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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Möbelstoffe - Mobilmachung.

heutigen Tag in Geltung gebliebenen Art. Namentlich wurden Schränke der verschiedensten Größe und Bestimmung zu einem Hauptbestandteil des Mobiliars und zu einem Hauptobjekt künstlerischer Gestaltung: neben den auf das mannigfaltigste und kostbarste gezierten, mit Geheimfächern etc. versehenen Kunstschränken und Kabinetten erscheinen insbesondere Kredenztische oder Büffette (Fig. 6 u. 10), Bücherschränke, Truhen für Kleider und Wäsche (Fig. 11), Schmuck und Waffenschränke, Tische (Fig. 5), Sitzmöbel für profane (Fig. 2 u. 4) und kirchliche Zwecke (Kirchen- und Chorstühle, Fig. 7) etc. Holzbildhauerei, Drechslerkunst und eingelegte Arbeit aus verschiedenfarbigem Holz (Holzintarsia), aber auch in Marmor, Halbedelsteinen, Messing und Zinn dienen zur Ausschmückung der M. Diese verschiedenen Techniken begreift man unter dem Namen Kunsttischlerei. Den kräftigen Formen der Barockzeit folgen die zierlichen, gewundenen und geschnörkelten Formen des Rokoko (Fig. 1 u. 8). Man maskierte das Holz mit weißem Lackanstrich, Vergoldung und Bemalung, und der Tischler Boulle brachte die Einlagen von Schildkrot und Metall in die Mode (Fig. 12). Von der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts an bis zur Mitte des jetzigen herrschte die Geradlinigkeit und Schmucklosigkeit, die Anwendung der Furnierung der wohlfeilen Holzarten mit dünnen Platten kostbarerer Hölzer vor (Fig. 13). In der Gegenwart wird die deutsche Kunsttischlerei, welche seit ca. 1875 einen großen künstlerischen Aufschwung genommen hat, meist von dem Renaissancegeschmack beherrscht, während die Franzosen mehr den nationalen Stilrichtungen (Louis XIV, XV und XVI) folgen. In England hat sich ein eigentümlicher Möbelstil ausgebildet, welcher mehr von dem praktischen Bedürfnis als von künstlerischen Grundsätzen beeinflußt wird. Vgl. Jacquemart, Histoire du mobilier (Par. 1877); Champeaux, Le meuble (das. 1885, 2 Bde.); Bonaffé, Le meuble en France au XVI. siècle (das. 1886); Hirth, Das deutsche Zimmer (3. Aufl., Leipz. 1886); Storck, Einfache M. im Charakter der Renaissance (Wien 1875); Schwenke, Ausgeführte M. und Zimmereinrichtungen der Gegenwart (Berl. 1883-87, 2 Bde.); Pape, Der Möbeltischler der Renaissance (Dresd. 1885); Havard, Dictionnaire de l'ameublement (Par. 1887 ff.); "Illustrierte Schreinerzeitung" (hrsg. v. Luthmer, Stuttg., seit 1882). S. auch Zimmerausstattung.

Möbelstoffe, Gewebe verschiedener Art zum Beziehen von Polstermöbeln, zu Vorhängen, Decken etc., namentlich Atlas, Damast, Kattun, Plüsch, Roßhaargewebe. In neuester Zeit haben namentlich Jutegewebe als M. große Bedeutung erlangt.

Mobīl (lat.), beweglich, rüstig, kriegsbereit.

Mobile (spr. mobīl), Haupthandelsstadt im nordamerikan. Staat Alabama, auf sandiger Ebene an der Mündung des Flusses M. in die Mobilebai, mit (1880) 29,132 Einw., worunter 12,240 Farbige. M. hat eine kath. Kathedrale, eine Arzneischule, ein von Jesuiten geleitetes College (im benachbarten Dorf Spring Hill), ein Theater, ein kath. Waisenhaus und andre wohlthätige Anstalten. Schiffe von 4 m Tiefgang können bis in die Docks gelangen. Zum Hafen gehören 1886: 132 Seeschiffe von 10,983 Ton. Gehalt. Wert der Ausfuhr 1885-86: 2,748,811 Dollar, der Einfuhr 69,734 Doll. Zur Ausfuhr gelangen namentlich Baumwolle, dann Holz, Teer, Terpentin, Faßdauben. Die Stadt ist Sitz eines deutschen Konsuls. - M. wurde 1699 von den Franzosen gegründet, fiel 1763 an England, 1780 an Spanien und 1813 an die Vereinigten Staaten. Am 5. Aug. 1864 erzwang sich der Unionsadmiral Farragut den Eingang zum Hafen, die Stadt selbst fiel erst 12. April 1865.

