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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Methylgrün - Metra.

hitzen von salzsaurem Trimethylamin auf 260-300°. Auf diese Weise erhält man es aus dem wässerigen Produkt der trocknen Destillation der Runkelrübenmelassenschlempe. Es ist ein farbloses Gas, riecht angenehm ätherisch, schmeckt süßlich und wird bei -36° oder durch starken Druck zu einer farblosen Flüssigkeit verdichtet, die bei -22° siedet. Man benutzt das M. zur Eisbereitung, zur Extraktion von Parfümstoffen aus Blüten und zur Darstellung methylierter Teerfarben, weil es wohlfeiler ist als das früher benutzte Methylbromür und Methyljodür und minder gefahrvoll als das Methylnitrat, welches wiederholt zu Explosionen Veranlassung gegeben hat.

Methylgrün, s. Anilin, S. 592.

Methyljodür (Jodmethyl) CH3J ^[CH_{3}J] entsteht bei Einwirkung von Jodwasserstoffsäure oder Jodphosphor auf Methylalkohol, ist eine farblose Flüssigkeit, riecht ätherisch, etwas stechend, siedet bei 44°, löst sich kaum in Wasser, leicht in Alkohol und Äther, zersetzt sich am Licht und dient in der synthetischen Chemie zur Darstellung der verschiedenartigsten Methylverbindungen.

Methylmorphīn, s. Kodein.

Methylnitrāt, s. v. w. Salpetersäuremethyläther.

Methyloxyd, s. v. w. Methyläther.

Methyloxydhydrāt, s. v. w. Methylalkohol.

Methyltheobromīn, s. Kaffein.

Methylviolett, s. Anilin, S. 591.

Methylwasserstoff, s. v. w. Methan.

Methymna, im Altertum bedeutende Stadt auf der Nordküste der Insel Lesbos, mit einem geräumigen Hafen, aber schon seit dem Peloponnesischen Krieg, wo sie treu zu Athen hielt und von den Spartanern erobert wurde, herabgekommen. Sie war besonders durch ihren Weinbau berühmt. Jetzt Molyvo.

Methyologīe (Methýstik, griech.), Zechlehre.

Métier (franz., spr. -tjeh), Handwerk, Gewerbe, Berufsthätigkeit; auch Web- oder Wirkstuhl.

Metiŏche, Schwester der Menippe (s. d.).

Metis, in der griech. Mythologie die Personifikation der Klugheit, eine Okeanide, reichte dem Kronos jenen Trank, der bewirkte, daß er seine verschlungenen Kinder wieder ausspie. Sie war die erste Gemahlin des Zeus; da diesem aber die Weissagung wurde, sie werde ihm zuerst ein Mädchen, dann aber einen Sohn gebären, dem die Herrschaft bestimmt sei, verschlang er sie und gebar hierauf aus seinem Haupte die Athene.

Metkovic (spr. -witsch), Marktflecken in Dalmatien, an der Narenta, nahe der herzegowinischen Grenze, Endpunkt der Eisenbahn M.-Mostar, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts und eines Hauptzollamtes, mit lebhaftem Handel nach der Herzegowina, einem Hafen, in welchen 1885: 652 Schiffe mit 52,307 Ton. einliefen, und (1880) 1342 Einw. Südlich davon am Unterlauf der Narenta Fort Opus.

Metobŏlos (griech.), s. Asteriskos.

Metöken (griech.), die im alten Athen ansässigen Fremden oder Schutzverwandten, deren Anzahl zuzeiten sehr bedeutend war (309 v. Chr. 10,000 erwachsene Männer). Sie genossen den Schutz des Gesetzes, bezahlten dafür ein Schutzgeld, von dem jedoch die befreit waren, die als Seesoldaten oder Matrosen Dienste thaten, konnten aber kein Grundeigentum erwerben und mußten vor Gericht einen Bürger zum Vertreter haben. Oft wurden, um die Bürgerschaft zu ergänzen und zu vermehren, M. in dieselbe aufgenommen, so von Kleisthenes nach seiner Verfassungsreform (509). Da die M., von dem Kriegs- und Staatsdienst frei, ihre ganze Thätigkeit dem Erwerb zuwenden konnten, wurden sie die größte Handels- und Geldmacht in Athen.

