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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Müller von Steinla - Mülsen.

bezichtigte, aber fruchtlos blieb. M. ging nun im Mai 1811 wieder nach Wien und wurde dort auf Empfehlung seines Freundes Gentz mit politischer Korrespondenz beschäftigt. 1813 sandte man ihn als k. k. Landeskommissar nach Tirol und verwendete ihn später unter dem Titel eines Regierungsrats auch bei der neuen Organisation dieses Landes. 1815 zurückberufen, folgte M. dem Kaiser ins Feldhoflager nach Heidelberg und Paris. Hierauf wurde er österreichischer Generalkonsul für Sachsen und Resident der anhaltischen Höfe in Leipzig, in welcher Stellung er eine bedeutende Agitation gegen Preußen betrieb und (1816-18) seine "Staatsanzeigen" erscheinen ließ. 1827 erfolgte seine Rückberufung nach Wien, wo man ihn mit dem Beinamen von Plittersdorf in den Adelstand erhob und bis zu seinem 17. Jan. 1829 erfolgten Tod in der Hof- und Staatskanzlei beschäftigte. Unter seinen Schriften, in denen sich der Hang zum Mystizismus mit katholisch-reaktionären Tendenzen verbindet, sind noch hervorzuheben: "Die Lehre vom Gegensatz" (Berl. 1804); "Von der Idee des Staats" (Dresd. 1809); "Die Elemente der Staatskunst" (Berl. 1809, 3 Bde.); "Die Theorie der Staatshaushaltung" (Wien 1812, 2 Bde.); "Versuch einer neuen Theorie des Geldes" (Leipz. 1816); "Zwölf Reden über die Beredsamkeit und deren Verfall in Deutschland" (das. 1817); "Von der Notwendigkeit einer theologischen Grundlage der gesamten Staatswissenschaften" (das. 1819). Vgl. Varnhagen v. Ense, Galerie von Bildnissen aus Rahels Umgang und Briefwechsel, Bd. 2 (Leipz. 1836); "Briefwechsel zwischen F. Gentz und A. H. M." (Stuttg. 1857).

Müller von Steinla, s. Steinla.

Müllerchen, s. Grasmücke.

Müllergaze, s. Beuteltuch.

Müllerīt, s. v. w. Nickelkies.

Müllerscher Gang, s. Eileiter und Geschlechtsorgane.

Müllersches Glas, s. Opal.

Müllheim, Stadt im bad. Kreis Lörrach, am Fuß des Blauen, an der Linie Mannheim-Konstanz der Badischen Staatsbahn und der Eisenbahn M.-Mülhausen i. E., 269 m ü. M., hat eine neue evangelische gotische und eine romanische kath. Pfarrkirche, eine Real- und eine landwirtschaftliche Winterschule, ein Amtsgericht, eine Bezirksforstei, eine Mineralquelle mit Bad, vorzüglichen Weinbau (Markgräfler) und (1885) 3218 meist evang. Einwohner.

Mullicīt, s. Vivianit.

Mulligatawny (spr. -tahni), stark gewürzte, ursprünglich indische Suppe, welche in England bei Diners gegeben wird, besteht aus sehr starker Fleischbrühe, Kalbskopf, Geflügel, Fleischstückchen, Speck, Currypulver, Gemüsen und Reis.

Mülligen, Dorf, s. Birmenstorf.

Mullingar, Hauptstadt der irischen Grafschaft Westmeath, am Königskanal, Sitz des katholischen Bischofs von Meath, hat große Pferde- und Viehmärkte und (1881) 4787 Einw.

