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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mitchell - Mithra.

Mitchell (spr. míttschell), Fluß auf der Yorkhalbinsel der britisch-austral. Kolonie Queensland, entspringt auf einer felsigen, der Rockinghambai parallel laufenden Hügelkette. Sein Oberlauf ist wenig bekannt, scheint aber aus einem breiten, sandigen, wasserlosen Bett zu bestehen. Auch sein von Leichhardt 1845 verfolgter großer Nebenfluß Lynd hält Wasser nur in getrennten Lachen. Nach der Vereinigung mit demselben wird das Flußbett des M. bis zu 2½ km breit. Der Fluß wird fischreich und beherbergt Alligatoren.

Mitchell (spr. míttschell), Donald Grant, amerikan. Schriftsteller, geb. 1822 zu Norwich in Connecticut, studierte seit 1846 zu New York Jurisprudenz, machte dann Reisen durch Europa, war 1848 während der Revolution in Paris und schrieb in dieser Zeit (unter dem Pseudonym Ik Marvel) die Skizzensammlung "Fresh gleanings" (1847, neue Ausg. 1851) und "The battle summer" (1849). Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten (1850) erschienen von ihm satirische Skizzen über die moderne Gesellschaft: "The lorgnette", und sein gedankenreichstes Werk: "Reveries of a bachelor", dem 1851 sein populärstes Werk: "Dream life" folgte. 1853-55 amerikanischer Konsul in Venedig, sammelte er eifrig für eine (noch nicht publizierte) Geschichte der Republik Venedig. Seitdem lebt er auf seinem Landsitz zu Edgewood bei New Haven in Connecticut. Er hat ferner veröffentlicht: "The judge's doings" (1854, 2 Bde.); "My farm at Edgewood" (1863); "Seven stories" (1864); "Doctor Johns: being a narrative of certain events in the life of an orthodox minister of Connecticut" (1866, 2 Bde.); "Rural studies" (1867); "Pictures of Edgewood" (1869); "About old story-tellers" (1877) u. a.

Miteigentum (lat. Condominium), s. Eigentum.

Mitella (lat.), Tragbinde, ein drei- oder viereckiges Tuch zur Unterstützung des verletzten Arms.

Miterben (lat. Coheredes), die gleichzeitig zur Erbfolge in den Nachlaß eines Verstorbenen Berufenen (s. Erbfolge).

Mitesser, in der Zoologie s. Schmarotzer.

Mitesser (Komedōnen), die weißen oder weißgrauen, wurmförmigen Massen, welche sich an verschiedenen Stellen des Körpers, besonders im Gesicht, aus den Talgdrüsen der äußern Haut hervorquetschen lassen. Die M. sind Anhäufungen der Ausscheidung der Talgdrüsen in den Drüsen selbst, wodurch letztere mehr oder weniger ausgedehnt werden und das angehäufte Sekret eine festere Konsistenz annimmt. Der an der Ausmündungsstelle befindliche Teil des Mitessers ist bräunlich oder schwärzlich gefärbt durch einen Farbstoff, welcher sich an Ort und Stelle bildet. Unter dem Mikroskop zeigen sich die M. aus Fettkörnchen und verfetteten Epithelzellen zusammengesetzt. In den durch das Drüsensekret vereiterten Talgdrüsengängen lebt die Haarsackmilbe (Demodex folliculorum), ohne weitere Störung zu verursachen. Am häufigsten finden sich M. im Gesicht, besonders an der Nase. Der Grund für die Entstehung der M. ist noch nicht klar erkannt. Es ist möglich, daß sich zuerst die Mündung der Drüsengänge durch Schmutz oder zufällig angehäufte Epithelmassen verstopft und dadurch das Drüsensekret zurückgehalten wird. Wahrscheinlich jedoch bildet die übermäßige Talgsekretion selbst die eigentliche Ursache der M. Aus den kleinern Mitessern können unter Umständen, wenn die Talganhäufung fortbesteht, wirkliche Balggeschwülste sich entwickeln. Bildet sich in der Umgebung von Mitessern eine Entzündung der Haut aus, so entsteht die Akne oder Finne (s. d.). Zur Entfernung und Verhütung der M. drückt man sie am besten vorsichtig und wiederholt mit dem Fingernagel aus, und dann wäscht man die betreffenden Hautstellen mit Benzoetinktur oder mit sehr schwacher Ätzkali- und Sublimatlösung. Sehr wirksam hat sich das energische Bürsten der kranken Hautstellen mit einer Zahnbürste und Kaliseife und die Anwendung des Kummerfeldschen Waschwassers erwiesen, welches, gut umgeschüttelt, abends vor dem Schlafengehen auf die betreffenden Hautstellen aufgetragen wird, worauf man am nächsten Morgen die Haut trocken abreibt. Hebra empfiehlt eine Paste aus gleichen Teilen Schwefelmilch, Alkohol und Glycerin, welche über Nacht auf die betreffenden Hautstellen gelegt wird, nachdem man dieselben vorher tüchtig mit Wasser und Seife abgewaschen hat.

