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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mexiko

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Mexiko (Staat) - Mexiko (Stadt).

der Vereinigten Staaten, welche stets nur Juarez anerkannt und auch unterstützt hatte, eine drohende Haltung gegen die französische Intervention ein, so daß es Napoleon III. geraten fand, M. zu räumen, um einen Krieg mit den Vereinigten Staaten zu vermeiden. Alle Bemühungen Maximilians, diesen Beschluß rückgängig zu machen, waren vergeblich. Da er nicht mit der Erinnerung an ein verfehltes Unternehmen belastet nach Europa zurückkehren mochte, sah er den einzigen Ausweg in dem Kampf bis aufs Äußerste und einem ehrenvollen Untergang und begab sich, nachdem die Franzosen im März 1867 M. verlassen hatten, nach Queretaro, wo er von Escobedo eingeschlossen wurde. Am 15. Mai fiel Queretaro und mit der Festung der Kaiser durch Verrat des Obersten Lopez in die Hände der Juaristen, und 19. Juni wurde Maximilian nebst den Generalen Mejia und Miramon nach kriegsrechtlicher Verurteilung, trotz aller Bemühungen der fremden Gesandten, erschossen. Am 21. Juni öffnete die Stadt M. Porfirio Diaz die Thore, 25. Juni ergab sich auch Veracruz.

Durch seine standhafte Ausdauer hatte Juarez und mit ihm die liberale Partei gesiegt. Im Dezember 1867 wurde er bis 1871 und 1871 bis 1875 von neuem zum Präsidenten gewählt. Die innern Kämpfe ruhten jedoch nicht, denn wenn auch sein Gegner, der General Jesus Gonzales Ortega, im August 1868 sich unterwarf, so fanden doch schon in den nächsten Jahren neue Aufstände statt; auch der alte Santa Anna hatte sich 1867 wieder geregt. Diese Unruhen wurden indessen meistens unterdrückt, oft mit blutiger Strenge. Die Beziehungen zum Ausland waren nicht überall die besten, da Juarez weder die Anleihen anerkannte, welche unter dem Kaiserreich Maximilians abgeschlossen worden waren, noch mit den Repräsentanten der fremden Mächte, welche früher bei der kaiserlichen Regierung, aber noch nicht aufs neue bei der Republik beglaubigt waren, amtlich verhandeln wollte. Nach Juarez' Tod (18. Juli 1872) trat Lerdo de Tejada als Präsident des obersten Gerichtshof nach den Bestimmungen der Verfassung an Juarez' Stelle und wurde 1. Nov. 1872 und von neuem im Juli 1876 zum Präsidenten gewählt. Doch im November 1876 gelang es Porfirio Diaz nach wiederholten vergeblichen Empörungsversuchen, die Hauptstadt M. zu erobern, Lerdo zu stürzen und sich im Februar 1877 zum Präsidenten wählen zu lassen. Derselbe errichtete zunächst ein ansehnliches stehendes Heer, das allerdings drei Viertel der Staatseinkünfte verschlang, wodurch die Regelung der Finanzen erschwert wurde, war aber nun im stande, die öffentliche Ruhe und die Autorität der Behörden wirksam aufrecht zu erhalten. Die Verfassung beobachtete er streng, gab durch die Herstellung des Vertrauens zum innern Frieden Handel und Gewerbe einen Aufschwung und erhöhte durch Revision des Zolltarifs und Unterdrückung des Schmuggels die Einnahmen. Der Bau von Eisenbahnen wurde in beträchtlichem Umfang begonnen, und zahlreiche Amerikaner wanderten mit ihrem Unternehmungsgeist und ihren Kapitalien ein. Auf Diaz folgte 1. Dez. 1880 sein ihm gleich gesinnter Freund Gonzales als Präsident, ohne daß eine Störung des öffentlichen Friedens dabei stattfand. Gonzales entsprach freilich nicht den gehegten Erwartungen, indem er nicht nur selbst sich Bestechungen und Unterschlagungen zu schulden kommen ließ, sondern auch die meisten Ämter mit habgierigen Menschen besetzte. Für die Besserung der Finanzen und die Hebung von Handel und Gewerbe geschah nichts. Diaz, der am 1. Dez. 1884 wieder Präsident wurde, sah sich daher genötigt, die Zölle übermäßig zu erhöhen und neue Anleihen aufzunehmen, ferner Gonzales und Genossen anklagen zu lassen, wodurch er diese zu Aufstandsversuchen reizte. Vgl. Alaman, Historia de M. (Mex. 1849-52, 5 Bde.); Prescott, History of the conquest of M. (neue Ausg., Lond. 1884, 2 Bde.; deutsch, Leipz. 1845, 2 Bde.); Torrente, Historia general de la revolucion moderna hisp.-americana (Madr. 1829-30, 5 Bde.); Mora, M. y sus revoluciones (Par. 1834, 8 Bde.); Derselbe, Documentos para la historia de M. (Mexiko 1853-57, 20 Bde.); Cuevas, Porvenir de M. 1821-51 (das. 1851-57, 3 Tle.); Lester, The Mexican republic, an historic study (New York 1878); Frost, History of M. (New Orl. 1882); Labédollière, Histoire de la guerre de Mexique (Par. 1866); Niox, Expédition du Mexique, Récit politique et militaire (das. 1874); Bibesco, Au Mexico 1862 (das. 1887); Kendall, M. under Maximilian (Lond. 1872); Pimentel, Historia critica de la literatura y de las ciencias en M. (Mexiko 1886 ff.). Weiteres bei Art. Amerikanische Altertümer.

