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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Michailow; Michailowskaja; Michailowski-Danilewski; Michaud; Michaux; Michel

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Michailow - Michel.

Armen und daraufliegendem roten Georgskreuz mit dem Mittelavers des Ordens, das der Kommandeure aus einem ähnlichen vierstrahligen Stern. Das Band ist blau.

Michailow, Kreisstadt im russ. Gouvernement Rjäsan, an der Pronjä, hat 9 Kirchen, ein Militärgymnasium, Handel mit Cerealien, Vieh, Pferden und Holz, große Obstgärten und (1885) 3000 Einw.

Michailowskaja, Staniza im Donischen Kosakengebiet, am Choper, mit (1872) 17,848 Einw. und drei Jahrmärkten, von denen der Kreschtschenskische (25. Dez. bis 12. Jan.) der bedeutendste ist.

Michailowski-Danilewski, Alexander Iwanowitsch, russ. Geschichtschreiber, geb. 1790, studierte zu Göttingen Kameralwissenschaft, trat 1812 in die Kanzlei des russischen Finanzministeriums, machte sodann als Kutusows Adjutant die Feldzüge von 1812 bis 1813, als Wolchonskis Kanzleichef die von 1813 bis 1814 mit, wohnte dem Wiener Kongreß bei und folgte hierauf (1815-18) dem Kaiser Alexander I. auf dessen Reisen. Im Türkenkrieg (1829) befehligte er unter Diebitsch als Generalmajor, ward 1835 zum Generalleutnant, 1839 zum Senator und Mitglied des Kriegsrats ernannt und starb 21. Sept. 1848 in Petersburg. Seine Hauptwerke: "Beschreibung des türkischen Kriegs von 1806 bis 1812" (Petersb. 1843, 4 Bde.), "Denkwürdigkeiten über die Feldzüge der Jahre 1812-13" (das. 1834), "Denkwürdigkeiten über den Feldzug des Jahrs 1813" (deutsch von Goldhammer, Dorpat 1837) und "Denkwürdigkeiten über den Krieg aus den Jahren 1814-15" (das. 1835, 2 Bde.; deutsch von Goldhammer, das. 1838), die teilweise zahlreiche Auflagen erlebten und gesammelt Petersburg 1849-50 in 7 Bänden erschienen, sind in sehr gutem Stil und mit schwungvollem Patriotismus geschrieben, entbehren aber der strengen Unparteilichkeit und gewissenhaften Wahrheit.

Michaud (spr. -scho), Joseph François, franz. Geschichtschreiber, geb. 19. Juni 1767 zu Albens in Savoyen, begab sich 1791 nach Paris, wo er in seinem Journal "La Quotidienne" so entschieden für das Königtum auftrat, daß er 1795 zu Chartres verhaftet und zum Tod verurteilt wurde. Er entfloh in die Schweiz, wo er sein satirisches Gedicht "Le printemps d'un proscrit" (Par. 1804, vermehrte Aufl. 1827) schrieb. Nach dem 18. Brumaire lebte er wieder in Paris, widmete sich fortan aber meist historischen Studien. Früchte derselben sind: "Histoire des progrès et de la chute de l'empire de Mysore" (Par. 1801, 2 Bde.); "Histoire des croisades" (das. 1812 bis 1822, 7 Bde.; in vielen Ausgaben; neu bearbeitet von Huillard-Bréholles, 1856 ff.; deutsch, Quedlinb. 1827-32, 7 Bde.); "Bibliothèque des croisades" (Par. 1822; 2. Aufl. 1829, 3 Bde.), Auszüge aus den Quellenschriftstellern der Kreuzzüge enthaltend; "Biographie moderne" (das. 1802, 4 Bde.), die von der Polizei mit Beschlag belegt wurde, und die gegen Napoleon I. gerichtete "Histoire des XV semaines" (das. 1815), von welcher in kurzer Zeit 27 Auflagen nötig wurden. 1813 war M. zum Mitglied der französischen Akademie und 1815 zum Deputierten in die Chambre introuvable gewählt worden. Die Stelle eines Generalkommissars der Journale und eines Vorlesers des Königs, die er 1814 erhalten hatte, verlor er bald wieder wegen seiner Sympathie mit der freien Presse. Die "Correspondance d'Orient" (Par. 1833-35, 7 Bde.) ist die Frucht einer orientalischen Reise. Gemeinschaftlich mit Poujoulat gab er die "Collection de mémoires pour servir à l'histoire de France depuis le XIII. siècle" (1836-39, 32 Bde.) heraus. Er starb 30. Sept. 1839 in Passy. - Sein jüngerer Bruder, Louis Gabriel, genannt Michaud jeune, geb. 1772 zu Bourg en Bresse, gest. 20. März 1858 in Ternes, ein eifriger Royalist, machte in den republikanischen Armeen mehrere Feldzüge mit und legte sodann mit seinem Bruder zu Paris eine Buchdruckerei und eine Buchhandlung an, aus welcher unter anderm die von ihm selbst redigierte "Biographie universelle ancienne et moderne" (1811 bis 1828, 52 Bde.; 2. Aufl. 1842-65, 45 Bde.; 3. Aufl. 1870 ff.) und die "Biographie des hommes vivants" hervorgingen.

