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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nadeln

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Nadeln (Strick-, Haar-, Stecknadeln; Geschichtliches).

Seite, um sie mit einer glühenden Eisenstange blau anlaufen zu lassen. Hierzu benutzt man auch eine selbstthätige Blaumachmaschine, bei der ein rotierendes Rädchen die N. einzeln aufnimmt und durch eine so regulierte Gasflamme führt, daß sie beim Verlassen derselben bis zur richtigen Länge blau angelaufen sind. Die N. mit rundem Öhr werden dann behufs des Glättens auf einer kleinen drehbankähnlichen Vorrichtung nachgebohrt, indem man die Spitze des feinen Werkzeugs von beiden Seiten einen Augenblick in das Öhr treten läßt (Drillen). Viele N. werden dann im Öhr nach irgend einer einfachen Methode vergoldet. Um alle Rauhigkeiten zu entfernen und die auf der Scheuermühle etwas stumpf gewordenen Spitzen zu schärfen, werden die N. auf einer mit feinem Schmirgel überzogenen, rasch rotierenden Scheibe geschliffen und dann auf einer andern, mit Leder überzogenen Scheibe mit Zinnasche und Kolkothar poliert (Braunieren). Die N. sind damit fertig und werden nun gezählt und verpackt. Zum Abzählen benutzt man gewöhnlich ein Lineal mit so vielen kleinen Querfurchen, als N. abgezählt werden sollen. Man hält eine Partie N. zwischen den Fingern und streicht über das Lineal, wodurch in jeder Furche Eine Nadel liegen bleibt. Man hat auch Zählapparate, wo ein von einer Handkurbel gedrehtes, am Umfang geriffeltes Scheibchen die N. aus einer Vorlage abzählt und ein Zeichen macht, wenn 25 oder 100 Stück in das Nadelpapier gefallen sind. Endlich hat man auch Nadelzählmaschinen konstruiert, bei denen die Arbeiterin nur das Auflegen und Abnehmen der Nadelpapiere zu besorgen hat, während eine sich kontinuierlich drehende Zählscheibe die gewünschte Zahl N. in die Papiere einzählt. In Deutschland sind die wichtigsten Orte für Nadelfabrikation Aachen, Burtscheid, Iserlohn und Altena und in Mittelfranken Nürnberg und Schwabach.

2) Stricknadeln werden wie Nähnadeln fabriziert; doch ist ihre Herstellung einfacher, weil alle auf Bildung des Öhrs sich beziehenden Arbeiten wegfallen. Die Schachte werden in einer Länge von 200-250 mm aus Eisen- oder Stahldraht geschnitten, auf Maschinen gerichtet, an beiden Enden rundspitzig angeschliffen, gehärtet (die eisernen eingesetzt), angelassen und auf der Scheuermühle poliert.

3) Haarnadeln werden aus Eisendraht im Schachtmodell geschnitten, an beiden Enden zugespitzt und über einer Klammer zusammengebogen. Zuletzt läßt man sie in heißen Pfannen blau anlaufen oder schwärzt sie mit Leinöl, das eingebrannt wird.

