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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Myron; Myrōnsäure; Myroxylon; Myrrha; Myrrhe; Myrrhophōren; Myrsinaceen; Myrtaceen

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Myron - Myrtaceen.

arbeit gewonnenes Pulver in den Handel. Im Altertum verstand man unter M. die Früchte der in Ägypten wild wachsenden Balanites aegyptiaca Del., die zu Salben benutzt wurden; im Mittelalter übertrug man den Namen auf gelbe, in Syrien wachsende Pflaumen, wahrscheinlich unsre jetzigen Mirabellen (nicht die Früchte von Prunus cerasifera, die gegenwärtig oft M. genannt werden).

Myron, griech. Bildhauer, um 450 v. Chr., aus Eleutherä, einem Grenzort Böotiens, war nebst Pheidias und Polyklet Schüler des Ageladas und vorwiegend in Athen thätig. Ein vielseitiger Künstler, Holzschnitzer, Erzgießer und Ziseleur in Silber, beherrschte er alle Stoffgebiete. Er schuf Götterstatuen, Heroen- und Athletenbilder, vorzugsweise aber letztere, die sich meist in Delphi und Olympia befanden. Unter ihnen waren am berühmtesten die Statuen des Schnellläufers Ladas und eines Diskoswerfers (Diskobolos, s. Diskos, mit Abbildung), der in römischer Zeit unzählige Male in Marmor kopiert worden ist. Auch von einer athenischen Gruppe, Athene die Flöten wegwerfend und der Silen Marsyas erschreckt zurückfahrend, besitzen wir auf Münzen und Vasenbildern Nachbildungen; eine Kopie des Marsyas befindet sich im lateranischen Museum zu Rom. Mit besonderm Glück zog er das Tierreich in den Bereich seiner Kunst. Seine durch zahlreiche Sinngedichte gefeierte Kuh auf dem Markt zu Athen ward zu Ciceros Zeit nach Rom gebracht. Der Stil Myrons zeichnet sich durch Knappheit der Formen aus; der Künstler war Meister in scharfer Erfassung bewegtester Motive, ohne freilich schon die volle Beseelung des Kopfes zu erreichen.

Myrōnsäure C10H19NS2O10 ^[C_{10}H_{19}NS_{2}O_{10}] findet sich als Kalisalz im Samen des schwarzen Senfs, bildet einen geruchlosen Sirup, schmeckt sauer und bitter und zersetzt sich sehr leicht. Das Kalisalz erhält man aus dem Samen, wenn man denselben wiederholt mit Alkohol auskocht und dann mit Wasser auszieht. Es bildet kleine, farb- und geruchlose Kristalle, schmeckt bitter kühlend, löst sich leicht in Wasser, nicht in Alkohol und wird bei der Einwirkung eines in den Senfsamen enthaltenen Eiweißstoffes, des Myrosins, in Zucker, ätherisches Senföl und saures schwefelsaures Kali zersetzt. Dieser Prozeß verläuft im zerstoßenen Senfsamen, sobald man ihn mit Wasser anrührt. Hierauf beruht die Bildung des ätherischen Senföls und die Wirkung des Senfpflasters. Tränkt man ein Blatt Papier mit myronsaurem Kali, ein andres mit Myrosin und legt beide befeuchtet übereinander auf die Haut, so wirken sie wie ein Senfpflaster.

Myroxylon L. fil. (Balsambaum, Toluifera L.), Gattung aus der Familie der Papilionaceen, balsamreiche Bäume mit unpaarig gefiederten, immergrünen Blättern, weißlichen Blüten in einfachen, axillären oder an der Spitze der Zweige rispig gebüschelten Trauben und gestielter, stark zusammengedrückter, einsamiger Hülse. Sechs südamerikanische Arten. M. toluifera H. B. Kth. (Toluifera Balsamum Müller), 26 m hoher Baum mit reichblütigen Trauben, im nordöstlichen Südamerika, liefert den Tolubalsam. M. Pereirae Kl. (T. Pereirae Baill.), hoher Baum mit 2-3 m über dem Boden sich entwickelnden Ästen und lockern Trauben, in den Bergwäldern von San Salvador an der Westküste Zentralamerikas, liefert den Perubalsam, während von M. peruiferum L. fil. (T. peruifera Baill., s. Tafel "Arzneipflanzen I"), in Bolivia, Peru und Kolumbien, in geringer Menge ein dem Tolubalsam ähnlicher Balsam gewonnen wird.