Michaux (spr. -scho), André, franz. Naturforscher u. Reisender, geb. 1746 zu Sartory bei Versailles, bereiste Persien, Nordamerika, Teneriffa, Ile de France, starb auf Madagaskar 1802. Er schrieb: "Histoire des chènes de l'Amérique septentrionale" (1801; deutsch, Stuttg. 1802); "Flora boreali-americana" (1803, 2 Bde.). - Sein Sohn François André, geb. 1770 zu Versailles, bereiste Amerika, starb 1855 in Vauréal bei Pontoise, beschrieb die Waldbäume Nordamerikas.

Michel, Abkürzung von Michael, als Kose- und Spottname gebraucht mit der Nebenbedeutung des Schwerfällig-Gutmütigen, Einfältigen; daher deutscher M., etwa seit dem Befreiungskrieg gebrauchte Benennung der deutschen Nation, die deren politische Unreife und Indolenz andeuten sollte.

Michel (spr. -schell), 1) Francisque, franz. Litterarhistoriker, geb. 18. Febr. 1809 zu Lyon, seit 1839 Professor an der Faculté des lettres zu Bordeaux, gehört zu den gründlichsten Kennern der ältern französischen Sprache und Litteratur und hat sich durch zahlreiche Ausgaben älterer Litteraturdenkmäler (darunter "La chanson de Roland et le roman de Roncevaux", 1869) verdient gemacht. Von seinen kulturhistorischen Werken sind hervorzuheben: "Histoire des races maudites de la France et de l'Espagne" (Par. 1847, 2 Bde.); "Histoire des hôtelleries, cabarets, hôtels garnis, etc." (1851-54, 2 Bde.); die preisgekrönten Schriften: "Étude de philologie comparée sur l'argot, etc." (1856); "Recherches sur le commerce, la fabrication et l'usage des étoffes de soie, etc., pendant le moyen-âge" (1852-54, 2 Bde.); "Le pays basque, sa population, sa langue, etc." (1857); "Histoire du commerce et de la navigation à Bordeaux" (1867-71, 2 Bde.). Später gab er "OEuvres choisies de Shakespeare" ^["Œuvres choisies de Shakespeare"] in Übersetzung (1868, 3 Bde.), "Le livre des psaumes, ancienne traduction française" (1877) und "Rôles gascons" (1885, Bd. 1) heraus.

2) Marc Antoine Amédée, franz. Vaudevillendichter, geb. 22. Juli 1812 zu Marseille, war seit 1834 in Paris litterarisch thätig; starb daselbst 12. März 1868. M. begann als Dichter mit elegischen Poesien, später schlug er einen andern Ton an und versorgte in Gemeinschaft mit Labiche, Lefranc, Delacour u. a. die Theater mit Vaudevilles, deren er mehr als hundert verfaßte. Wir nennen von diesen Stücken, deren Wirkung auf dem übertrieben Possenhaften der Situation wie der Sprache beruht: "La chanteuse des rues", "Un tigre du Bengale", "Une femme qui perd ses jarretières", "Le chapeau de paille d'Italie", "Mesdames de Montenfriche", "Les finesses de Bouchavannes" etc.

3) Louise, franz. Kommunistin, geb. 1836 auf dem Schloß Vroncourt (Haute-Marne) als uneheliche Tochter des Besitzers, erhielt durch ihren Vater eine sehr gute Erziehung, verließ nach dessen Tod 1850 das Schloß, machte das Lehrerinnenexamen und be-^[folgende Seite]