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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Munkács; Munkacsy; Münnerstadt; Münnich

885

Munkács - Münnich.

(Par. 1833); "Notice sur Rabbi Saadia Gaon" (das. 1838); "Palestine" (das. 1845; deutsch, Berl. 1871-72, 2 Bde.); "Notice sur Abou'l-Walid-Merwan" (Par. 1851) und "Mélanges de philosophie juive et arabe" (das. 1859). Ein Teil von Munks Abhandlungen über arabische und jüdische Philosophie im "Dictionnaire des sciences philosophiques" erschien deutsch unter dem Titel: "Philosophie und philosophische Schriftsteller der Juden" (Leipz. 1852). Vgl. Jellinek, Salomon M. (Wien 1865).

Munkács (spr. múnkātsch), Stadt im ungar. Komitat Bereg, an der Latorcza und der Ungarischen Nordostbahn, mit (1881) 9691 Einw. (Ungarn, Ruthenen und Deutsche), Weinbau, bedeutenden Alaun- und Eisengruben, einiger Industrie (grobes Tuch, Bauernpelze), Realgymnasium und Bezirksgericht. Daselbst werden auch Bergkristalle (die sogen. ungarischen Diamanten) gefunden. Das in der Ebene auf einem 76 m hohen Felsen liegende Bergschloß M. dient als Staatsgefängnis. - M. war seit Ludwigs I. (1342-1382) Zeit infolge der Einwanderung und Ansiedelung der podolischen Ruthenen unter ihrem Fürsten Theodor Keriatowič Vorort der ruthenischen "Krajna" (Mark) oder des "Herzogtums" M., welches seit 1370 meist als Apanage ungarischer Königinnen eine große Krondomäne bildete. Die Herrschaft kam 1591 an Sig. Rákóczy als Mitbesitzer, 1614 an Nik. Esterházy, später an Gabr. Bethlen, an dessen Witwe Katharina, Prinzessin von Brandenburg, und bald an Georg Rákóczy I. und dessen Haus. Die Burg von M. wurde als Hauptwaffenplatz Emmerich Tökölys von dessen Gemahlin Helene Zriny lange gegen die Kaiserlichen verteidigt und erst nach dreijähriger Belagerung 14. Jan. 1688 übergeben. Am 14. Juni 1703 erlitt hier Franz Rákóczy II. durch die Kaiserlichen unter Nigrelli eine Niederlage, und 1708 ward der Ort an letztere übergeben. Im J. 1728 kam M. an das gräfliche Haus Schönborn. 1834 brannte die Festung aus. Hier saß Alexander Ypsilanti 1821-1823 gefangen. Während des ungarischen Revolutionskriegs von 1848 geriet die Feste in die Hände der Insurgenten, mußte sich aber 26. Aug. 1849 den Russen ergeben.

