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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mohammed es Sadock; Mohammedanische Religion

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Mohammed es Sadock - Mohammedanische Religion.

krimschen Tataren zur Anerkennung seiner Oberhoheit gezwungen hatte. Es folgten langwierige Kriege mit Persien. 1480 griff M. die Insel Rhodos an, ward aber von den Johanniterrittern mit großem Verlust zurückgeschlagen. Hierauf machte er einen Angriff auf Unteritalien, und schon hatten seine Truppen die Stadt Otranto erobert, als er 1481 auf einem Zuge gegen Persien starb. Er hatte während seiner 30jährigen Regierung 12 Reiche und mehr als 200 Städte erobert. Er erhielt daher die Beinamen Ghazi (Besieger der Ungläubigen) und Fatih (Eroberer). Persönlich war er durch glänzende Eigenschaften des Geistes ausgezeichnet, wie er sich auch durch Bildung und Sinn für Kunst und Wissenschaft vor andern orientalischen Fürsten hervorthat; dagegen charakterisieren ihn Grausamkeit, Treulosigkeit, Verachtung aller Gesetze und niedrige Ausschweifungen als orientalischen Despoten.

3) M. III., Sohn und Nachfolger Murads III., geb. 1566, regierte von 1595 bis 1603 als ein Tyrann, der 19 Brüder ermorden ließ und besonders die Christen, die zu Anfang seiner Regierung sich gegen ihn erhoben hatten, grausam verfolgte. Er zog 1596 gegen die Kaiserlichen nach Ungarn zu Feld und besiegte sie bei Kereztes.

4) M. IV., Sohn Ibrahims, geb. 1642, bestieg 1648 nach dessen Absetzung den Thron und bewies sich, seit 1656 selbständig herrschend, aber ganz von seiner Umgebung abhängig, als schwacher und üppiger Wollust ergebener Regent; als seine Waffen gegen Deutsche und Polen unglücklich waren, ward er 1687 abgesetzt und starb 1692 im Kerker. Unter seiner Regierung zeichneten sich die beiden Großwesire Mohammed und Achmed Köprüli (s. d.) aus.

Mohammed es Sadock, Bei von Tunis, geb. 1813, Sohn des Beis Sidi Ahsin, folgte 23. Nov. 1859 seinem Bruder Mohammed Bei, regierte anfangs verständig, machte aber bald große Schulden, wegen deren er sein Land mit schweren Steuern belasten mußte, stellte sich 23. Okt. 1871 unter türkischen Schutz, wurde aber 22. Mai 1881 von den Franzosen zur Unterwerfung unter Frankreichs Oberherrlichkeit gezwungen und starb 27. Okt. 1882. Ihm folgte sein Bruder Sidi Ali.

