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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Melrose; Melsungen; Meltau; Melton-Mowbray; Melun; Melusīne; Melville

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Melrose - Melville.

Melrose (spr. méllros), Dorf in der schott. Grafschaft Roxburgh, nordöstlich von Selkirk, am Tweed, mit (1881) 1550 Einw. Dabei die Ruine der gleichnamigen, von König David I. 1136 gegründeten Abtei, welche das schönste und reichste Stift in Schottland war und noch jetzt dessen schönste gotische Kirchenruine bildet. Unter dem Hochaltar der Abteikirche fand Graf James Douglas, welcher in der Schlacht bei Otterburne (15. Aug. 1388) fiel, seine Ruhestätte. Nahe dabei Abbotsford (s. d.). Vgl. Wade, History of St. Mary's Abbey M. (Edinb. 1861).

Melsungen, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, an der Fulda und der Linie Dietendorf-Kassel der Preußischen Staatsbahn, 206 m ü. M., hat 2 Kirchen, ein Schloß, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Tuch-, Segeltuch- und Maschinenfabrikation, Wollhandel, Buchdruckerei, Ziegelbrennerei und (1885) 3634 meist evang. Einwohner.

Meltau (Mehltau), Pflanzenkrankheit an Kräutern und Bäumen, zeigt sich nur an den krautartigen Teilen, besonders auf den Blättern, als ein weißlicher, mehlartiger Überzug, bei dessen Anwesenheit die befallenen Blätter kränkeln und vorzeitig absterben. Der M. wird durch epiphyte Schmarotzerpilze aus der Gattung Erysiphe L. (Meltaupilz) hervorgebracht (s. Erysiphe). Nasse und warme Witterung und feuchte Lagen, wo die Luft keinen freien Zutritt hat, begünstigen den M. Durch Entwässerung des Bodens und Beorderung des Luftzugs kann dem Übel vorgebeugt werden; auch muß das durch den M. getötete Stroh und Laub verbrannt werden, um die Perithecien mit ihren Sporen zu vernichten. Als M. bezeichnet man auch mehlartige Überzüge, welche aus den leeren Bälgen von Blattläusen bestehen. Vgl. Wolff, Die Meltaupilze (Berl. 1875).

Melton-Mowbray (spr. mellt'n-móhbrä), Stadt in Leicestershire (England), am Wreak, 20 km nordöstlich von Leicester, inmitten eines der beliebtesten Jagdreviere Englands, mit Stallungen für 800 Jagdpferde und (1881) 5766 Einw. M. ist außerdem bekannt durch seine tonnenweise in den Handel gebrachten Pork Pies (Schweinefleischpasteten) und den Handel mit Stiltonkäse (s. Stilton).

Melun (spr. mölöng), Hauptstadt des franz. Departements Seine-et-Marne, an der Seine und an der Paris-Lyoner Eisenbahn gelegen, hat eine im 16. Jahrh. erbaute und eine zweite, schon im 11. Jahrh. begonnene Kirche, eine Statue Napoleons I. und (1886) 12,564 Einw., welche sich mit Gerberei und Fabrikation von Thonwaren sowie mit Handel in Getreide, Mehl, Vieh, Geflügel und Käse beschäftigen. M. ist Sitz des Präfekten, eines Gerichts- und Assisenhofs und hat ein Kommunalcollège, Lehrerseminar, eine Gewerbeschule, Kunst- und Antiquitätensammlung, Bibliothek und mehrere wissenschaftliche Gesellschaften. Es ist das alte Melodunum.

Melusīne, nach französischer Sage eine Meernixe, halb Weib, halb Fisch, erscheint dem Grafen Raimund von Poitiers, der sie (mit ihren Schätzen) heimführt. Sie baute das Schloß Lusignan, verschwand aber, als sie Raimund in ihrer Doppelgestalt einmal im Bad überrascht hatte, und ließ sich nur noch auf einem hohen Turm des Schlosses in Trauerkleidern sehen, wenn einer aus diesem Geschlecht sterben sollte. Diese Sage lieferte Jean d'Arras um 1390 den Stoff zu einem lateinischen Gedicht, welches Thüring von Ringoltingen (oder Ruggeltingen) aus Bern 1456 in deutsche Prosa übersetzte, und das in dieser Form eins der beliebtesten Volksbücher wurde (zuerst gedruckt Straßburg um 1474 und Augsburg 1474, dann öfter). Vgl. Grässe, Sagenkreise des Mittelalters (Dresd. 1842). In Böhmen glaubt man im Pfeifen und Heulen des Windes Melusinens Klagen um ihre Kinder zu hören, und mannigfacher Aberglaube, besonders zur Weihnachtszeit, knüpft sich an sie. Vgl. Grohmann, Aberglaube aus Böhmen etc. (Prag 1864). Bildlich hat die Melusinensage am schönsten Moritz v. Schwind dargestellt.