Mitford (spr. míttförd), Miß Mary Russell, engl. Dichterin, geb. 16. Dez. 1786 zu Arlesford in Hampshire, trat zuerst mit erzählenden Dichtungen im Stil W. Scotts auf und erwarb sich durch die wohldurchdachten Trauerspiele: "Julian" (1823), "The Foscari" (1826), "Rienzi" (1828) und "Charles the first" (1829), noch mehr aber durch ihre Erzählungen, wie "Our village" (1824-32, 5 Bde.; neue Ausg. 1863, 2 Bde.) und deren Fortsetzung "Belford Regis" (1835, 3 Bde.), einen geachteten Namen. Ausgezeichnet sind in den letztgenannten Werken die Schilderungen des englischen Landlebens. Außerdem schrieb sie: "Stories of American life by American writers" (1832, 3 Bde.); "Country stories" (1837); "Recollections of a literary life" (1852, 3 Bde.; neue Ausg. 1862) und viele Erzählungen in Zeitschriften. Ihre "Dramatic works" erschienen 1854 in 2 Bänden. Sie starb 10. Jan. 1855 in Smallowfield. Ihre Briefe wurden herausgegeben von L'Estrange (in dem "Life of Miss Mary Russell M.", Lond. 1869, 3 Bde., und "The friendships of Mary R. M.", 1882, 2 Bde.) und von Chorley (1872, 2 Bde.).

Mitgefühl (sympathetisches Gefühl), dasjenige Gefühl, welches durch unwillkürliche Nachahmung eines gleichen oder entgegengesetzten, das wir an einem andern wahrnehmen, in uns selbst entsteht. Dasselbe ist entweder Mitfreude, wenn durch die Wahrnehmung fremder Lust in uns selbst ein Lust-, oder Neid, wenn durch dieselbe in uns ein Unlustgefühl, dagegen Mitleid, wenn durch die Wahrnehmung fremder Unlust in uns selbst ein Unlust-, oder Schadenfreude, wenn durch dieselbe ein Lustgefühl in uns hervorgerufen wird. Vgl. Gefühl.

Mitgift (Brautschatz, Heiratsgut, lat. Dos), im weitesten Sinn überhaupt alles Vermögen, welches die Ehefrau mit in die Ehe bringt (Eingebrachtes, Illaten, Illatenvermögen); im engern Sinn derjenige Vermögenskomplex, welcher dem Ehemann seitens der Ehefrau bei Eingehung der Ehe zur Mitbestreitung der ehelichen Lasten zugebracht wird, und woran dem Ehemann nach gemeinem römischen Recht während der Ehe das Eigentumsrecht zusteht; im engsten Sinn endlich s. v. w. Aussteuer (s. d.), d. h. dasjenige, was der Ehefrau zu ihrer und ihres Hausstandes erster Einrichtung mitgegeben wird. Das römische Dotalrecht ist vielfach durch deutschrechtliche Institutionen modifiziert worden. S. Güterrecht der Ehegatten.

Mit Gott für König und Vaterland, Devise des von Friedrich Wilhelm III. 1813 gestifteten Landwehrkreuzes, später wiederholt Losungswort konservativer Parteien in Preußen.

Mithra, in der ältesten Zeit, ehe der Kult des Ormuzd aufkam, wahrscheinlich der höchste Gott der