Mohammedanische Religion (Mohammedanismus), die von Mohammed stammende Religionslehre, welche von ihren Bekennern selbst Islam, d. h. völlige Hingebung an Gott, genannt wird, beruht auf den im Koran enthaltenen, für Offenbarung geltenden Aussprüchen des Stifters. Der echte Islam ist übrigens zu unterscheiden von den systematisch ausgebildeten und durch fremde Zusätze entstellten Dogmen der spätern Sekten. Mohammed war kein spekulativer Kopf, und ein förmliches System seiner Lehre läßt sich schon darum nicht aufstellen, weil er sich nicht immer konsequent blieb. Seine Lehren sind nur zum geringen Teil original, diejenigen von Gott und seinen Eigenschaften, vom Satan, von der jenseitigen Belohnung und Bestrafung, vom Weltgericht wesentlich jüdisch; ebenso erhielt er von den Juden fast seinen ganzen geschichtlichen Apparat, und selbst ein großer Teil der Rechtsbestimmungen ist den jüdischen nachgebildet. Mohammed hatte den Juden seiner Zeit fast nichts vorzuwerfen, als daß sie das nur für eine bestimmte Zeit gegebene Gesetz für immer festhalten, daß sie infolgedessen weder Jesus noch ihn selbst als Propheten anerkennen wollten. Viel weniger nahm Mohammed vom Christentum auf; er verwarf entschieden als abgöttisch und widersinnig Trinität und Christologie. Dagegen entstammen der Denk- und Anschauungsweise der alten Araber viele Rechtssätze des Islam und einige der wichtigsten rituellen Bestimmungen, z. B. alles, was mit der Pilgerschaft zusammenhängt; auch seine Sittenlehre geht wesentlich von der arabischen Auffassung von Gut und Böse aus. Mohammeds eigne Zuthaten sind meist nur sekundär und bestehen mehr in bewußten oder unbewußten Modifikationen des Empfangenen als in wirklichen Neuerungen. Das mohammedanische Recht stellt das kirchliche Recht (Ibâdat) an die Spitze; es ist zunächst Glaubenslehre und enthält als solche sechs Hauptsätze. Die beiden ersten sind: "Es ist nur Ein Gott (Gott ist Gott), und Mohammed ist sein Prophet". Nach Mohammed ist die Offenbarung Gottes in der Welt eine fortschreitende, und er nimmt sechs Stufen in derselben an: Adam, Noah, Abraham, Moses, Christus und Mohammed, welcher als Kreditiv nicht Wunder, wie andre Propheten, erhielt, sondern das Schwert, um die völlige Überwindung des Unglaubens durchzusetzen. Es bedarf daher ferner keines Propheten, er ist der letzte und höchste derselben, daher er Chatem ul enbia ("Siegel der Propheten") genannt wird. Der dritte Hauptsatz handelt vom Koran (s. d.), der dem Gläubigen als ein Werk Gottes gilt und sein beständiger Begleiter ist. Den vierten Hauptsatz bildet die Lehre von den Engeln, die in gute und böse, mit vielen Unterabteilungen, zerfallen. Hier ist ein Hauptsitz des mohammedanischen Aberglaubens. Der fünfte Hauptsatz umfaßt den Glauben an den unbedingten Ratschluß Gottes. Derselbe ist wesentlich bedingt durch den Gottesbegriff und dessen alles widerstandslos beherrschende Macht. Alle Geschicke des Menschen, die guten wie die widrigen, sind von vornherein bestimmt. Die praktische Tendenz der Lehre erhellt aus der Tradition, daß Mohammed sie, um den gesunkenen Mut seiner Krieger wieder zu beleben, nach der unglücklichen Schlacht am Ohod geoffenbart habe. Übrigens spricht sich, wo es auf praktische und moralische Vorschriften ankommt, Mohammed im Sinn der Willensfreiheit aus, die von spätern Auslegern als Irade dschuzie, d. h. der winzige kleine Wille, bezeichnet wird. Offenbar ist ihm dieser Widerspruch nicht zum Bewußtsein gekommen. Die spätern theologischen Parteien haben heftige Streitigkeiten darüber geführt; bei den jetzigen Moslems herrscht jedenfalls der Fatalismus, und damit steht die bekannte Stabilität der orientalischen Kultur in engem Zusammenhang. Der sechste Hauptsatz enthält die Lehre von den letzten Dingen. Für die, welche im Kampfe für den Glauben fallen, wird der Ausgang ihres irdischen Lebens der sichere Eingang in das Paradies, wo ihrer irdische Freuden in höchster Potenz warten. Der Jüngste Tag beginnt mit der Auferstehung, und es verbindet sich die Seele wieder mit ihrem Leib. Es folgt dann das Gericht, das mit der Verdammung der Ungläubigen beginnt und nächst dem "Allah ist Allah und Mohammed sein Prophet" vielleicht den wichtigsten Artikel dieser Glaubenslehre bildet. Die Moral des Islam weist zwar nicht die Erhabenheit der christlichen auf und steht auch der jüdischen an Ernst nach; aber wenn Mohammed auch nicht das große Prinzip der Liebe und Duldung predigte, so schärfte er dafür seinen Gläubigen die Tugenden der Ergebung in Gottes Willen, Verträglichkeit und Wohlthätigkeit ein. Diebstahl, Lüge und andre Laster werden streng bekämpft.

Die Religion als Praxis beruht auf fünf unerläßlichen Geboten (Feraiz). Als erstes Gebot wird verlangt die Abbetung des Glaubens, bestehend in