4) Stecknadeln werden aus Messing- oder Stahldraht gefertigt. Der Draht wird zunächst gerichtet, dann zerkneipt man ihn in Stücke von 5-7 m Länge und zerschrotet diese mit der Schrotschere in Schafte von der zwei-, drei- oder vierfachen Länge der N. Das Spitzen geschieht durch eine scheibenförmige Feile, den Spitzring. Dieser hat 125-150 mm im Durchmesser, 45 mm in der Breite und macht wenigstens 1200 Umdrehungen in einer Minute. Sein Umkreis oder seine Stirn ist mit Stahl belegt, wie eine Feile mit Unter- und Oberhieb versehen und gehärtet. Nach dem Spitzen werden die Schafte mit der Schrotschere weiter zerteilt und (wenn man lange Schafte verarbeitet) abermals gespitzt. Zu den Knöpfen oder Köpfen nimmt man etwas feinern Draht als zu den N., windet ("spinnt") denselben mittels des Knopfrades über einem 600-900 mm langen Messingdraht von der Stärke der Nadelschafte zu schraubenartigen Röhrchen (Spindeln), deren Windungen dicht aneinander liegen, und zerschneidet diese mit der Knopfschere so, daß jeder Teil genau zwei Umgänge des gewundenen Drahts erhält. Ein kleines Fallwerk, die Wippe, dient zur Verbindung des Nadelschafts mit dem Kopf. Die Wippe besteht im wesentlichen aus zwei stählernen Stempeln, von denen der eine ein halbkugeliges Grübchen, der andre außerdem noch eine Rinne enthält. Die Arbeiterin spießt mit der Nadel einen Kopf auf, schiebt ihn ans Ende und hält die Nadel dann so zwischen die Stempel, daß der Schaft in der Rinne, der Kopf aber in einer der beiden Halbkugeln liegt. Fällt nun der schwere Oberstempel sechs- bis siebenmal herab, und wird jedesmal die Nadel etwas gedreht, so runden sich die Drahtwindungen des Kopfes zu einer kleinen Kugel, die fest auf dem Schaft sitzt. Ein Arbeiter versieht auf diese Weise in einer Stunde 1000-1200 N. mit Köpfen. Neuerdings macht man N. mit gestauchten Köpfen und zwar auf Maschinen, die, nach Art der Stampfmaschine (Fig. 3) gebaut, 40-60 Stück in der Minute erzeugen. Die fertigen N. werden mit Weinsteinlösung oder verdünnter Schwefelsäure gekocht, dann weiß gesotten oder auf nassem Weg verzinnt. Zuletzt schüttelt man sie in einem ledernen Sack mit grober trockner Kleie und poliert sie ebenfalls mit Kleie in einem um seine Achse gedrehten Faß.

[Geschichtliches.] Sowohl die N. zum Zusammenhalten und Zusammennähen der Gewänder (Steck- und Nähnadeln) als zum Schmuck (Haar- und Gewandnadeln) sind uralt und den zuerst verwendeten Dornen und Fischgräten, anfangs aus Horn, Knochen, Hirschgeweih, später aus Metall (Bronze, Kupfer, Gold, Eisen), nachgebildet. Prähistorische Funde haben N. aus Hirschhorn und Knochen geliefert, die auch schon mit einem Öhr versehen waren. Bei den ältern Bronzenadeln befindet sich dasselbe in der Mitte und erst bei den spätern an einem Ende der Nadel. N. aus Metall finden sich bei den alten Babyloniern, Griechen, Römern und Kelten und zwar vielfach aus schmiedbarem Metall (Eisen, Bronze). Man fertigte sie aus dünn gehämmerten Stäben durch Schleifen und Feilen, bildete den Kopf durch Anstauchen, Auflöten oder Annieten und das Öhr an den Nähnadeln durch Umbiegen des einen Endes. Durch die Erfindung des Drahtziehens, zunächst vor dem 11. Jahrh. zur Drahterzeugung für die Kettenpanzer, dann der Drahtmühle um die Mitte des 14. Jahrh. gewann besonders das Gewerbe der Nadler Bedeutung, welches 1370 in Nürnberg erscheint. Nähnadeln machte man aus zugespitztem Eisendraht, indem man ein Öhr in der Weise bildete, daß man das Ende breit schlug, spaltete und dann wieder die entstandenen Enden übereinander klopfte. Die Härte erhielten sie durch Zementieren. Wahrscheinlich noch im 14. Jahrh. entstanden die heutigen N. mit gelochten oder gebohrten Öhren. Erst in unserm Jahrhundert erlitt diese Herstellungsmethode durch Einführung der selbstthätigen Maschinen zum Spitzen der Schachte, des Fallwerkes und andrer Vorrichtungen zum Prägen und Lochen (Milward 1853), Apparate zum mechanischen Einlegen in die Briefe (Pastor 1835, James 1853), insbesondere durch Anwendung des Stahldrahts die weitgehende Umwandlung, welche sie auszeichnet. Stecknadeln fabrizierte man aus zugespitzten Messingdrahtstiften, denen die Köpfe angestaucht wurden. Im 16. Jahrh. entstand die heute noch übliche Bildung des Kopfes durch zwei schraubenartige Drahtwindungen, welche mit kleinen Hämmern kugelförmig und fest geklopft wurden. Etwa um das Jahr 1680 erfand man zu dieser Arbeit