Mobile Kolonnen, Truppenabteilungen für den kleinen Krieg (s. d.), welche die Bevölkerung im Aufstand begriffener Bezirke zu entwaffnen, Verpflegung, Steuer, Kontributionen etc. einzutreiben haben.

Mobile River (spr. mobīl riwwer), Hauptfluß des nordamerikan. Staats Alabama, gebildet durch den Zusammenfluß von Alabama und Tombigbee, ergießt sich nach einem Laufe von 80 km in die seichte Mobilebai, ein Haff, 56 m tief, dessen Hauptzugang, Dog River Bar, jetzt von Schiffen von 4 m Tiefgang passiert werden kann.

Mobīlgarde (Garde mobile, eigentlich Garde nationale mobile), im Frühjahr 1848 in Stärke von 24 Bataillonen à 1000 Mann in Paris zur Bekämpfung der Revolution errichtete Truppe, wurde nach Jahresfrist aufgelöst, dann durch Gesetz vom 1. Febr. 1868 aus dem Teil der Wehrpflichtigen wieder ins Leben gerufen, der bei der Aushebung für felddienstfähig erklärt, aber durch Losnummer, Stellvertretung etc. vom Dienst im Heer frei geblieben war und im Kriegsfall zum Besatzungsdienst verwendet werden sollte. Man rechnete, bis 1877 an M. 500,000 Mann zur Verfügung zu haben; mit der Reorganisation des Heers 1872 ging die M. indes wieder ein.

Mobiliar (franz.), die Gesamtheit von Haus- und Stubengerät (s. Möbel).

Mobiliarexekution, Zwangsvollstreckung (s. d.) in das bewegliche Vermögen.

Mobiliarkredit, s. Kredit.

Mobiliarsteuer, eine direkte, auf das Einkommen aus beweglichem Vermögen gelegte Steuer. Eine solche M. ist die Kapitalrentensteuer. Die französische Contribution personnelle mobilière sollte zwar ursprünglich als Gegensatz zur Contribution foncière den Ertrag des Mobiliarvermögens treffen, sie ist jedoch in Wirklichkeit eine nach dem Mietwert der Wohnungen bemessene Einkommensteuer. Die M. kann praktisch immer nur die Erträge aus bestimmten Gattungen des beweglichen Vermögens erfassen. Letzteres entzieht sich zu sehr der Nachforschung, als daß eine volle und gleichmäßige Belastung des gesamten Einkommens aus demselben ermöglicht würde.

Mobiliarversicherung, s. Feuerversicherung, S. 219.

Mobilĭen (lat.), s. v. w. Bewegliche Güter (s. d.) im Gegensatz zu den unbeweglichen (Immobilien) oder dem Grundeigentum; im gewöhnlichen Sprachgebrauch s. v. w. Mobiliar (s. d.).

Mobilisieren (franz.), mobil machen, in Bewegung setzen; Kapital flüssig, umlaufsfähig machen, z. B. durch Verkauf, Verpfändung, insbesondre bei Grundstücken durch Erleichterung des Besitzübergangs von einer Hand zur andern.

Mobilität (lat.), Beweglichkeit; Rührigkeit.

Mobīlmachung (Mobilisierung), die Überführung des Heers aus dem Friedenszustand auf den Kriegsfuß. Dazu gehört: 1) Die Ergänzung der Feldtruppen auf volle Kriegsstärke durch Einziehen von Reserven und Beschaffen von Pferden, unter Abgabe der Kranken und Unausgebildeten, und Aufstellung der Neuformationen für das mobile Heer, wie Munitionskolonnen, Brückentrains, Proviantkolonnen etc. 2) Die Aufstellung der Ersatztruppen und der zugehörigen Handwerkerabteilungen durch Abgabe von den Truppen des stehenden Heers und Einziehen von Reserven. 3) Aufstellung der Besatzungstruppen (Landwehrinfanterie, Festungsartillerie und Pio-^[folgende Seite]