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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Metallzeit

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Metallzeit (Ägypten, Asien, Europa).

seits war die Bronze, die später für das Pharaonenland so wichtig wurde, damals noch nicht bekannt, sondern wurde wahrscheinlich erst unter der 12. oder gar erst unter der 18. Dynastie durch den Handel daselbst eingeführt. Auf keinen Fall war Bronze eine ägyptische Erfindung, denn in der Hieroglyphenschrift fehlt eine Bezeichnung für Zinn, und Zinnerze wurden in Ägypten und seinen Nachbarländern nicht angetroffen; auch unter den Listen der Metalle, welche die Ägypter als Tribut bezogen oder als Kriegsbeute errungen, wird Zinn nicht aufgezählt. Eisen wurde zum Teil im Land, bez. aus den im Erythräischen Gebirge und auf der Sinaihalbinsel gelegenen Bergwerken gewonnen, zum Teil aus dem heutigen Sudân und aus Asien eingeführt. Auch deuten gewisse ägyptische Aufzeichnungen und bildliche Darstellungen darauf hin, daß die im Altertum als "Äthiopien" bezeichneten Gebiete, insbesondere die sudânischen Provinzen Kordofan und Dar Fur, die wir als einen der ältesten Sitze der Eisenkultur betrachten müssen, auf die frühste Metallkultur Ägyptens einen bedeutenden Einfluß ausgeübt haben. Jedenfalls beweisen gewisse Funde, daß die Eisenkultur in Ägypten mindestens so alt ist wie die um 3000 v. Chr. erbaute Cheopspyramide. Da anderseits bereits unter den ersten Königen der 4. Dynastie großartige Bauten errichtet wurden, deren harte Gesteine wohl nicht ohne Benutzung von Stahlmeißeln bearbeitet werden konnten, so ist der Beginn der ägyptischen Eisenkultur in noch weit frühere Zeit zurückzuverlegen, wie denn auch die aus der Zeit der 4. Dynastie stammenden bildlichen Darstellungen der Gräberbauten eiserne Pflugschare, eiserne Sägen und andre Werkzeuge, das stählerne Sichelschwert und andre Waffen durch ihre blaue Farbe deutlich erkennen lassen.

