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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mélnikow; Melo; Melocáctus; Melodie; Melōdik; Melodĭon; Melodĭum; Melodrāma

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Melnikow - Melodrama.

gehoben wurde und den guten, roten Melniker (s. Böhmische Weine) hervorbringt. Außerdem wird Zuckerrüben- und Obstbau, Bierbrauerei, Ölfabrikation und Schiffahrt betrieben. -

2) Stadt im türk. Wilajet Salonichi, an einem östlichen Zufluß der Struma, 400 m ü. M., mit 6000 Einw. (davon zwei Drittel Christen), Sitz eines griechischen Erzbischofs und eines türkischen Kaimakams.

Mélnikow, Pawel Iwanowitsch, russ. Romanschriftsteller, geb. 10. Okt. (a. St.) 1819 zu Nishnij Nowgorod, studierte in Kasan 1834-37, war dann Lehrer an den Gymnasien zu Perm und Nishnij Nowgorod bis 1846, worauf er in den administrativen Dienst überging. Er starb 1. Febr. (a. St.) 1883 in Nishnij Nowgorod. Außer seinen historischen Arbeiten, namentlich über die Schismatiker der griechisch-russischen Kirche, veröffentlichte er unter dem Namen Andrej Petscherskij eine Anzahl bemerkenswerter Novellen, z. B. "Der Bärenwinkel", "Alte Jahre" u. a., sowie einen Roman: "Jenseit der Wolga" (1868), der später unter dem Titel: "In den Wäldern" (deutsch, Berl. 1878) fortgesetzt wurde. 1875 ließ er diesem Werk, in welchem die Sitten der zu den Schismatikern (Raskolniki) sich zählenden russischen Kaufleute sowie der bäuerlichen Bevölkerung an der Wolga geschildert ist, im Moskauer "Russischen Boten" einen neuen Roman von gleicher Richtung: "Auf den Bergen", folgen, den er erst 1881 vollendete. Beide Werke entrollen ein großartiges volkstümliches Kulturgemälde.

Melo (eigentlich Mello), Don Francisco Manuel de, span. Geschichtschreiber und Dichter, geb. 23. Nov. 1611 zu Lissabon, trat in die spanische Armee und diente mit Auszeichnung in Flandern, wo er bald zum Obersten eines Regiments ernannt wurde. Später wurde dasselbe zur Dämpfung des gegen Philipp IV. in Katalonien ausgebrochenen Aufstandes verwandt und er selbst beauftragt, die Geschichte dieses Kriegs zu schreiben. In Spanien als Anhänger des auf den portugiesischen Thron erhobenen Hauses Braganza angefeindet, ging er nach Lissabon, wo man ihn zu diplomatischen Verhandlungen verwandte. Von einem mächtigen Feinde des Mordes an Francisco Cardoso angeklagt, ward er trotz seiner Unschuld verurteilt, neun Jahre lang eingekerkert und schließlich nach Brasilien verbannt. Durch die Verwendung des französischen Hofs zurückgerufen, lebte er fortan in Lissabon ausschließlich litterarisch beschäftigt und starb hier 13. Okt. 1665. Aus seinen historische, politische, moralische und poetische Gegenstände behandelnden, etwa 100 Bände füllenden Werken, die teils spanisch, teils portugiesisch geschrieben sind, ist hervorzuheben die ebensowohl durch Genauigkeit wie durch Eleganz der Darstellung und klassische Sprache ausgezeichnete "Historia de los movimientos, separacion y guerra de Cataluña en tiempo de Felipe IV", die zuerst 1645 zu Lissabon unter dem Namen Elemente Libertino erschien (am besten hrsg. von Ferrer, Par. 1826-32, 2 Bde.; auch in den "Historiadores de sucesos particulares", Madr. 1851). In seinen unter dem Titel: "Las tres musas de Melodino" (Lissab. 1649 u. Lyon 1665) veröffentlichten Gedichten, meist satirischen und komischen Inhalts, scheint M. sich seinen Freund Quevedo zum Muster genommen zu haben.

