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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Moro - Morphium.

er sich dem Prinzen Ludwig Napoleon an, dessen Pläne er als Deputierter des Seinedepartements im Gesetzgebenden Körper seit 1849 gefördert hatte, und leitete als Minister des Innern den Staatsstreich vom 2. Dez. 1851, gab aber schon 13. Jan. 1852 sein Portefeuille wieder ab. Im November 1854 ward er zum Präsidenten des Gesetzgebenden Körpers ernannt. Von Mai 1856 bis August 1857 war er französischer Gesandter in Petersburg, wo er sich im Januar des letztern Jahrs mit der jungen, reichen Fürstin Sophie Trubetzkoi vermählte. Von 1857 bis 1865 war er wieder Präsident des Gesetzgebenden Körpers und zeichnete sich in dieser Stellung durch seine weltmännische Gewandtheit und Unparteilichkeit aus. Durch seine witzigen, geistvollen Bemerkungen beherrschte er die Versammlung. Doch fehlten ihm sittliche Grundsätze, und durch seine Frivolität und Beteiligung an schwindelhaften Finanzgeschäften schädigte er nicht nur das Ansehen des Kaiserreichs, sondern auch die Interessen Frankreichs, indem er der Jeckerschen Geldgeschäfte wegen Napoleon zur verhängnisvollen Expedition nach Mexiko bewog. Er starb 10. März 1865 und ward auf Staatskosten bestattet.

Moro, Antonis de, Maler, s. Moor.

Moro, Passo del, ein Paß im Walliser Hochgebirge (2862 m), führt, wiederholt über Schneefelder und an schwindelnden Abgründen vorüber, aus dem Hintergrund des Saasthals (Distelalp 2170 m ü. M.) nach Macugnaga (1559 m) im italienischen Valle d'Anzasca, also aus dem Gebiet des Genfer Sees in das des Lago Maggiore.

Moron de la Frontera (das Arumi der Römer), Bezirksstadt in der span. Provinz Sevilla, am Guadaira und der Eisenbahn Utrera-M., hat Schloßruinen, (1878) 14,879 Einw. und ausgezeichnete Kalkbrüche.

Morōne, Giovanni de, berühmter Kardinal, geb. 25. Jan. 1509 zu Mailand, ward 1536 zum Bischof von Modena ernannt, aber gleichzeitig vom Papst Paul III. nach Deutschland gesandt, um den Gang der Reformation zu beobachten, und wohnte dem Religionsgespräch zu Worms und dem Reichstag zu Regensburg 1541 bei. 1542 zum Kardinal ernannt, duldete er in seinem Bistum die evangelische Lehre und bekannte sich selbst zur Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben, unterwarf sich jedoch später der Kirche, wurde 1548 Bischof von Novara, 1555 päpstlicher Legat auf dem Reichstag zu Augsburg, 1557 aber in den Kerker geworfen, weil er die Rechte der Kirche in Augsburg verraten habe, und bis zu Pauls IV. Tod 1559 gefangen gehalten. 1563 ernannte ihn Pius IV. zum Präsidenten des Trienter Konzils; nachdem er den Widerstand des Kaisers Ferdinand gegen dessen Beschlüsse beschwichtigt, brachte er dasselbe zum Abschluß seiner Arbeiten. Er wirkte noch 1576 für die katholische Kirche in Deutschland auf dem Regensburger Reichstag. M. starb 1. Dez. 1580 in Rom. Vgl. Bernabei, Vita del cardinale G. M. (Modena 1885).

Morōni, Giovanni Battista, ital. Maler, geboren um 1525 zu Bondo bei Albino im Gebiet von Bergamo, war Schüler Morettos, malte viele Altarblätter und historische Darstellungen, die sich teils in der Brera zu Mailand, teils in kleinen Orten der Provinz Bergamo befinden, zeichnete sich aber vornehmlich durch seine Bildnisse aus, die, sorgfältig gezeichnet, ein lebensvolles, vornehmes Äußere und einen schönen Silberton zeigen. Sie sind namentlich in Italien sehr häufig. Drei befinden sich im Berliner Museum, fünf in der Londoner Nationalgalerie, darunter: der Schneider, ein Hauptwerk, und eins in der Münchener Pinakothek. Er starb 5. Febr. 1578 in Bergamo.