Melville (spr. méllwill), 1) Insel an der Nordküste Australiens, zu dem der Kolonie Südaustralien einverleibten Nordterritorium gehörig, 370 km im Umfang, ist hügelig, mit schöner Vegetation bedeckt und besitzt auch einige Häfen. Ihre Nordspitze ist das Kap Vandiemen. Durch die Apsleystraße wird sie von der Bathurstinsel, durch die Clarencestraße vom Festland, durch die Dundasstraße von der Koburghalbinsel getrennt. 1824 wurde hier von Neusüdwales aus eine Militärkolonie errichtet, aber bald wieder aufgegeben. Die einzige Erinnerung daran sind einige Büffelherden. -

2) Wichtigste Insel des nordamerikanisch-arktischen Archipels, unter 75° nördl. Br. und 110° westl. L. v. Gr., im N. des Melvillesunds und von der im NW. gelegenen Prinz Patrick-Insel durch die Fitzwilliamstraße getrennt, 61,900 qkm (1125 QM.) groß. Sie ist begünstigt in Bezug auf Fauna und Flora, gehört geologisch der subkarbonischen Formation an und wurde 1819 von Parry entdeckt, der im Winterhafen (an der Südküste) überwinterte.

Melville (spr. méllwill), 1) Henry Dundas, Viscount, brit. Staatsmann, geb. 28. April 1742 zu Edinburg, widmete sich daselbst dem Studium der Rechtswissenschaft, wirkte nacheinander als Assessor des Edinburger Magistrats, Generaladvokat in Edinburg, Lordadvokat in Schottland (1775-83) und ward von seiner Vaterstadt wiederholt ins Unterhaus gewählt. Hier gehörte er anfangs zur Opposition, näherte sich aber bald dem Ministerium North, dessen Maßregeln in betreff der Kolonien er gegen Burke und Fox geschickt verteidigte, ward nach Norths Rücktritt 1782 in den Geheimen Rat berufen und bald darauf unter der Verwaltung Shelburnes zum Schatzmeister der Marine ernannt. Als Fox ins Ministerium trat, mußte er letztere Stelle aufgeben; dagegen erhielt er, als William Pitt an die Spitze der Verwaltung trat, das Schatzmeisteramt zurück und wurde zugleich Präsident des indischen Kontrollamtes. Beim Ausbruch der Geisteskrankheit Georgs III. suchte er die Erhebung des Prinzen von Wales zum Regenten zu verhindern und ward hierfür 1791 zum Staatssekretär des Innern ernannt, welches Amt er 1794 mit dem Staatssekretariat des Kriegs vertauschte. Als Gouverneur der schottischen Bank und Geheimsiegelbewahrer von Schottland übte er auch in seinem Geburtsland einen großen Einfluß aus. Als vertrauter Freund Pitts legte er 1801 bei dessen Entlassung seine Ämter nieder, ward 1802 zum Baron Dunira und Viscount M. erhoben und 1803 beim Wiederausbruch des Kriegs als erster Lord der Admiralität wieder ins Ministerium berufen. Schon früher mehrmals ungerechter Begünstigungen seines Geburtslandes und der Bestechung bei den Parlamentswahlen beschuldigt, ward er 1806 im Unterhaus der unrechtmäßigen Verwendung öffentlicher Gelder förmlich angeklagt und mußte infolgedessen wieder zurücktreten. Sein Prozeß kam vor dem Oberhaus zur Verhandlung, aber 12. Juni 1806 erfolgte durch Pitts Einfluß seine Freisprechung. M. zog sich bald darauf ganz vom politischen Schauplatz zurück und starb 29. Mai 1811.