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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Müller

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Müller (Künstler).

Wandgemälden, die sämtlich nach einer von ihm erfundenen Technik der Wandmalerei mit gekochtem Öl ausgeführt wurden. Auch hatte er die Leitung aller Dekorationsmalereien, welchen jene Kirche einen großen Teil ihres harmonischen Eindrucks verdankt. Später führte er für den Fürsten von Hohenzollern im Kunstsaal des Schlosses zu Sigmaringen 24 Darstellungen deutscher Meister aus. Er wurde dabei von seinem Sohn Franz, der ihm als Maler erfolgreich nachstrebt, und dem Historienmaler Lauenstein unterstützt. Von seinen Ölgemälden sind hervorzuheben: drei singende Engel (1836), Maria mit Jesus und Joseph und St. Anna mit der kleinen Maria (Eigentum des Großherzogs von Hessen), St. Cäcilia und das durch Vervielfältigungen bekannte Rosenkranzbild (Altarblatt für die Kirche in Zifflich). M. hat auch Entwürfe zu Altären, Kanzeln, Kaminen, Bucheinbänden und Kartons zu Glasgemälden gefertigt. Sein Sohn Karl ist als Bildhauer thätig und hat außer Arbeiten für Kirchen eine Kolossalbüste des deutschen Kaisers modelliert.

28) Karl, Maler, Bruder des vorigen, geb. 1818 zu Darmstadt, begann seine Kunststudien bei seinem Vater und ging nach dessen Tod 1835 auf die Akademie in Düsseldorf, wo er sich unter Sohn und Schadow bildete. Von 1839 bis 1843 verweilte er in Italien, wo er Studien zu den Fresken in der Apollinariskirche machte, die ihm mehrere der besten Bilder (Szenen aus dem Leben der Maria und die Anbetung des Lammes) verdankt. Ein sorgfältiges Studium der Natur bei idealer Auffassung, ein feiner Sinn für Schönheit und eine sorgfältige Ausführung bei heller Farbe charakterisieren seine Werke. Hervorzuheben sind davon: die Himmelskönigin (Altarbild für die Kirche zu Altena in Westfalen), die Verkündigung (städtische Galerie in Düsseldorf), das heilige Abendmahl, Christus in der Werkstatt des heil. Joseph, Madonna mit dem Jesuskind in einer Grotte, die Jünger zu Emmaus, Vision der heil. Hedwig, das Rosenwunder der heil. Elisabeth. Seit 1858 ist M. als Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie thätig.

29) Johann Georg, Architekt und Dichter, geb. 15. Sept. 1822 zu Moshang in der Schweiz, erhielt seine künstlerische Ausbildung zu München und auf einer 1842 mit dem Architekten Merian unternommenen Reise nach Italien. Hier wurde er besonders von den Baudenkmälern des 13. und 14. Jahrh. angezogen. 1844 kehrte er nach München zurück und wurde von da nach Winterthur zur Ausführung der Oberbauten an der Eisenbahn berufen. Im Frühjahr 1847 ging er nach Wien, wo er in der Konkurrenz um die Kirche in der Vorstadt Altlerchenfeld den Preis und den Auftrag zur Ausführung erhielt. Im Februar 1849 wurde er Professor der höhern Baukunst an der Militärakademie, starb jedoch schon 2. Mai 1849. Vgl. Förster, M., ein Dichter- und Künstlerleben (St. Gallen 1851).