Müllner, Amadeus Gottfried Adolf, Kritiker und dramatischer Dichter, geb. 18. Okt. 1774 zu Langendorf bei Weißenfels, Schwestersohn des Dichters Bürger, studierte in Leipzig die Rechte, wurde 1798 Rechtsanwalt in Weißenfels, gab 1816 seine Praxis auf und starb 11. Juni 1829 daselbst. Als Dichter trat M. (anonym) zuerst mit dem Roman "Incest" (Greiz 1799, 2 Bde.) vor die Öffentlichkeit und schrieb dann eine Anzahl Lustspiele für ein Liebhabertheater, wie: "Der angolische Kater", "Der Blitz", "Die Rückkehr aus Surinam", "Die großen Kinder", "Die Onkelei" etc. (gesammelt in "Spiele für die Bühne", Leipz. 1815-21, 2 Bde., und im "Almanach für Privatbühnen", das. 1817-19, 3 Bde.), die sich meist an französische Vorbilder anlehnen. Sein dichterischer Ruf beruht aber auf seinen Tragödien: "Der neunundzwanzigste Februar" (Leipz. 1812), einem matten Nachklang des Wernerschen Trauerspiels "Der vierundzwanzigste Februar", ferner "Die Schuld" (das. 1815), "König Yngurd" (das. 1817) und "Die Albaneserin" (Stuttg. 1820), Dichtungen, durch welche er die sogen. Schicksalstragödie in die Mode brachte. Das tragische Schicksal knüpft sich in diesen Stücken an kleinliche Zufälligkeiten, an unbedeutende Dinge, wie z. B. in der "Schuld" an eine zersprungene Saite; die grandiose Idee des antiken Fatums erscheint unabsichtlich ins Komische verzerrt, und bei aller Vorliebe des Dichters für Herbeiziehung des Furchtbaren und Schaudererregenden ist der Totaleindruck, den die Müllnerschen Trauerspiele auf den gebildeten Geschmack hervorbringen, der dem echt tragischen gerade entgegengesetzte, nämlich der des Greulichen und zugleich Lächerlichen. Gleichwohl haben Müllners Tragödien eine Zeitlang von der deutschen Bühne herab eine bedeutende Wirkung geübt und eine ganze Reihe geistesverwandter dramatischer Produkte hervorgerufen. Als talentvollste Nachfolger schlugen Grillparzer (in der "Ahnfrau") und Houwald den von M. eröffneten Weg der fratzenhaften Schicksalstragik ein, die in Tieck, Börne, Castelli und Platen geistreiche Bekämpfer fand. Seit 1820 wandte sich M. ausschließlich der litterarischen und dramaturgischen Kritik zu. Er führte 1820-25 die Redaktion des "Litteraturblattes" zum "Morgenblatt" und gab dann 1823 die Zeitschrift "Hecate", seit 1826 das "Mitternachtsblatt" selbständig heraus. Auch als juristischer Schriftsteller ist M. aufgetreten. Seine Dichtungen erschienen als "Dramatische Werke" (Braunschw. 1828, 8 Bde.); zuvor schon hatte er "Vermischte Schriften" (Stuttg. 1819-26, 2 Bde.) herausgegeben. Vgl. Schütz, Müllners Leben, Charakter und Geist (Meiß. 1830); Höhne, Zur Biographie und Charakteristik Müllners (Wohlau 1875).

Müllrose, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Lebus, am Friedrich Wilhelms- (Müllroser) Kanal und an der Linie Frankfurt a. O.-Kottbus der Preußischen Staatsbahn, 42 m ü. M., hat eine Oberförsterei, bedeutende Waldungen, eine Dampfmühle, Schiffahrt, Holzhandel und (1885) 2234 fast nur evang. Einwohner. Der Müllroser oder Friedrich Wilhelms-Kanal verbindet die Spree mit der Oder, ist 28 km lang, steigt von der Oder von 21 m bis auf 42 m in der Wasserscheide, fällt alsdann zur Spree wieder auf 39 m, hat 9 Schleusen und ward 1662-68 vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm angelegt. In der Abdachung zur Oder bildet den Kanal das kanalisierte Flüßchen Schlaube; den Kanal passierten bei Brieskow 1885: 1952 beladene Schiffe mit 164,700 Ton. Ladung.

Mullus, Seebarbe.

Mulm, trockne, lockere Erde; erdige Erze, z. B. Eisenmulm, erdiger Magneteisenstein; Fäulnis im Holz oder verfaultes, zu Pulver gewordenes Holz.

Mulmen, Stadt, s. Maulmain.

Mulock, Dinah Maria, engl. Romandichterin, s. Craik 2).

Muls., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für M. E. Mulsant (spr. mülssāng), geb. 1797, gest. 1880 als Bibliothekar in Lyon; Entomolog.

Mülsen (Mülsener Grund), großer Fabrikdistrikt in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, Amts-^[folgende Seite]