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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Meménto; Meménto mori; Meminisse juvābit; Memleben; Memling; Memlos; Memmingen; Memmĭus

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Memento - Memmius.

wurde sie 1807 der Aufenthalt König Friedrich Wilhelms III. Am 28. Jan. 1807 wurde daselbst der Friede zwischen Preußen und England abgeschlossen. Am 27. Dez. 1812 wurde M. infolge der Kapitulation zwischen Trabenfeld und Paulucci von den Russen besetzt. 1854 brannte ein großer Teil der Stadt mit reichen Warenvorräten nieder. M. ist Geburtsort des Dichters Simon Dach.

Meménto (lat., "gedenke"), Mahnruf, Denkzettel; auch ein Teil der katholischen Messe.

Meménto mori (lat., "gedenke des Todes"), Wahlspruch einiger Mönchsorden, z. B. der Kamaldulenser.

Meminisse juvābit, häufige Verkürzung des Vergilschen Verses: "Forsan et haec olim etc." (s. d.).

Memleben, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Kreis Eckartsberga, an der Unstrut, hat (1885) 616 Einw., merkwürdig wegen des daselbst im 10. Jahrh. von Otto II. gegründeten Benediktinerklosters, welches jedoch schon 1015 als Propstei dem Kloster Hersfeld unterstellt wurde und bis 1552 bestand. Die Vogtei ward 1346 von den Grafen von Orlamünde an Thüringen abgetreten. Heinrich I. und Otto I. starben daselbst. Von der Klosterkirche, einem ausgezeichneten Bauwerk aus der Übergangsperiode des byzantinischen Stils in den gotischen, sind noch bedeutende Ruinen mit Wandmalereien vorhanden, deren weiterm Verfall König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen durch geschmackvolle Restaurationen vorgebeugt hat. Am besten erhalten ist die auf schön gearbeiteten Säulen ruhende, gleichfalls restaurierte Krypte. In der Nähe die Ruine Wendelstein. Vgl. Wilhelm, Geschichte des Klosters M. (Naumb. 1827); Puttrich, Die Kirchen zu M., Schraplau und Treben (Leipz. 1837, 8 Tafeln).

Memling (Memlinc, fälschlich Hemling), Hans, niederländ. Maler, geboren um 1430, wird zuerst 1478 urkundlich in Brügge erwähnt, wo er jedoch schon längere Zeit thätig gewesen, und starb daselbst vor dem 10. Dez. 1495, an welchem Datum seine Kinder als minderjährig in einer Urkunde erwähnt werden. Alle übrigen Mitteilungen aus seinem Leben sind sagenhaft. Aus seinen Werken geht hervor, daß er sich unter oder nach Roger van der Weyden gebildet hat. Er milderte jedoch dessen Herbheit und gab seinen Figuren weniger gestreckte Formen. Trotz mancher Eckigkeiten und Magerkeiten zeigen dieselben anmutige Bewegung, und ihr zarter Seelenausdruck, ihre tiefe und wahre Empfindung fesseln den Beschauer mit großer Macht. Die naive Liebenswürdigkeit seines Erzählens, seine vollendete Meisterschaft in der Farbe und Modellierung, seine zarte Sorgfalt in der Behandlung stehen in seiner Zeit einzig da, weshalb ihn auch die Italiener besonders bevorzugten. Die Hauptwerke des Künstlers besitzt das Johannishospital zu Brügge: Vermählung der heil. Katharina (Flügelaltarbild, 1479), Anbetung der drei Könige (ebenfalls mit Flügeln, 1479), Bildnis der Maria Moreel, als Sibylla persica dargestellt (1480), Madonna mit dem Donator Martin van Nieuwenhoven (1487) und vor allen den St. Ursulakasten mit 14 Darstellungen aus der Legende von den 11,000 Jungfrauen (1489). In der Akademie zu Brügge befindet sich ein Triptychon: in der Mitte die Heiligen Christoph, Maurus, Ägidius, auf den Flügeln der Stifter Bürgermeister Moreel mit seiner Familie. In der königlichen Galerie zu Turin befindet sich eine Tafel, die in verschiedenen kleinen Gruppen die Passion Christi (die sieben Schmerzen Maria) vorstellt; in der Pinakothek zu München ein ähnliches Werk mit den sieben Freuden Mariä. In der Greveradenkapelle im Dom zu Lübeck sieht man ein Flügelaltarbild von M., in der Mitte mit der Kreuzigung Christi (1491). Nach dem Vorgang Hothos schreibt man jetzt auch das Jüngste Gericht (1467) in der Marienkirche zu Danzig M. zu. Vgl. Weale, Hans M., zijn leven en zijne schilderwerken (Brügge 1871); Michiels, M., sa vie et ses ouvrages (Verviers 1883).