30) Eduard, Bildhauer, geb. 9. Aug. 1828 zu Hildburghausen, trat 1842 als Lehrling in die herzogliche Hofküche, ging vier Jahre später als Koch nach München und Paris, hielt sich zwei Jahre in Antwerpen auf und folgte, nachdem er bisher in seinen Mußestunden schon viel modelliert hatte, 1850 auf den Rat des Bildhauers Joseph Geefs seinem Drang zur Bildhauerkunst. Er besuchte die dortige Akademie und erwarb sich daneben durch Porträte seinen Unterhalt. 1852 ging er nach Brüssel, schuf dort 1854 die Marmorstatue eines erwachenden Knaben und 1856 eine Psyche, die er, nachdem er 1857 in Rom seinen bleibenden Aufenthalt genommen, für den Prinzen-Gemahl von England in Marmor ausführte. Sowohl diese als seine nachfolgenden Werke idealen Inhalts sind von meisterhafter Komposition, großer Lebenswahrheit und besonders in der Behandlung der Stoffe von hoher technischer Vollendung, so namentlich die Marmorgruppen und -Einzelfiguren: Nymphe, den Amor küssend (1862, im Besitz der Königin von England); Glaube, Liebe, Hoffnung, für ein Mausoleum in Hamburg (1869); Satyr mit der Maske (1870); ein erwachendes Mädchen (1872); das Geheimnis des Fauns und die Bacchantin, die dem Amor die Flügel zu beschneiden droht (1874); der neapolitanische Fischer und sein Knabe (1875); die im geistigen Ausdruck ausgezeichnete Eva mit ihren Kindern und die erschreckte Nymphe (Pendant zu jenem Satyr mit der Maske). Sein Hauptwerk ist die von 1874 bis 1879 in Marmor ausgeführte kolossale Gruppe: Prometheus und die Okeaniden (Nationalgalerie in Berlin), aus einem einzigen Block gehauen. In der Zwischenzeit entstanden noch: ein neapolitanischer Fischer (1875) und eine Römerin mit dem Moccolilicht. Nachdem er noch eine Skizze zu einem Pendant der Prometheusgruppe (die Befreiung des Prometheus durch Herkules) vollendet, schloß er seine künstlerische Thätigkeit ab. Er ist Professor und Mitglied der Akademie von San Luca in Rom, der Akademien von Berlin und Madrid, Ehrenmitglied der Akademie von Carrara.

31) Gustav, Maler, geb. 9. Aug. 1828 zu Hildburghausen, Zwillingsbruder des vorigen, besuchte die Akademien von München und Antwerpen, lernte dann 1850 einige Monate in Paris bei Gleyre, malte in den nächsten Jahren zu Koburg und Gotha, dann in Wien Porträte und wurde 1857 an den Hof von Portugal berufen, wo er zum Hofmaler ernannt wurde und das Ritterkreuz des Christusordens erhielt. Nachdem er noch 1857-59 viele Porträte in London gemalt hatte, ließ er sich in Rom nieder, wo er neben Porträten auch eine Reihe von Genrebildern aus der Mythologie und aus dem römischen Volksleben sowie Jagdstücke schuf, z. B. Jupiter und Antiope, Erinnerungen aus der Villa Borghese, Jagdleben in der Campagna, Mädchen aus Corleone (vom Kaiser Wilhelm I. erworben), Jäger in der Klosterküche. Er ist Professor und Mitglied der Akademie von San Luca in Rom.

32) Viktor, Maler, geb. 29. März 1829 zu Frankfurt a. M., besuchte dort das Gymnasium und hierauf die Kunstschule, ging nach Antwerpen und 1849 nach Paris, wo er bis 1860 blieb und sich namentlich nach Couture und Courbet bildete. Durch die Normandie, Lothringen, Elsaß und Basel heimgekehrt, besuchte er England und wiederholt Holland und führte dann in den Patrizierhäusern der Graham und Lachmann zu Frankfurt a. M. mehrere Bilder aus, worauf er 1865 nach München übersiedelte. Dort malte er zwei Szenen aus der Geschichte des Ritters Hartmuth von Kronberg für das Schloß Kronberg im Taunus und ein fein gestimmtes Bild: Hero und Leander. Dann folgten: Hamlet mit Horatio auf dem Friedhof, Ophelia am Bach, zwei Mohren, die einen Schädel betrachten, und Romeo und Julia. Unvollendet blieb sein letztes Bild: Faust auf dem Spaziergang. Dazwischen entstanden eine Waldnymphe, Tannhäuser im Venusberg, eine große Landschaft mit einer Szene aus Victor Hugos "Les misérables", Schneewittchen, mit den Zwergen tanzend. Sein letztes vollendetes Bild war ein Blumenmädchen. M. starb 21. Dez. 1871 in München. Seine