollen. Die Pflanze riecht wie die meisten übrigen Arten, besonders nach dem Trocknen, stark aromatisch infolge eines Gehalts an Cumarin, welches in der Pflanze an Melilotsäure gebunden ist. Eine Varietät, M. leucantha Koch (Riesenklee, Bocharaklee), wurde als Futterkraut an Stelle der Luzerne für magern Boden empfohlen, hat aber den Erwartungen nicht entsprochen. M. coerulea Desr. (Käseklee, blauer Steinklee, Siebenstundenkraut), ein Sommergewächs, 30-60 cm hoch, mit weißlichblauen Blüten in kopfigen Trauben, stammt wahrscheinlich aus Nordafrika, findet sich aber in einem großen Teil von Süd- und Mitteleuropa verwildert, wird in der Schweiz auch kultiviert und zur Bereitung des grünen Kräuterkäses oder Schabziegerkäses benutzt. M. officinalis Willd. (Melilotenklee, Bisamklee, Bärenklee), mit gelben Blüten in ziemlich schlaffen, später verlängerten Trauben, zweijährig, findet sich häufig durch ganz Europa, Nordafrika, Nordamerika und Nordasien. Das blühende Kraut riecht stark honigartig süßlich, schmeckt bitterlich schleimig und ist offizinell. Es dient zur Bereitung des Melilotenpflasters und wird auch zur Abhaltung der Motten (Mottenkraut) in Kleiderschränke gelegt.

Melinde (Malindi), eine zu Sansibar gehörige Stadt in Ostafrika, an der Suaheliküste, südlich von der Sabakimündung, mit etwa 1200 Einw. (darunter 1000 Sklaven), besteht meist aus Hütten inmitten der Ruinen der alten, von Persern gegründeten und von Arabern zu großer Blüte erhobenen Stadt. M. war der erste von Vasco da Gama berührte Punkt Ostafrikas, aber nur eine Steinsäule mit dem Wappen Portugals zeugt heute von dessen Herrschaft.

Méline, Félix Jules, franz. Politiker, geb. 20. Mai 1838 zu Remiremont, studierte in Paris die Rechte und wurde Advokat am Appellhof daselbst.