Melocáctus Salm Dyck (Melonenkaktus, Schopffackeldistel), Gattung aus der Familie der Kakteen, kugelrunde oder plattgedrückte Formen mit erhabenen Längsrippen und sternförmig gruppierten, oft sehr starken Stacheln. Die meist kleinen, lebhaft gefärbten Blüten entwickeln sich in der Regel aus einem zottigen Schopf auf dem Scheitel; die Beerenfrucht ist glatt, länglich, rot und vielsamig. Der erwähnte Schopf, aus länglichen, dünnen, mit Wolle und langen Borsten besetzten Warzen bestehend, hebt sich mit zunehmendem Alter der Pflanze mehr und mehr empor und nimmt eine cylindrische oder stumpf-konische Form an. M. communis Dec., in Westindien und im tropischen Südamerika, ist kugelig oder eiförmig, dunkelgrün, mit breiten Furchen und 13-14 tiefen, ziemlich geschärften Kanten. In der Heimat gewährt sein Saftreichtum besonders den Last- und Reittieren eine Erquickung in den wasserarmen Gebieten. Mehrere Arten werden bei uns wie die übrigen Kakteen kultiviert. Die süßen Früchte genießt man als Obst. S. Tafel "Kakteen".

Melodie (griech.), die Folge gegeneinander verständlicher Töne, wie Harmonie der Zusammenklang solcher Töne ist. Das letzte Prinzip des Melodischen ist die Veränderung der Tonhöhe nach oben oder unten (Steigen und Fallen), und zwar muß man sich dieselbe dann nicht als eine sprungweise, sondern als eine stetige und allmähliche denken; erst im Bann der Harmonik wird die Tonhöhenveränderung zu einer stufenweisen. Eine mehr naturalistische Melodiebildung bevorzugt daher chromatische Stimmschritte, welche der stetigen Tonhöhenveränderung am nächsten kommen, und es haben diejenigen Stimmschritte, welche innerhalb eines guten harmonischen Satzes die kleinsten sind (die Halb- und Ganztonschritte), als die eigentlich melodischen zu gelten, während man die größern (Terzen, Quarten, Quinten etc.) gewöhnlich als harmonische bezeichnet. Das Steigen der Tonhöhe ist als gesteigerte Lebendigkeit eine Steigerung, das Fallen als verminderte Lebendigkeit eine Abspannung; die Bewegung einer M. gleicht daher den Bewegungen der Seele in Affekten: die positive Bewegung (Steigung) entspricht dem Sehnen, Begehren, Streben, Wollen, Anstürmen etc., die negative (Fall) dem Entsagen, Verzagen, der Einkehr in sich selbst, Beruhigung. Diese elementaren Wirkungen haften aber, wie gesagt, an der nackten Tonhöhenveränderung, wie man sich an der Wirkung des Sturmgeheuls (oder z. B. den wenig davon verschiedenen chromatischen Gängen im "Fliegenden Holländer") klar machen kann; die M. als wohlgeordnete Reihe harmonisch gegeneinander verständlicher (abgestufter) Töne hat einen Teil jener elementaren Wirkung eingebüßt gegen die ästhetisch freilich viel höher anzuschlagenden Verstrickungen der harmonischen Beziehungen (das Melodische ist stilisiert). Ein Kursus "Melodielehre", der die Materie vom Prinzip aus systematisch entwickelte, existierte zur Zeit an den Musikschulen und in den Lehrbüchern nicht, sondern (und gewiß nicht ganz ohne Grund) die Elemente der Melodielehre werden in der Harmonielehre, die höhern Stufen in der Kompositionslehre abgehandelt.

Melōdik (griech.), die Lehre von der Melodie; melodiös, voll Melodie, melodienreich; melodisch, melodiemäßig, sangbar; melodische Intervalle, speziell der Halbton- und Ganztonschritt.

Melodĭon (griech.), ein von Dietz in Emmerich 1806 erfundenes Klaviaturinstrument, auf welchem der Ton durch Reibung metallener Stäbe, die in perpendikulärer Richtung nebeneinander fortlaufen, vermittelst eines Cylinders hervorgebracht wird, den der Spieler mit den Füßen bewegt.

Melodĭum (Melodiumorgel), s. v. w. Harmonium.

Melodrāma (griech.), früher ein Drama mit Musik, d. h. Oper; jetzt eine Deklamation mit Instrumen-^[folgende Seite]