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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Metz - Meulan.

Zernierungsarmee hatte diesen beispiellosen Erfolg mit einem Gesamtverlust von 102 Offizieren und 5000 Mann erkauft, welche auf dem Schlachtfeld oder in den Lazaretten gestorben waren. Am 29. Okt. vormittags wurden die Forts von den deutschen Truppen besetzt, und es begann der Ausmarsch der Armee, welche schon vorher ihre Waffen abgelegt hatte, und dauerte unter strömendem Regen bis zum späten Abend. Aus den Biwaks wurden sodann die Franzosen nach und nach in die Kriegsgefangenschaft nach Deutschland abgeführt.

Die Kapitulation von M. machte die erste und zweite deutsche Armee für den Schutz der Zernierung von Paris verfügbar und befreite die dortige Armee aus einer seit der Bildung der französischen Loirearmee bedenklichen Lage; insofern hat sie die Kapitulation von Paris zur Folge gehabt und den Krieg entschieden. Bei der französischen Nation erregte sie daher auch die größte Bestürzung und den höchsten Zorn. Gambetta erließ eine leidenschaftliche Proklamation, in der er Bazaine ganz offen des Verrats beschuldigte. Die Erbitterung gegen den "homme de M." warum so größer, als man, von aller Verbindung mit ihm abgeschnitten, ganz überspannte Hoffnungen auf seinen fortgesetzten Widerstand gesetzt hatte; eine Flut von Büchern und Broschüren ehemaliger Verteidiger von M. häufte auf ihn alle Schuld an dem unglücklichen Ausgang, und Bazaine mußte sich daher 1873 einem Kriegsgericht stellen, das ihn wegen der Übergabe von M. verurteilte. Wie fehlerhaft nun auch sein Verhalten Mitte August war, so ist doch nicht zu leugnen, daß er die Festung eine längere Zeit hielt, als es bei der Mangelhaftigkeit der Außenforts einer bloßen Besatzung möglich gewesen wäre. Daß M. deutsch bleiben würde, hatte schon die Proklamation des Prinzen Friedrich Karl vom 27. Okt. 1870 verkündet. Trotz aller Bemühungen Thiers', der sogar Luxemburg kaufen und gegen M. austauschen wollte, wurde es im Frankfurter Frieden 10. Mai 1871 an Deutschland abgetreten. Vgl. Bazaine, L'armée du Rhin (1871); Derselbe, Épisodes de la guerre de 1870 et le blocus de M. (Madr. 1883); "Der deutsch-französische Krieg 1870/71", redigiert von dem Großen Generalstab (Berl. 1872 ff.); v. Fircks, Die Verteidigung von M. im Jahr 1870 (Berl. 1872); v. d. Goltz, Die Operationen der zweiten Armee bis zur Kapitulation von M. im Jahr 1870 (das. 1874); Paulus, Geschichte der Zernierung von M. (das. 1875).

Metz, August, Führer der Fortschrittspartei im Großherzogtum Hessen, geb. 20. April 1818 zu Dreieichenhain in Hessen-Darmstadt, studierte von 1836 ab in Heidelberg und Gießen die Rechte, ward Hofgerichtsadvokat in Darmstadt und machte sich zuerst beim Ausbruch der Märzrevolution 1848 als politischer Redner bekannt. Von 1850 bis 1856 und von 1862 bis zu seinem Tod war er Mitglied der hessischen Zweiten Kammer und Führer der liberalen Partei. 1859 war er einer der Gründer des Nationalvereins und wirkte unablässig für das Ziel desselben durch seine begeisterten Reden auf unzähligen Versammlungen in ganz Deutschland. Er stiftete in Hessen die Fortschrittspartei, gründete die "Hessische Landeszeitung" und die "Mainzeitung" als Organe derselben und verschaffte ihr seit den Wahlen von 1862 durch seine eifrigen Agitationen den dauernden Sieg und die Majorität in der Kammer. Mit großem Mut beantragte er 1866 als Präsident des Finanzausschusses die Verweigerung der Geldmittel für den Krieg gegen Preußen. Auch war er Mitglied des Zollparlaments und des ersten deutschen Reichstags und gehörte zur nationalliberalen Partei. Er starb 23. Febr. 1874 in Darmstadt.