In Asien ist das Stromgebiet des Euphrat u. Tigris Sitz einer uralten Metallkultur. In diesen Gebieten waren um 4000 v. Chr. die Sumerier und die Akkadier, zwei Völker, die wahrscheinlich der großen altaischen Völkerfamilie angehörten, die Begründer der babylonischen Kultur und die Erfinder der Keilschrift, ansässig. Schon um 3000 sind jedoch eingewanderte semitische Stämme vollständig im Besitz dieser Länder, und bereits unter den alten Herrschern von Elam und Babylon werden zahlreiche und großartige Bauten errichtet und kostbare Götterbilder hergestellt, was auf eine schon in jener Zeit hoch entwickelte Metallkultur schließen läßt. In den Trümmern von Ninive fand Layard Reste einer ansehnlichen Eisenindustrie, während in den ältesten Trümmerstätten des südlichen Mesopotamien Kupfer und Bronze sich besonders häufig finden. Den Einfluß der babylonischen Metallindustrie auf die Kulturentwickelung Kleinasiens und Griechenlands lassen Schliemanns Ausgrabungen zu Hissarlik und Mykenä deutlich erkennen. Während einerseits die Hittiter die ägyptische wie die babylonische Metallkultur nach Kleinasien hin vermittelten, brachten sie die Phöniker den damals noch in der Steinzeit lebenden Bewohnern von Hellas und den westlich wohnenden, ebenfalls noch in Unkultur befindlichen Mittelmeervölkern. Wahrscheinlich existierte nun aber im Norden Asiens (Südsibirien) ein zweites Zentrum der Metallkultur, und von diesem aus wurden den Bewohnern Mittel- und Nordeuropas auf Handelsstraßen nördlich vom Schwarzen Meer die Erzeugnisse der Bronzeindustrie zugeführt. Zu gunsten dieser Anschauung spricht vor allem der Umstand, daß eine der typischten Formen der nordischen Bronzezeit, der eigentliche Bronzecelt (Taf. I), in Kleinasien, in Griechenland sowie im Kaukasus gänzlich fehlt. Auch weist die sibirische (altaisch-ugrische) Gruppe alter Bronzen nach Sophus Müller eine so überraschende Ähnlichkeit, stellenweise sogar eine Identität mit den Bronzen Nordeuropas auf, daß der direkte Bezug eines großen Teils der letztern aus Nordasien hierdurch an und für sich schon gesichert ist. Ferner spricht zu gunsten der besagten Annahme, daß in jenen zwischenliegenden Ländern, welche von dem aus Nordasien nach Nordeuropa sich ergießenden Kulturstrom berührt wurden, identische Formen angetroffen werden, daß z. B. die asiatische Bronzesichel in Niederösterreich, andre Erzeugnisse der nordasiatischen Bronzekultur in Ungarn sich finden, während anderseits der flache Bronzemeißel mit spitz auslaufender Bahn über ganz Europa verbreitet angetroffen wird und der kleine Celt (Hohlcelt, Tafel I) mit einer oder zwei Ösen ein Verbreitungsgebiet aufweist, welches sich von China und Japan im Osten westlich bis ans Atlantische Meer erstreckt. Was ferner den Ursprung des nordasiatischen und des südasiatischen Metallkulturzentrums anlangt, so hält S. Müller die nördliche Bronzegruppe für eine Ausstrahlung nach einer Richtung, die babylonisch-ägyptische für eine Ausstrahlung nach andrer Richtung von einem ehedem vermutlich im Südosten Asiens gelegenen gemeinschaftlichen Zentrum der Bronzekultur. Auch wird dieses vielleicht den ursprünglichen Sitz der Erfindung bezeichnende Zentrum mit den zuvor erwähnten Sumero-Akkadiern, die wahrscheinlich von Osten her in das Zweistromland eingewandert sind, und der von ihnen lange vor Begründung der babylonisch-assyrischen Reiche geschaffenen Kultur in Verbindung gebracht. Neben der asiatischen Bronzekultur hat sich in vielen asiatischen Gebieten noch eine besondere Eisenkultur und Eisenindustrie entwickelt. Eisen wird in den Wedas als ein ganz gewöhnlicher Gegenstand erwähnt, und für die hohe Stufe der Eisenindustrie im vorgeschichtlichen Indien spricht die berühmte Lâhtsäule zu Dehli wie der ausgedehnte Handel, der nach den Mitteilungen des Periplus in vor- und frühgeschichtlicher Zeit zwischen Indien, den Küsten Arabiens und des Roten Meers betrieben wurde, bei dem indischer Stahl einen der wichtigsten Handelsartikel bildete. Berühmt waren auch in früh- und vorgeschichtlicher Zeit die Stahlschmiede Persiens und die von ihnen verfertigten Schwerter, während die Israeliten zwar das Eisen selbst bearbeiteten, dagegen die Bronze von den benachbarten Phönikern (Anfertigung der Gefäße für den Tempel Salomos durch Hiram von Tyros) bezogen. Als ausgezeichnete Stahlschmiede waren auch die an der kleinasiatischen Küste des Schwarzen Meers ansässigen Chalyber bekannt.

Ob und wie weit die aus Asien nach Europa eingewanderten Arier zur Zeit ihrer Ansiedelung in den jetzt von ihnen bewohnten Ländern den Gebrauch von Metallen gekannt haben, erscheint noch ungewiß. Während hervorragende Anthropologen glauben, daß die arischen Stämme bei ihrer Einwanderung in Europa sich noch in jenem Stadium der Entwickelung befanden, welches der neolithischen Kulturepoche (jüngere Steinzeit) entspricht, machen linguistische Gründe und das Vorkommen von Kupfergeräten, die in ihrer Form mit neolithischen Geräten und Waffen vollständig übereinstimmen, in nachweislich schon in relativ früher prähistorischer Zeit von Ariern bewohnten Gegenden (Kupferobjekte aus den österreichischen Pfahlbauten des Mondsees und Attersees, in der schweizerischen Pfahlbautenstation Finelz aufgefundene Kupfergeräte, Nachweis von Kupferobjekten in