Munkacsy (spr. múnkatschi), Michael, eigentlich Lieb, ungar. Maler, geb. 10. Okt. 1846 zu Munkács in Ungarn, erlernte das Tischlerhandwerk und arbeitete schon als Geselle, als er durch einen reisenden Porträtmaler in Gyula, der ihm den ersten Unterricht erteilte, zur Kunst geführt wurde. Er bildete sich dann auf eigne Hand weiter und zeichnete und malte Porträte und Genrebilder aus dem Volksleben, deren eins (Bauernidyll) der Pester Kunstverein ankaufte. 1865 ging er nach Wien auf die Kunstakademie, mußte aber schon im folgenden Jahr wegen Mittellosigkeit nach Pest zurückkehren. Von da begab er sich nach kurzer Pause nach München, wo sich der Schlachtenmaler Franz. Adam seiner annahm. Hier beteiligte sich M. an einer Konkurrenz, die das ungarische Kultusministerium ausgeschrieben hatte, und errang mit Genrebildern dreimal den ersten Preis, wodurch er die Mittel erhielt, 1868 nach Düsseldorf zu gehen, wo Knaus und Vautier ihn zur Behandlung nationaler Stoffe weiter ermutigten. Hier entstanden der erwachende Schusterjunge und einige Porträte; dann folgte das tief ergreifende Bild: der letzte Tag eines Verurteilten (1870), welches ihn mit einemmal berühmt machte und ihm die Bestellung eines andern großen Bildes: Kriegszeit (1871), eintrug. M. siedelte im Januar 1872 nach Paris über, wo seine Arbeiten bald außerordentliche Anerkennung fanden. Von den kleinern Bildern dieser frühern Zeit sind noch zu nennen: der Gang zur Schule (1871), die Küchenpolitiker, die Butterfrau, der betrunkene Schneider sowie einige Landschaften; von den größern: der Transport von gefangenen Nachtschwärmern (1873), im Pfandhaus (1874), der Abschied der Rekruten und der Dorfheld (1877). Alle diese Bilder kennzeichnet eine energische Charakteristik, eine große Kraft der Darstellung und Breite des malerischen Vortrags, aber auch eine starke Neigung zum Häßlichen und zu einem schwarzen Gesamtton, in welchem alle Lokalfarben untergehen. Diese Eigenschaften zeigten sich jedoch nur in seinen Genrebildern aus dem ungarischen Volksleben. Seit 1876 begann er auch Szenen aus den Pariser Salons zu malen, in welchen er nach einem immer reichern Kolorit strebte und schließlich zu einer ganz hellen und lichten Farbenstimmung bei einer skizzenhaft andeutenden, fast impressionistischen Behandlung der Zeichnung und Modellierung gelangte. Die Hauptbilder dieser Gattung sind: der Künstler mit seiner Gattin im Atelier (1876), der Besuch bei der Wöchnerin (1881), das Namensfest des Vaters, die Amme, die beiden Familien (1881) sowie mehrere Stillleben und Blumenstücke. Im J. 1877 betrat er mit einem Milton, seinen Töchtern das "Verlorne Paradies" diktierend, das Gebiet des historischen Genres, wobei er zugleich nach einer tiefern Charakteristik strebte und an die Stelle der schwarzen Gesamtstimmung eine graue setzte. Dieses Bild brachte ihm 1878 die Ehrenmedaille der Pariser Weltausstellung ein. Zu voller Farbigkeit auch auf diesem Gebiet seines Schaffens wendete sich M. 1882 mit einem figurenreichen Kolossalbild: Christus vor Pilatus (1882, radiert von Wallner), welchem 1884 eine Kreuzigung Christi (le Calvaire, radiert von Köpping) folgte. Auf diesen Bildern ist die Erregung des Volkes mit großer dramatischer Lebendigkeit und ebenso großer malerischer Kraft geschildert, welche dem Geistigen wie dem Materiellen in gleichem Maß gerecht wird. Die biblischen Vorgänge sind im historischen Licht betrachtet und demgemäß in vollster, ethnographischer Realität dargestellt. Das religiöse Moment ist gänzlich zu gunsten des geschichtlichen zurückgedrängt. Christus vor Pilatus ist für 120,0000 Dollar, Munkacsys letztes größeres Bild: die letzten Augenblicke Mozarts (1886), für 50,000 Doll. nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika verkauft worden. M. hat auch mehrere Bildnisse (Kardinal Haynald, Liszt) gemalt. Er ist vom Kaiser von Österreich geadelt worden und besitzt die große goldene Medaille der Berliner Ausstellung.

Münnerstadt, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, Bezirksamt Kissingen, an der Lauer und der Linie Oberndorf-Meiningen der Bayrischen Staatsbahn, 234 m ü. M., hat ein Amtsgericht, ein Forstamt, eine Studienanstalt, ein Augustinerkloster, Wein- und Hopfenbau, Vieh- und Getreidemärkte und (1885) 2202 fast nur kath. Einwohner.

Münnich, Burkhard Christoph, Graf von, russ. Generalfeldmarschall, geb. 19. Mai 1683 zu Neuhuntorf im Großherzogtum Oldenburg, Sohn eines frühern dänischen Offiziers, Anton Günther v. M., trat 1699 in Straßburg als Ingenieur in die französische Armee und beim Ausbruch des spanischen Erbfolgekriegs 1701 als Hauptmann in hessen-darmstädtische, 1705 in hessen-kasselsche Dienste, wohnte den Kämpfen in Italien und Holland bei, erwarb sich bei Malplaquet 1709 den Oberstleutnantsrang und geriet, sehr schwer verwundet, bei Denain in französische Gefangenschaft. Nach seiner