Morōs (lat.), mürrisch, verdrießlich; auch säumig, saumselig; davon Morosität.

Mörosee, s. Moerosee.

Moroxīt, s. Apatit.

Morpeth, Stadt in der engl. Grafschaft Northumberland, am Wansbeck; hat ein großes Gefängnis, eine Schloßruine, Hut- und Flanellfabrikation und (1881) 6115 Einw. Dabei Ruine der 1139 gegründeten Newminsterabtei und das Dorf Mitford, mit Schloßruine.

Morpeth, Lord, s. Carlisle 3).

Morphea, s. v. w. Aussatz.

Morpheus, in der griech. Mythologie der Sohn (oder Diener) des Schlafs und "Bildner" der Traumgestalten. Er selbst führt nur menschliche Gestalten vor, während von seinen zwei Brüdern der eine die Gestalt von allerlei Tieren annimmt (Phobetor), der andre (Phantasos) sich in alle möglichen leblosen Dinge verwandelt. Dargestellt wird M. als geflügelter Greis mit einem Füllhorn, auch mit einem Mohnkranz.

Morphĭum (Morphīn) C17H19NO3^[C_{17}H_{19}NO_{3}], Alkaloid, findet sich in mehreren Pflanzen aus der Familie der Papaveraceen, namentlich im Mohn und in dem aus den Samenkapseln des letztern gewonnenen Opium. Es wird erhalten, indem man den alkoholischen Auszug des Opiums mit Ammoniak versetzt, den Niederschlag mit Natronlauge behandelt, aus dieser Lösung das M. durch kohlensaures Ammoniak fällt und durch Umkristallisieren aus Alkohol reinigt. Bestes Opium gibt im Mittel 12-14 Proz. M. Dies bildet farb- und geruchlose, bitter schmeckende, in Wasser schwer, in Alkohol leichter lösliche Kristalle, reagiert alkalisch, ist nicht flüchtig und bildet mit Säuren meist kristallisierbare, geruchlose, sehr bitter schmeckende, in Wasser und Alkohol lösliche Salze, von welchen das salzsaure C17H19NO3.HCl^[C_{17}H_{19}NO_{3}.HCl] u. das schwefelsaure C17H19NO3.H2SO4^[C_{17}H_{19}NO_{3}.H_{2}SO_{4}] offizinell sind. Bei anhaltendem Erhitzen von M. mit Salzsäure entsteht Apomorphin (s. d.), beim Erhitzen mit Jodmethyl und alkoholischer Natronlösung Codein und das Jodmethylat dieses Alkaloids. M. und seine Salze wirken dem Opium analog, aber weniger erregend, weniger stuhlverstopfend, nicht schweißtreibend, das Sensorium geringer affizierend; sie stören nicht die Sekretionen der Schleimhäute und stimmen die erhöhte Sensibilität herab. Man benutzt sie als krampf- und schmerzstillende, beruhigende, schlafmachende Mittel bei krampfhaften und konvulsivischen Leiden, Neuralgien, Herzkrankheiten, Husten, Asthma, Wahnsinn, Delirium etc. Sehr häufig wird das M. in subkutaner Injektion angewandt, und mit diesen Morphiumeinspritzungen ist in der neuern Zeit ein großer, für die Gesundheit der Betreffenden sehr verhängnisvoller Mißbrauch getrieben worden. Wie bei den Orientalen von alters her die Opium- und Haschischsucht, so hat bei den Europäern in der Neuzeit die Morphiumsucht (Morphinismus), besonders durch die subkutanen Injektionen, Verbreitung gewonnen. Sind es zumeist auch schmerzhafte Leiden und Schlaflosigkeit, welche zu anhaltendem Morphiumgebrauch zu führen pflegen, so hat doch in zahlreichen Fällen einzig und allein ein in der aufregenden und erheiternden, das Gemeingefühl erhöhenden, bei größern Dosen angenehm betäubenden Wirkung des Morphiums Befriedigung findender Sinnenreiz die Anregung dazu gegeben. Der innere Gebrauch des Morphiums gibt der weniger präzisen Wirkung wegen zum Mißbrauch verhältnismäßig sel-^[folgende Seite]