Myrrha, Mutter des Adonis (s. d.).

Myrrhe (Myrrha), Gummiharz, welches aus der Rinde von Balsamodendron Myrrha ausfließt u. aus Arabien u. der Somalküste meist über Bombay in den Handel kommt. Die M. bildet unregelmäßige Körner oder größere Massen, ist gelblich bis braun, spröde, durchscheinend, riecht eigentümlich balsamisch, schmeckt gewürzhaft bitter, gibt mit Wasser eine Emulsion, löst sich auch in Alkohol unvollständig, bläht sich beim Erhitzen auf, ohne zu schmelzen, und verbreitet dabei einen angenehmen Geruch. Sie besteht aus Gummi und Harz und dient als tonisch balsamisches Mittel bei Hypersekretionen der Respirations- und Urogenitalorgane, bei Indigestionen, Magenkatarrh, äußerlich als Myrrhentinktur (aus 1 Teil M. und 5 Teilen Alkohol bereitet) zum Verbinden schlecht eiternder Geschwüre und zu adstringierenden Mundwassern. Sie bildete seit den ältesten Zeiten neben Weihrauch einen Bestandteil von Räucherungsmitteln und Salben und wurde von den Ägyptern auch beim Einbalsamieren benutzt. Besonders zu gottesdienstlichen Zwecken blieb die M. fortwährend auch bei den Griechen im Gebrauch, und als "Smyrna" findet sie sich auf der Liste der römischen Zollstätte in Alexandria. Die römische Kirche aber bevorzugte bei weitem den Weihrauch.

Myrrhophōren (griech., "Myrrhenträger"), in der Kunstgeschichte Bezeichnung für die drei zum Grab Jesu gehenden, Spezereien tragenden Frauen Maria Magdalena, Maria Jacobi und Maria Salome, mit dem auf dem offnen Grab sitzenden Engel.

Myrsinaceen, dikotyle, etwa 500 Arten umfassende, der Tropenzone angehörige Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Primulinen, Holzpflanzen mit lederartigen Blättern und typisch fünfzähligen Blüten, von den nahe verwandten Primulaceen vorzugsweise durch Beerenfrüchte verschieden.

Myrtaceen, dikotyle Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Myrtifloren, meist Bäume und Sträucher mit immergrünen Blättern und vollständigen, regelmäßigen, bald einzeln achselständigen, bald in Ähren, Trugdolden, Rispen oder Köpfen stehenden Blüten. Der Kelch bildet oberhalb des Fruchtknotens einen vier-, fünf- oder auch vielspaltigen Saum, dessen Abschnitte stehen bleiben oder abfallen und klappige Knospenlage haben, oder der Saum ist ganz und geschlossen, vor dem Aufblühen deckelartig sich ablösend. Die Blumenblätter stehen abwechselnd und in der gleichen Anzahl mit den Kelchabschnitten auf einem im Schlunde des Kelchs befindlichen Discus. Die zahlreichen, meist durch Spaltung aus vier oder acht Grundanlagen hervorgegangenen Staubgefäße entspringen ebendaselbst und sind alle fruchtbar oder zum Teil steril; die Staubfäden sind entweder frei, oder nur am Grund etwas verbunden, oder in Bündel, welche den Blumenblättern gegenüberstehen, oder zu einem becherförmigen Körper verwachsen. Der unterständige oder halbunterständige, mit einem fleischigen Discus bedeckte Fruchtknoten ist entweder einfächerig und hat dann eine oder mehrere grundständige Samenknospen, oder er ist zwei- bis mehrfächerig und enthält dann im Innenwinkel der Fächer meist zahlreiche Samenknospen. Der Griffel ist endständig, einfach, an der Spitze bisweilen bärtig, die Narbe endständig, ungeteilt. Die gewöhnlich vom Kelchsaum gekrönte Frucht ist entweder einfächerig und einsamig oder zwei- bis vielfächerig und dann kapsel-, seltener beerenartig. Die eckigen, runden oder zusammengedrückten Samen haben eine krustige oder häutige Schale, kein Endosperm und einen geraden