Mexiko, einer der Staaten der mexikan. Bundesrepublik, bei Einschluß der Bundeshauptstadt nach Bevölkerung, Industrie und Handel der wichtigste Teil derselben, grenzt gegen N. an Hidalgo, gegen O. an Tlaxcala und Puebla, gegen S. an Morelos und Guerrero und gegen W. an Michoacan und Queretaro und hat einen Flächengehalt von 21,460 qkm (389,7 QM.) mit (1882) 710,579 Einw. Das Gebiet gehört ganz dem mexikanischen Hochland an und besteht aus einem Plateau, über welches sich im O. und S. Gebirge von bedeutender Höhe erheben, z. B. der Nevado de Toluca (4570 m) und im südöstlichen Winkel der Popocatepetl (5422 m). In der Mitte des Landes liegen die vier Seen der Ebene von Tenochtitlan, nämlich die von Chalco, Tezcuco (2280 m), Cristoval und Zumpango. Größere Flüsse gibt es nicht. Das Klima des Landes läßt alle Kulturgewächse der gemäßigten Zonen beider Hemisphären gedeihen und gestattet an günstigen Stellen auch den Anbau derjenigen der heißen Zone. Wo auf den Hochebenen Wasser zur Bewässerung der Felder vorhanden ist, sind diese größtenteils sehr fruchtbar. Die Gebirge tragen zum Teil schöne Wälder. Wichtig sind Ackerbau, Industrie und Handel, für welch letztern die Bundeshauptstadt M. einen beherrschenden Zentralpunkt bildet, indem die Haupthandelshäfen des Landes vornehmlich nur Importplätze für den großen Markt der Hauptstadt bilden. Angebaut werden vorzugsweise Mais, Weizen, Bohnen, Gerste, Chilipfeffer, Zuckerrohr, Sesamum, Anis etc. Die Bergwerke beschäftigten 1878: 1500 Menschen und ergaben einen Ertrag von 458,900 Pesos. Außer Gold und Silber kommen auch Eisen, Blei, Quecksilber, Kupfer, Zinn etc. vor. Die Industrie ist von Bedeutung; 1882 zählte man 3 Baumwollfabriken, 3 Wollfabriken, 3 Eisengießereien, 24 Branntweinbrennereien, 2 Brauereien, ein Salzwerk, eine Tabaksfabrik, 2 Glashütten, 34 Zuckermühlen, 37 Kornmühlen und 5 Ölmühlen; doch sind die Fabriken des Distrito federal hierbei nicht eingeschlossen. Hauptstadt ist Toluca. S. Karte "Mexiko".

Mexiko, die Hauptstadt der gleichnamigen. Bundesrepublik, bildet mit dem Umkreis von 2 spanischen Meilen jetzt den direkt unter der Bundesregierung stehenden Bundesdistrikt (Distrito federal), der auf 1200 qkm (21,8 QM.) im J. 1882: 426,804 Einw. (in der Stadt selbst 300,000) zählte. Die Stadt liegt