Metze, Maß für trockne Dinge. In Preußen war die M. = 1/16 Scheffel = 3,4351 Lit.; in Sachsen = 1/16 Dresdener Scheffel = 6,499 L.; in Braunschweig der vierte Teil eines Vierfasses oder 1/16 Himten = 1,9465 L.; in Gotha = 1/16 Malter = 10,9154 L.; in Kurhessen = 1/16 Viertel oder 10,046 L. In Süddeutschland ist der Name Metzen gebräuchlich, ein weit größeres Maß als die norddeutsche M.: der bayrische Metzen = 37,0596 L. und 6 Metzen = 1 Schaff; der österreichische Metzen = 61 L. und 30 Metzen = 1 Mut; der Pester Metzen = 93,7476 L.; der Preßburger Metzen = 62,4984 L.

Metzenseifen (Ober- und Unter-M.), zwei Märkte im ungar. Komitat Abauj-Torna, mit (1881) 1359 und 3213 meist deutschen Einwohnern und wichtigen Eisenstein- und Kupfergruben.

Metzger, s. Fleischer.

Metzgerpost, vulgäre Bezeichnung für die Besorgung von Briefen und Paketen durch Metzger, die auf Viehkauf umherziehen.

Metzgersprung, in München eine alte Sitte (angeblich Pestgelübde), wonach am Faschingsmontag eine Anzahl Lehrjungen, in Lammfelle gekleidet, nach festlichem Umzug in den Brunnen am Marienplatz springen, um hier von dem Zunftmeister unter allerlei Sprüchen die Gesellentaufe zu erhalten. Der Brauch ist am neuen Brunnen daselbst bildlich dargestellt, nachdem er seit 1877 aufgehört hat. Vgl. Baumgärtner, Der M. (Münch. 1826).

Metzingen, Stadt im württemberg. Schwarzwaldkreis, Oberamt Urach, an der Erms, Knotenpunkt der Linien Plochingen-Villingen der Württembergschen Staatsbahn und M.-Urach der Ermsthalbahn, 341 m ü. M., hat eine gotische, neuerdings restaurierte Pfarrkirche, eine Realschule, ein neues Schlachthaus, eine Korbflechterlehranstalt, Woll- und Baumwollspinnerei, Färberei, Strumpfweberei, bedeutende Tuch- und Lederfabrikation, mechanische Werkstätten, große Bierbrauereien, Vieh- und Pferdehandel und (1885) 5350 meist evang. Einwohner.

Metzu, Gabriel, Maler, s. Metsu.

Méu, chines. Feldmaß, s. Ma-u.

Meuble (franz.), s. Möbel.

Meuchelmord, s. Mord.

Meudon (spr. mödóng), Marktflecken im franz. Departement Seine-et-Oise, Arrondissement Versailles, unweit der Seine, Station der Westbahn, mit (1886) 7621 Einw., Weinbau, Kreidebrüchen (Blanc de M.) und Glasflaschenfabrikation, einem astronomischen Observatorium und Werkstätten für militärische Luftschiffahrt. In der Kirche ein Denkmal Rabelais', Pfarrers von M. Der umliegende Wald (Bois de M.) ist ein Lieblingsausflug der Pariser. Das ehemalige kaiserliche Lustschloß daselbst wurde 1695 vom Dauphin, dem Sohn Ludwigs XIV., erbaut, später von Napoleon I. glänzend restauriert und ist von schönen, nach Lenôtres Plänen angelegten Gärten umgeben. Nach dem Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 ward es die Sommerresidenz von Jérôme Napoleon und nach dessen Tod (1860) von seinem Sohn, dem Prinzen Napoleon. Ein älteres, vom Kardinal von Lothringen unter Franz I. erbautes Schloß wurde 1804 zerstört. Die Höhen von M. spielten während der Belagerung von Paris 1870/71, von den Deutschen besetzt, eine wichtige Rolle.

Meulan (spr. mölāng), Stadt im franz. Departement Seine-et-Oise, Arrondissement Versailles, an der Seine, Station der Westbahn, hat (1881) 2564