Memlos, Weiler im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gersfeld, 10 km südöstlich von Fulda, an der Lütter, besitzt 2 Sauerbrunnen.

Memmingen, unmittelbare Stadt im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, an der Aach, unweit der Iller, Knotenpunkt der Linien Kempten-Neuulm, Leutkirch-M. und Buchloe-M. der Bayrischen Staatsbahn, 610 m ü. M., hat 3 evang. Kirchen (darunter die gotische Martinskirche mit 67 in spätgotischem Stil ausgeführten Chorstühlen), eine kath. Kirche, Gas- und Wasserleitung und (1885) 8688 meist evang. Einwohner, deren industrielle Thätigkeit sich auf Leinweberei, Tuch-, Jacquard-, Decken-, Bindfaden-, Pulver, Seifen- und Bürstenfabrikation, Kunstmüllerei, Färberei und Brauerei, Eisen- und Glockengießerei und Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen wie von Feuerlöschgeräten erstreckt. Der Handel ist besonders ansehnlich in Hopfen, Getreide, Käse, Wolle, Leder und Vieh. M. hat ein Bezirksamt, ein Landgericht mit Kammer für Handelssachen, ein Hauptzollamt, eine Lateinschule, eine Realschule, ein Lehrerinnenseminar, eine Präparandenanstalt, eine Stadtbibliothek mit Archiv und ein städtisches Museum. Zum Landgerichtsbezirk M. gehören die elf Amtsgerichte zu Babenhausen, Buchloe, Günzburg, Illertissen, Krumbach, M., Mindelheim, Neuulm, Ottobeuren, Türkheim und Weißenhorn. - Urkundlich kommt M. erst 1010 vor; es gehörte den Welfen, von 1191 an den Hohenstaufen, kam nach deren Aussterben an das Reich und wurde unter Rudolf von Habsburg (1286) und Adolf, der ihm 1296 die Rechte von Ulm erteilte, freie Reichsstadt. Ihr Gebiet betrug später 110 qkm (2 QM.). 1331 schloß sich M. dem schwäbischen Städtebund an. In Gemeinschaft mit Straßburg, Konstanz und Lindau übergab die Stadt 1530 zu Augsburg die Confessio tetrapolitana, trat später zum Schmalkaldischen Bund über, mußte sich aber 1546 dem Kaiser unterwerfen und 1548 das Augsburger Interim annehmen. Im Dreißigjährigen Krieg war M. 1631 abwechselnd im Besitz der Kaiserlichen und Schweden, wurde von letztern 1647 den Bayern übergeben, die es 1648 wieder räumten, und war 1702-1704 von Bayern und Franzosen wieder gemeinschaftlich besetzt. Am 9. und 10. Mai 1800 erfochten hier die Franzosen unter Moreau einen Sieg über die Österreicher unter Kray. 1802 kam die Stadt an Bayern. Vgl. Kaner, Memminger Chronik (1805); Rohling, Die Reichsstadt M. in der Zeit der evangelischen Volksbewegung (Münch. 1864); Dobel, M. im Reformationszeitalter (Augsb. 1877).

^[Abb.: Wappen von Memmingen.]

Memmĭus, Gajus, röm. Volkstribun 111 v. Chr., deckte die Käuflichkeit und die Verräterei der Optimaten bei den Verhandlungen mit Jugurtha auf und bewirkte durch seine energische Opposition gegen den Senat die Kriegserklärung an Jugurtha sowie die