Meton, ein Athener, welcher 433 v. Chr. den nach ihm benannten Cyklus vorschlug, der 125 volle und 111 leere Monate (zu 30 und 29 Tagen) oder 12 gemeine Jahre zu 12 Monaten und 7 Schaltjahre zu 13 Monaten umfaßte, so daß im Mittel ein Monat = 29,532 Tagen, ein Jahr = 365,263 Tagen war.

Metonomasīe (griech.), Veränderung des Namens, besonders durch Übersetzen in eine andre Sprache, z. B. Agricola statt Bauer, eine Sitte, die namentlich unter den Gelehrten des 15. und 16. Jahrh. herrschte; daher metonomastisch, auf M. beruhend.

Metonymīe (griech., "Namenvertauschung"), rhetorische Figur, welche einen Gegenstand für den andern setzt, nicht wegen der Ähnlichkeit, wie die Metapher (s. d.), sondern wegen der nahen und leicht erkennbaren Beziehungen, in welchen sie zu einander stehen. Die M. hat somit ihren Grund in einem Zusammenhang oder einer Verwandtschaft der Begriffe. So setzt sie den Ort statt dessen, was darin ist (z. B. der Wald singt des Schöpfers Lob, für: die Vögel im Wald), oder die Zeit statt der darin Lebenden (z. B. Zukunft statt Nachkommen); sie vertauscht die Ursache mit der Wirkung (z. B. Schattenpflanzen, statt Bäume), den Stoff mit dem daraus Verfertigten (z. B. Stahl statt Schwert), das Zeichen mit dem Bezeichneten (z. B. Zepter statt Herrschaft) etc. Eine Abart der M. ist die Synekdoche (s. d.).

Metōpen (v. griech. metōpon, Stirn, Vorderseite; Zwischenfelder), in der Baukunst Bezeichnung der zwischen den Triglyphen befindlichen Öffnungen oder Zwischenfelder des dorischen Frieses, welche auf dem über die Säulen gestreckten Architrav ruhen und das Hauptgesims tragen. Anfangs waren die M. offen und wurden dann mit Vasen oder Schädeln von Opfertieren besetzt; später wurden sie geschlossen, doch stets etwas hinter die Balkenköpfe zurückgerückt, nachmals auch mit Skulpturen verziert. Da dieselben fast quadratisch waren, so machte ihre Einteilung, wenn größere Säulenweite angenommen ward, Schwierigkeiten, daher die ionische Säulenordnung nur noch den glatten Fries und M. nur am Kranzgesims zeigt. S. Abbildung und Tafel "Säulenordnungen", Fig. 1-3.

^[Abb.: a Metope des dorischen Frieses.]

Metoposkopīe (griech., "Stirnschau"), die vorgebliche Kunst, aus den Faltenlinien der Stirn die geistige und sittliche Beschaffenheit des Menschen, ja wohl seine vergangenen und seine noch bevorstehenden Erlebnisse zu erkennen. In den alten metoposkopischen Schriften werden meist sechs horizontale Stirnlinien und eine senkrechte tiefste unterschieden. Sie führen von oben nach unten die Namen der Planeten: Saturnal-, Jovial-, Martial-, Venus-, Solar-, Lunar-, Merkuriallinie, und neben ihnen werden noch Schwesterlinien beachtet. Vgl. Chiromantie.

Metra (griech.), s. v. w. Gebärmutter, Uterus; Metralgie, der Gebärmutterschmerz; Hydro-M., Anfüllung der Gebärmutterhöhle mit schleimig-wässerigem Drüsensekret; Hämato-M., Anfüllung dieser Höhle mit Blut bei Verschluß des Muttermundes.